Als Patrice Motsepe kürzlich in Marokkos Hauptstadt Rabat verkündete, der Afrika-Cup finde von 2028 an nur noch alle vier Jahre statt, dachten nicht wenige der Zuhörer, sie hätten sich verhört. Das, was der Präsident des afrikanischen Fußballverbandes CAF da gesagt hatte, kam einer Art Revolution gleich – oder Kapitulation, je nachdem. Es war im Frühjahr 2020, da hatte der Präsident des Fußballweltverbandes FIFA, Gianni Infantino, gefordert, den Afrika-Cup nur noch im Vierjahresrhythmus auszutragen. Er passe sonst nicht mehr in den weltweiten Fußballkalender. „So etwas wie ein kostenloses Mittagessen gibt es nicht“ Der Südafrikaner Motsepe – ein Jahr später bei der CAF ins Amt gewählt – widersprach vehement. Der afrikanische Fußball finanziert sich traditionell hauptsächlich aus den Einnahmen seines wichtigsten Wettbewerbs. Alle zwei Jahre ein Afrika-Cup – das ist so etwas wie Kulturgut auf dem Kontinent. Nun also der Rückzieher vom Chef. Kritiker hatten schon 2021 gemutmaßt, Motsepe müsse die Unterstützung, die er bei seiner Wahl von Infantino erhalten hatte, irgendwann zurückzahlen. „Als Mann, der seit Jahrzehnten in der Politik und in der Geschäftswelt tätig ist, weiß Motsepe nur zu gut, dass es so etwas wie ein kostenloses Mittagessen nicht gibt“, schrieb die südafrikanische Tageszeitung „The Sowetan“ damals. Es hatte 2021 vier Kandidaten für den CAF-Präsidentenposten gegeben. Die anderen Kandidaten hatten ihre Bewerbung aber zurückgezogen, nachdem ihnen von Infantino andere Rollen im Fußballweltverband versprochen worden waren. Nun also scheint für den 63 Jahre alten Motsepe Zahltag gewesen zu sein. Er hat dabei den Weg in die Welt der Fußballfunktionäre nicht gesucht, um reich zu werden. Das war er bereits zuvor. Im Jahr 2008 wurde er als der erste schwarze Afrikaner auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt geführt. Sein Vermögen, das er in der Welt des Bergbaus erwirtschaftet hat, wird auf rund drei Milliarden Euro geschätzt. Motsepe macht ein Vermügen im Bergbaugeschäft Motsepe wurde 1962 in einer Gemeinde in Johannesburg geboren. Noch während er in der Schule war, begann er im Gemischtwarenladen seines Vaters zu arbeiten. Später studierte er Jura und trat einer Anwaltskanzlei bei, die sich auf Bergbaurecht spezialisiert hatte. In den Neunzigerjahren trat er in das Bergbaugeschäft ein und machte dort ein Vermögen. Seine Taktik: Er erwarb ruinös wirtschaftende Minen und senkte rigoros die Kosten. Heute besitzt seine Firma African Rainbow Minerals Gold-, Platin-, Nickel-, Kohle- und Eisenminen. Parallel dazu knüpfte er enge Verbindungen zur politischen Elite Südafrikas. Seine Schwester Tshepo ist mit Präsident Cyril Ramaphosa verheiratet. Aktiv ins Fußballgeschehen trat er 2003 ein: Seither besitzt er den südafrikanischen Erstligaklub Mamelodi Sundowns. Die „Brasilianer“, wie sie wegen ihrer gelb-blau-grünen Spielkleidung, die ans Aussehen des Rekordweltmeisters erinnert, genannt werden, haben die südafrikanische Meisterschaft seither zwölfmal gewonnen. Der größte Triumph gelang 2016, als der Verein die afrikanische Champions League für sich entschied. Motsepes Schritt in die Verbandsarbeit war letztlich nur logisch. Seine intensive Zusammenarbeit mit Infantinos FIFA hat der afrikanischen Fußballwelt ganz sicher aus finanziellen Gesichtspunkten erst einmal nicht geschadet. Neue lukrative TV-Verträge und die Vermittlung potenter Sponsoren waren der Faustpfand, den der Weltverband zu reichen vermochte. Klub-WM der FIFA fand im Sommer 2025 statt Motsepe und seine Leute mussten im Gegenzug offensichtlich ideelle afrikanische Interessen abgeben. Der Afrika-Cup wurde zuletzt im Jahreskalender hin und her geschoben – vom Winter in den Sommer und andersherum. Zuletzt musste das gerade stattfindende Turnier in Marokko von den Sommermonaten in die Weihnachtszeit verlegt werden, weil die aufgeblähte FIFA-Klub-WM, an der auch Motsepes Mamelodi Sundowns teilnahmen, den Termin im Sommer beanspruchte. Den europäischen Klubs zuliebe wurde dann im Dezember die Abstellungsfrist für die Spieler auf sechs Tage verkürzt. „Afrikanischer Fußball sollte sich nicht wieder einmal vor Forderungen von anderswo beugen müssen“, schrieb jüngst Gérard Dreyfus, ehemaliger Sportredakteur von Radio France, der mehrere Jahre lang über afrikanischen Fußball berichtete. „Es ist ein Versuch, die Sichtbarkeit des afrikanischen Fußballs zu verringern, ihn diskreter, fügsamer und kompatibler mit europäischen Agenden und kommerziellen Interessen zu machen“, schrieb Dreyfus weiter. Auch andere übten Kritik. „Das ist nicht richtig. Es muss Respekt für Afrika geben“, sagte Tom Saintfiet, Malis belgischer Trainer, beim laufenden Turnier. Möglicherweise bekommt Motsepe bei seinem Alleingang aber auch noch Schwierigkeiten. Eine Änderung der Austragung des Afrika-Cups wurde auf der jüngsten CAF-Generalversammlung in Kinshasa weder vorgeschlagen noch zur Abstimmung gestellt. Laut Satzung wäre dies aber vonnöten gewesen. Der Weltverband kommentierte Motsepes Initiative so: „Afrika war und bleibt eine oberste Priorität für die FIFA.“
