„Er soll sein Ding durchziehen. Wenn er das macht, wird es ihm gut gehen.“ Diesen Rat gab Manchester Citys Coach Pep Guardiola im Dezember Xabi Alonso vor dem Spiel in der Champions League gegen Real Madrid. Journalisten hatten ihn immer wieder gefragt, welche Zukunft er für den Basken sehe. Nun wollte Alonso sein Ding durchziehen, doch der Verein ließ ihn nicht. Der sportliche Misserfolg Reals ist nicht neu, und es brauchte auch Xabi Alonso nicht, um ihn zu erklären. Schon Carlo Ancelotti beklagte vergangene Saison immer wieder, die Mannschaft zerfalle in ihre Einzelteile, verliere zu oft die Bälle und hole sie sich auch zu selten zurück. Das Bild zu Xabi Alonsos Scheitern Alonso war angetreten, das abzustellen. Dafür setzte er sogar Drohnen im Training ein. Hansi Flick macht mit Barça vor, wie ein kompaktes Team Gegnern den Spielaufbau schwer macht, Überzahlsituationen schafft und damit Tore schießt. Auch die spanische Nationalelf spielt auf diese Weise mit großem Erfolg. Dafür müssen Spieler bereit sein, viel zu laufen, insbesondere auch die Stürmer. Nicht alle haben da bei Real mitgezogen. Zum Bild des Scheiterns Alonsos bei Real ist die Auswechslung von Vinicius Jr. im Clásico Ende Oktober geworden. Madrid führte 2:1, der Brasilianer verteidigte eher lustlos. Als Alonso ihn auswechselte, ging er laut schimpfend vom Feld und entschuldigte sich danach über soziale Netzwerke beim Team, aber nicht beim Trainer. Obwohl Real das Spiel gewann, stärkte die Klubführung dem Trainer damals nicht den Rücken. Das kam einer Demontage gleich. So griff der Verein in die Arbeit Alonsos ein, vernachlässigte aber die eigene. Reals Kader ist weiterhin unausgeglichen, bei Verletzungen wird insbesondere die Hintermannschaft anfällig, während im Mittelfeld nach dem Abgang von Toni Kroos vor fast zwei Jahren ein Spieler fehlt, der das Team stabilisiert. So musste Alonso Spieler auf Positionen einsetzen, auf denen sie sich nicht wohl fühlen, was zu noch mehr Ärger im Kader führte. Ein Vergleich, der Real schmerzen dürfte Die Klubführung in Madrid sollte nach Barcelona schauen, warum es dort so viel besser läuft: Dort steht der Trainer nach ein paar weniger erfolgreichen Wochen nicht gleich zur Debatte, genießt im Klub und im Team eine große Autorität, obwohl auch er von seinen Spielern mehr verlangt als nur Spaß auf dem Rasen. Und sieht man einmal von Reals Mbappé ab, wirkt der Kader der Katalanen mit seinen jungen Spielern auf fast allen Positionen besser zusammengestellt – ein Vergleich, der bei Real besonders schmerzen dürfte. Das zeigt das eigentliche Problem Real Madrids auf. Der fast 80-jährige Florentino Pérez ist in seiner zweiten Amtszeit seit 2009 Präsident bei Real Madrid. Die Klubstatuten verleihen ihm eine enorme Macht und machen es so gut wie unmöglich, dass sich alternative Kandidaten positionieren. Und Pérez pflegt ein enges, fast väterliches Verhältnis zu seinen Spielern. Das erklärt, dass er sie auch vor Alonso geschützt hat. Damit steckt das Problem im System. Mit dem Austausch des Trainers wird sich daran nichts ändern. Auf Xabi Alonso sehen spanische Medien noch große Aufgaben zukommen. Der Radiosender Cadena Ser spekulierte am Montag, er könnte in Manchester Nachfolger von Pep Guardiola werden. Man darf davon ausgehen, dass der Baske dort auch „sein Ding durchziehen“ dürfte. Für Real Madrid war er schlicht zu gut.
