FAZ 11.02.2026
12:53 Uhr

Zehn Tote in Tumbler Ridge: „Erst als Freunde Fotos schickten, wurde uns klar, was vor sich ging“


Eine Frau soll an einer Schule im Westen Kanadas mehrere Menschen erschossen haben – und dann mutmaßlich sich selbst. Insgesamt ist von zehn Toten die Rede.

Zehn Tote in Tumbler Ridge: „Erst als Freunde Fotos schickten, wurde uns klar, was vor sich ging“

Der erste Notruf ging am Dienstag gegen 13.20 Uhr ein. Als die Beamten der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) zwei Minuten später die Schule Tumbler Ridge Secondary erreichten, waren die Schüsse nach den bisherigen Ermittlungen schon verhallt. In den Klassenzimmern der Highschool fanden die Beamten später acht Tote, unter ihnen den mutmaßlichen Schützen, und 27 Verletzte. In einem Wohnhaus in der Nähe entdeckten die Ermittler am Nachmittag zwei weitere Leichen. Sie sollen mit einem der tödlichsten sogenannten School Shootings in Kanada in Verbindung stehen. Ob die Verstorbenen zu der Familie des Schützen gehören, blieb vorerst offen. Unter den Toten sei auch eine Frau, die nach ersten Erkenntnissen als Tatverdächtige gelte, teilte die Polizei am Dienstag (Ortszeit) in der westlichen Provinz British Columbia mit. Bei der Alarmmeldung, welche die RCMP den etwa 2400 Bewohnern von Tumbler Ridge nach dem ersten Notruf auf die Mobiltelefone geschickt hatte, war vor „einer Frau in einem Kleid und mit braunem Haar“ gewarnt worden. Während die Justizbehörden die Namen von Opfern und Täter zurückhielten, berichteten Zeugen von angstvollen Stunden an der Tumbler Ridge Secondary. Zusammen mit den Lehrern hatten die etwa 160 Schüler Tische und Bänke vor die Türen der Klassenzimmer geschoben, als die Schule abgeriegelt wurde. „Anfangs konnten wir es nicht glauben“ Bei einem Interview mit dem Sender CBC erinnerte sich der 17 Jahre alte Darian Quist an eine Mischung aus Ungläubigkeit, Angst und Panik während des fast drei Stunden langen Lockdowns. „Anfangs konnten wir nicht glauben, dass wirklich etwas passiert. Erst als mir Freunde Fotos auf das Handy schickten, wurde uns klar, was vor sich ging“, sagte Quist. Er und seine Mitschüler der zwölften Klasse hätten weder Schreie noch Schüsse gehört. Die Klassen der Stufen sieben bis zwölf werden an der Tumbler Ridge Secondary in getrennten Gebäuden unterrichtet. Auf welche Klassen der Schütze das Feuer eröffnete, blieb offen. Im Unterschied zu den Vereinigten Staaten, wo es laut der Organisation Education Week jedes Jahr zu durchschnittlich 40 bis 50 „School Shootings“ mit Todesopfern und Verletzten kommt, werden kanadische Bildungseinrichtungen eher selten von Anschlägen erschüttert. In den vergangenen 25 Jahren registrierten die Behörden des Landes insgesamt etwa 30 Massenschießereien an Schulen. „Unvorstellbare Tragödie“ Zu den tödlichsten Anschlägen gehört das sogenannte „Montréal-Massaker“ des Jahres 1989, bei dem ein ehemaliger Student an der Hochschule École Polytechnique der Stadt mit einem halb automatischen Gewehr 14 Frauen erschoss und weitere 14 Menschen zum Teil schwer verletzte. Wie die „Vancouver Sun“ berichtete, setzte die RCMP die Suche nach möglichen weiteren Opfern in Tumbler Ridge in der Nacht zu Mittwoch fort. „Die Beamten überprüfen weitere Häuser, um zu sehen, ob es Verletzte oder Personen gibt, die mit den Geschehnissen zu tun haben“, deutete ein Sprecher mögliche weitere Verbrechen in Zusammenhang mit den Schüssen an der Tumbler Ridge Secondary an. Die Zeitung meldete zudem den Tod eines Angeschossenen, der auf dem Weg ins Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. „Die Lage hat sich sehr schnell und dynamisch entwickelt“, sagte der Polizeichef Ken Floyd. Angaben zu Tatwaffe oder Motiv machte er nicht. David Eby, der Premierminister von British Columbia, nannte die Massenschießerei in der Nacht zu Mittwoch eine „unvorstellbare Tragödie“. Mark Carney, Kanadas Regierungschef, sagte derweil die für Mittwoch geplante Reise zur Münchner Sicherheitskonferenz ab.