Man kann nicht erkennen, wie Christina Block reagiert, wenn David B. spricht. Sie sitzt auch an diesem Donnerstag im Landgericht Hamburg mit dem Rücken zum Publikum. Neben ihrem Verteidiger Ingo Bott, der an diesem Tag auffällig still bleibt. Weder Block noch Bott dürften Gefallen finden an dem, was der 68 Jahre alte Israeli erzählt. Zum Beispiel, als die Vorsitzende Richterin B. vorhält, was Christina Block über das erste Treffen im Jahr 2023 berichtet hatte: Es sei nur um Cybersicherheit für die Block-Unternehmensgruppe gegangen. David B. sagt dazu: „Ich erinnere mich nicht, dass wir über Penetrationstests in Deutschland gesprochen haben. Wir sprachen über das Thema der Kinder.“ Das „Thema der Kinder“ hat alle Verfahrensbeteiligten am Donnerstag abermals ins Gericht geführt, es ist der 25. Verhandlungstag im Prozess gegen Christina Block. Hat sie die Entführung von zwei Kindern in Auftrag gegeben? Hat sie David B. und sein Team dafür bezahlt? Block selbst bestreitet die Vorwürfe. Im Gericht tritt sie emotional auf. Immer wieder spricht sie mit erstickter Stimme zu ihren Kindern – weil sie weiß, dass die Medien ihre Sätze in Liveticker abtippen. „So schlimm es euch jetzt auch gehen mag“, sagte sie etwa am Mittwoch, „ich bin mir sicher, ihr werdet gesund, und ich stehe euch immer zur Seite.“ B. berichtet von hohen Barzahlungen Nun, am Donnerstag, spricht abermals David B. Er gibt an, dass der mitangeklagte Andreas C., der Vertrauensanwalt der Familie Block, es vorgezogen habe, David B. und sein Team in bar zu bezahlen. Für die Beschaffung von Informationen, wie die Kinder lebten, aber auch, um sie bei „Gefahr“ später „sicher“ und „ohne Gewalt“ zur Mutter zurückzubringen. Veranschlagt worden seien zu Beginn 250.000 Euro. Bezahlt worden seien 150.000 Euro, 50.000 Euro und 20.000 Euro in bar. Zudem habe es zwei Rechnungen in ihm unbekannter Höhe gegeben, die mit Überweisungen beglichen worden seien. Warum habe C. Barzahlungen bevorzugt? B. gibt an, das nicht zu wissen. C. schweigt vor Gericht bislang zu den Vorwürfen. Die Richterin fragt B. auch nach Eugen Block, dem Steakhaus-Gründer und Vater von Christina Block. B. sagt, so wie er den Anwalt C. verstanden habe, „war der Patriarch die gesamte Zeit über involviert“. Häufig habe C. bei Treffen mit ihm gesagt, dass er zuvor mit Eugen Block in den gleichen Angelegenheiten gesprochen habe. Die Staatsanwaltschaft hatte Eugen Block zunächst auch verdächtigt, etwas mit der Entführung zu tun zu haben, die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt. B. habe geglaubt, die Entführung sei nicht strafbar David B. ist ein strukturierter Mann. Er leitet seine Erklärungen mit zwei oder drei „wesentlichen Punkten“ ein. Zum Beispiel, warum er dachte, dass die Entführung der Kinder aus der Obhut des Vaters Stephan Hensel in Dänemark in der Silvesternacht 2023/2024 nichts Strafbares sei. Punkt 1: Schon vor der Aktion seines Teams habe eine andere Firma versucht, die Kinder zurückzuholen. Diese Männer seien festgenommen worden, aber wieder freigekommen. Vermutlich meint B. damit einen Vorfall im November 2022, bei dem fremde Männer vor dem Haus in Dänemark auftauchten, in dem Hensel mit seiner jetzigen Frau und den Kindern lebte. Punkt 2: Andreas C. habe ihm immer wieder versichert, dass die Aktion legal sei, er habe ein „tiefgehendes Verständnis gehabt, dass wir das Richtige tun“. Punkt 3: Er habe sein Geschäft in Deutschland aufbauen wollen, sich auch in Deutschland gemeldet und Büroräume angemietet: „Keiner würde so etwas tun, wenn er denken würde, dass seine Handlungen ihn nicht mehr in die Lage versetzen würden, das zu tun, was er vorhat.“ B.: „Ich kenne Christina sehr gut“ Für ein paar Sekunden schaut David B. zu Christina Block: „Ich kenne Christina sehr gut, ich sehe sie jetzt an. Ich habe Stunden mit ihr verbracht.“ Er sei sicher, dass sie geglaubt habe, es sei legal, die Kinder zurückzubringen, als sie das seinem Team damals gesagt habe. Sie habe sich davor gefürchtet, dass die Kinder „für immer“ verschwinden könnten, dass ihr Vater mit ihnen untertauchen könnte. Das habe er abgewogen gegen die Möglichkeit, die Kinder „mit minimaler Anwendung von Gewalt“ zurückzubringen. B. sagt, Christina Block habe nicht gewusst, wann die Kinder „zurückgeholt“ werden sollten. „Wir waren nicht ganz sicher, ob wir in der Lage sein würden, es zu tun.“ Seine Mitarbeiterin Keren T. habe Block informiert, dass es „vollbracht“ sei. Und zwar in der Nacht, als sie im Wohnmobil Richtung Pforzheim saßen, nachdem B.s Team Hensel zu Boden gebracht und die Kinder mitgenommen hatte. Block selbst hatte in ihrer Einlassung angegeben, Keren T. habe sie erst am Vormittag des 1. Januar über die Aktion informiert, sie selbst sei völlig überrascht gewesen. Das Ziel, sagt David B., sei eine Familienzusammenführung gewesen. Er habe dafür bewusst einen „neutralen Ort“ ausgewählt, wie es eine Psychologin in einem Bericht empfohlen habe: den Bauernhof bei Pforzheim, der einem Bekannten von B. gehörte. Die Kinder sollten ihre Mutter dort wiedertreffen und einige Tage, vielleicht eine Woche dort verbringen. Als Christina Block schnell zurück mit den Kindern nach Hamburg fahren wollte, sei „von dem Moment nichts mehr so gelaufen ist, wie es geplant war“. Christina Block hatte nach deutschen Gerichtsbeschlüssen in den Monaten vor der Entführung das alleinige Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht, obwohl die Kinder bei Hensel lebten. Hensel hatte die Kinder im Sommer 2021 nicht wie verabredet zurückgebracht und bei sich in Dänemark behalten. Der Grund sind nach seinen Angaben Gewaltvorwürfe gegen Christina Block, die sie zurückweist. Die dänischen Gerichte entschieden damals zugunsten von Hensel. B. sagt über den Sorgerechtsstreit, Einzelheiten seien ihm nicht mitgeteilt worden. „Ich habe zu all dem keine Ahnung. Der Druck auf das Team sei über die Monate größer geworden B. hatte am Mittwoch geschildert, dass Andreas C. Monate vor der Entführung die Idee gehabt habe, dass B. und sein Team im Luxushotel der Familie, dem Grand Elysée in Hamburg, übernachten könnten. Dort seien sie unter Pseudonymen als Gäste registriert worden, „jemand“ im Hotel habe das veranlasst. Die Vorsitzende Richterin hatte am Ende des Verhandlungstags am Mittwoch erklärt: Möglicherweise habe sich Andreas C. als Aufsichtsratsvorsitzender des Hotels der Untreue schuldig gemacht, Christina Block der Beihilfe oder Anstiftung dazu – weil die mutmaßlichen Entführer über Monate kostenfrei im Elysée untergebracht waren. Dadurch entstand eine unbeglichene Rechnung von 220.000 Euro. Der Druck auf B. und sein Team sei über die Monate größer geworden: Nach dem 7. Oktober 2023 hätten die Israelis darum gebeten, nach Hause gehen zu dürfen, aber Block habe darum gebettelt, dass sie weitermachten. Sie sollten „die Kinder vor Weihnachten zurückbringen“, Eugen Block habe Gerüchten zufolge schon Weihnachtsgeschenke besorgt. Am Dienstag soll der Prozess fortgesetzt werden. David B. soll sich auch in der nächsten Woche den Fragen der Prozessbeteiligten stellen. Inzwischen wurden die beiden Kinder, um die es in dem Verfahren geht, wieder als Zeugen zugelassen, nachdem das Gericht die Zulassung im Sommer aufgehoben hatte. Hintergrund war ein möglicher Interessenkonflikt, da ihr Vater Stephan Hensel als Nebenkläger im Prozess gegen ihre Mutter auftritt und zudem selbst in einem anderen Verfahren angeklagt ist. Seit Mittwoch sitzt für sie eine Rechtsanwältin im Gericht – auch die Kinder dürften dem Prozess beiwohnen.
