FAZ 31.12.2025
16:38 Uhr

Zehnkampf-Weltmeister: Leo I., der König der Athleten


Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer ist nicht nur Deutschlands Sportler des Jahres 2025. Er ist ein Weltbürger und ein Siegertyp, der zu teilen gelernt hat.

Zehnkampf-Weltmeister: Leo I., der König der Athleten

Der König der Athleten ist ein guter Verlierer. Jüngst trat Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer als prominenter Kandidat bei der ARD-Fernsehshow „Klein gegen Groß“ in einem Fitness-Mehrkampf gegen den 13 Jahre alten Oscar vom LAV Elstertal Bad Köstritz an – und benötigte für die telegene Mischung aus Klimmzügen, Hürdenstepps und Liegestützen mit Medizinbällen satte zehn Sekunden mehr als sein jugendlicher Herausforderer, der selbst begeisterter Leichtathlet ist. Deutschlands „Sportler des Jahres“ nahm die Niederlage sportlich gelassen, lobte seinen Bezwinger mit ehrlichem Respekt – und Oscars leuchtende Augen ließen durchscheinen, welch bemerkenswerter Moment diese persönliche Begegnung mit seinem Idol war. Unabhängig vom Ausgang des Duells. Es gehört zu den großen Gaben von Leo Neugebauer, den Menschen, denen er begegnet, dank seines unverkrampften Auftretens ein gutes Gefühl zu vermitteln. Auf dem Sportplatz und jenseits davon. Auf seinem Youtube-Kanal, in dem er Impressionen seines Lebens als Leichtathlet teilt, aber keine allzu privaten Einblicke gewährt, nennt sich Neugebauer „LeoTheGerman“. Doch dieser Nickname kann getrost als Ironie in eigener Sache durchgehen. Denn der Zehnkämpfer ist als Weltbürger zu verstehen, der überall zu Hause sein könnte – der aber zugleich die kulturellen Einflüsse, die sein Leben beeinflussten, miteinander zu kombinieren vermag – und bestmöglich zu nutzen. Ein Siegertyp, der zu teilen gelernt hat Leo Neugebauer kam vor 25 Jahren in Görlitz zur Welt, er wuchs in der Nähe von Stuttgart auf und lebt seit 2019 in Austin, wo er ein Sportstipendium an der University of Texas erhielt. Seine Mutter Diana ist Deutsche. Weil sie in Görlitz keinen Job fand, zog die Familie nach Leinfelden-Echterdingen, als Leo noch ein Kleinkind war. Sein Vater Terence stammt aus Kamerun, er war einst nach Deutschland gekommen, um seine Karriere als Fußballprofi voranzutreiben. Doch sie endete verletzungsbedingt nach einem Probetraining beim VfL Osnabrück. Auch Leo spielte als Kind Fußball, doch es zog ihn schnell zur Leichtathletik. Auch, weil er ein Wettkämpfer war, der stets gewinnen wollte. Seine Eltern empfand er als streng, was ihm oft unfair vorkam. Im Nachhinein zieht er Stärken daraus: den Willen, durchzuhalten, die Gabe, aus Fehlern zu lernen und die Disziplin, sich nicht auf ersten Erfolgen auszuruhen. Neugebauer bewegt sich geschickt auf den roten Gala-Teppichen, die ihm nach seinen Erfolgen 2025 ausgerollt wurden. Doch er engagiert sich auch als UNICEF-Botschafter im Kamerun, um sich im Land seiner Vorfahren für Kinder einzusetzen – und zugleich der Welt die Schönheit des Landes zu zeigen. Er ist ein Siegertyp, der zu teilen gelernt hat.