Mit Zwang zur freiwilligen Feuerwehr. Das hört sich erst einmal paradox an, könnte aber den Einwohnern des Taunussteiner Stadtteils Watzhahn von Herbst dieses Jahres an drohen. Wenn es Stadtbrandinspektor Martin Zywitza und den vier verbliebenen Ehrenamtlichen nicht gelingt, zumindest ein paar Bürger für den Einsatz in der Feuerwehr zu motivieren, scheint dieser unangenehme Weg unausweichlich. „Das ist ein scharfes Schwert, das der Gesetzgeber den Kommunen an die Hand gegeben hat“, sagt der Stadtbrandinspektor und macht deutlich, dass er diesen Weg lieber nicht beschreiten möchte. Gleichwohl zeigt das Beispiel Watzhahn, welche Konsequenzen drohen, wenn bürgerschaftliches Engagement ausbleibt. Aus welchen Gründen auch immer die Menschen in dem 270 Einwohner zählenden Stadtteil ihre Mitarbeit bei der Feuerwehr verweigern, irgendjemand muss für den Brandschutz sorgen. Eine hauptamtliche Berufsfeuerwehr ist nicht zielführend, denn Taunusstein ist eine hessische Flächengemeinde mit zehn Stadtteilen. Daher muss der Brandschutz dezentral organisiert werden, was die bestehenden freiwilligen Feuerwehren seit Jahren gewährleisten. Hinzu kommt, dass eine Berufsfeuerwehr rund 2,5 Millionen Euro Personalkosten verursachen würde. Das würde laut Zywitza etwa eine Verdopplung des städtischen Etats für den Brandschutz bedeuten. Bislang ist die Situation in Watzhahn einzigartig, denn in den größeren Stadtteilen Taunussteins müssen sich die Retter nicht um Nachwuchs sorgen. Das gilt für viele Kommunen in Hessen, aber der demographische Wandel lässt befürchten, dass in Zukunft insbesondere kleine Gemeinden vor ähnlichen Problemen stehen könnten. In anderen Bundesländern gibt es bereits Pflichtfeuerwehren. Abgesehen von der Frage, wie engagiert eine zwangsverpflichtete Feuerwehrkraft ist, gilt es daher schon heute zu überlegen, wie das Ehrenamt gestärkt werden kann. Dazu braucht es vor allem einen Gesinnungswandel, denn viele Vereine berichten, dass ihre Mitglieder kaum noch bereit seien, sich unentgeltlich einzubringen. Vielmehr breite sich eine Anspruchshaltung aus, die zum Teil offen und fordernd gegenüber Trainern, Übungsleitern, Vorsitzenden und anderen Ehrenamtlichen geäußert wird. So kann eine Gesellschaft aber nicht funktionieren. In Watzhahn wird sich in den nächsten Monaten zeigen, ob es gelingt, Bürger zum Schutz ihrer eigenen Häuser zu motivieren. Sollte jedoch eine Pflichtfeuerwehr einberufen werden müssen, wäre dies eine Zäsur. Vielleicht sorgt eine solche Entscheidung aber auch dafür, dass die Wertschätzung gegenüber den Frauen und Männern, die bislang freiwillig für die Sicherheit anderer Menschen sorgen, steigt. Dann hätte eine solche Pflichtfeuerwehr einen sehr positiven Nebeneffekt.
