FAZ 21.01.2026
13:58 Uhr

Zukunft des ÖPNV: Die Hoffnung fährt mit


Warum es beim öffentlichen Nahverkehr im Rhein-Main-Gebiet langsam aufwärtsgeht – und die Geduld der Fahrgäste trotzdem weiter strapaziert wird.

Zukunft des ÖPNV: Die Hoffnung fährt mit

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) erlebt derzeit eine paradoxe Phase. Nie zuvor sind so viele Menschen mit Bus und Bahn unterwegs gewesen, gleichzeitig war der Frust über Verspätungen, Ausfälle und unzureichende Informationen selten größer. 839 Millionen Fahrgäste zählte der RMV im vergangenen Jahr – ein Rekord, der eigentlich Anlass zur Freude geben müsste. Doch die Realität auf den Bahnsteigen sieht oft anders aus: Züge kommen zu spät oder fahren gar nicht, Reisende sind frustriert und verärgert, weil ihnen niemand sagt, was los ist und wie es für sie weitergehen kann. Aus Sicht von Knut Ringat, dem langjährigen Geschäftsführer des RMV, war 2025 „ein Jahr zum Anlaufnehmen“, und 2026 wird zu einem Jahr des Aufbruchs. Das klingt kämpferisch, ist aber auch ein Eingeständnis: Auf der Schiene bleibt der Weg steinig. Noch immer ist im RMV-Gebiet jede vierte S- und Regionalbahn verspätet oder fällt aus. Die empfindliche und rund um Frankfurt chronisch überlastete Infrastruktur reagiert auf jede Störung wie ein überreiztes Nervensystem. Zu den Störungen gehören – neben kurzfristigen, nicht absehbaren Personalengpässen – auch die zahlreichen Baustellen, von denen es in diesem Jahr noch mehr geben wird.  Rund 2800, noch einmal 300 mehr als im Vorjahr, sind in der Rhein-Main-Region abzusehen. Das ist ein Spitzenwert, selbst im Maßstab des bundesweit überlasteten Bahnnetzes. Doch was aus Sicht vieler Fahrgäste wie die ewige Wiederholung derselben Zumutung wirkt, ist tatsächlich ein notwendiges Übel. Der RMV steht am Anfang einer gewaltigen Modernisierungsoffensive, die bis Mitte des nächsten Jahrzehnts 20 Milliarden Euro verschlingen und das Rückgrat des Nahverkehrs stärken soll. Wenn dann die Regionaltangente West und die nordmainische S-Bahn, möglicherweise auch die derzeit infrage gestellte Wallauer Spange fertig sind, wird der ÖPNV rund um Frankfurt attraktiver und zuverlässiger sein und verloren gegangenes Vertrauen hoffentlich zurückgewinnen können. Die Richtung stimmt: In Sachen Optimierung des öffentlichen Nahverkehrs bewegt sich etwas, wenn auch eher im Regionalzugtempo als im ICE-Modus. Der RMV befindet sich auf einer schwierigen Tunnelfahrt, doch am Ende ist Licht zu erkennen. Wer für den Klimaschutz und eine lebenswerte Region auf Bus und Bahn setzt, darf hoffen, aber er muss sich in Geduld fassen, auch wenn es schwerfällt.