FAZ 07.02.2026
15:27 Uhr

Wohntrends 2026: Warum Weiß nicht nur in diesem Jahr angesagt ist


Alexander Paar sucht auf der Frankfurter Messe Ambiente nach Inspirationen für seinen auf Interior-Design spezialisierten Instagram-Kanal. Was er dabei entdeckt, wird noch in vielen Wohnungen auftauchen.

Wohntrends 2026: Warum Weiß nicht nur in diesem Jahr angesagt ist

Der Treffpunkt, den Alexander Paar gewählt hat, hätte besser nicht passen können: eine Art Lounge, die die Designerin Katty Schiebeck im Auftrag der Messe Frankfurt in der Halle 3.1 eingerichtet hat, vom Messetrubel abgetrennt durch hallenhohe Vorhänge. Der Raum mit dickem, weichem Teppichboden und bequemen Sitzlandschaften ist in wolkig-warmen Weißtönen gehalten. „Cloud Dancer – die Farbe des Jahres 2026“, sagt Paar. Ihm gefällt die Inszenierung der Designerin, die von Barcelona aus weltweit für elegante Hotels und andere große Objekte arbeitet, sichtlich. Gerade auf der Messe, auf der man einer Unmenge von Eindrücken ausgesetzt sei, tue es wohl, wenn auch die Augen einmal ausruhen könnten. Und auch weit über die Messe hinaus: „Angesichts der aktuell herausfordernden Zeiten gibt es eine Sehnsucht nach Harmonie“, sagt Paar, der als seinen Beruf Content Creator angibt und fast täglich Design- und Wohn-Inhalte auf seinem Instagram-Kanal veröffentlicht. Farbtupfer für Tisch und Büro Dort gibt er seinen 166.000 Followern Einblicke in seine Bielefelder Wohnung, in der Weiß- und helle Naturtöne dominieren. Für Paar ist das „wie eine Leinwand“. Gegen Farbe hat er nichts, setzt sie jedoch lieber sparsam ein. Das zeigt er auch in seinem Buch „The Simple Living“, wo er beispielsweise mit ein paar gelben Blüten einen Frühlingsakzent auf einer in Cremetönen gedeckten Ostertafel schafft.  Solche Farbtupfer entdeckt er auch auf der Messe. Gläser in Honiggelb mit einer organischen Form eines italienischen Herstellers zum Beispiel könnte er sich auch gut auf einem solchen Tisch vorstellen. Beim Unternehmen Leuchtturm greift er gleich zu den in Leinen gebundenen Notizbüchern in satten Rottönen und den passenden Kugelschreibern. „Das sieht auf einem Schreibtisch sehr schön aus“, findet er, ebenso wie die schokoladenbraunen Ordner und Schuber am nächsten Stand, in denen Paar eine Adaption der Farbwelt der Siebziger sieht, die er bei einer ganzen Reihe von Produkten auf der Messe erkennt und die schon eine Weile im Trend sind. Ein Barhocker mit geflochtenem Sitz und abgerundetem Holzgestell zum Beispiel gehört dazu, aber auch einige Beistelltische und kleinere Accessoires. Dass alles wiederkehrt, vieles aber auch bleibt, stellt Paar bei Herstellern wie Stelton fest, deren Thermoskannen Designklassiker sind. „Aber es gibt immer auch Neues“, sagt er und nimmt sogleich einen Wasserkocher in die Hand, der zu den übrigen Produkten des Unternehmens passt. Anfassen ist für Paar wichtig. So greift er zu einem geriffelten Wasserglas, wiegt es hin und her und nickt zustimmend. „Das liegt gut in der Hand“, lobt er die Qualität. Denn das Aussehen allein ist für ihn nicht ausschlaggebend, auch die Funktion muss stimmen. Das fasziniert ihn bei einem österreichischen Vasenhersteller, dessen Kreationen auch an tanzende Wolken erinnern, aber keineswegs nur in Naturtönen, sondern in allen möglichen schillernden Farben. Wie sie im 3D-Drucker aus Maisstärke entstehen, kann man gleich am Stand beobachten. Weil das Material nicht geeignet wäre, um Wasser und Blumen aufzunehmen, gibt es einen gläsernen Einsatz, der gespült werden kann. Zu den hübschen Dekorationsgegenständen, die der Influencer, der zwar Produkte für seinen Kanal nach seinem Geschmack auswählt, aber auch im Auftrag von Unternehmen in Szene setzt, gehören auch Kerzen und Düfte. „Mit einer schönen Duftkerze im Eingang sorgt man gleich für eine gute Atmosphäre“, sagt der Enddreißiger, der den Traumberuf vieler junger Leute seit knapp acht Jahren ausübt. Studiert hat er Modejournalismus und Medienkommunikation in Hamburg, dann nach einigen Jahren bei Modemagazinen noch ein Masterstudium in Design in Zürich absolviert. Anschließend arbeitete er als Art Director bei Kampagnen für verschiedene Modeunternehmen. Weil ihn aber auch Inneneinrichtung begeisterte, spezialisierte er sich darauf. Immer wieder fährt Paar an einem Stand mit den Fingern über das Material von Tellern, Lampen oder Möbeln. Schlichtes gefällt ihm besonders. Bei Blomus, einem Hersteller von Möbeln, Lampen und anderen Wohnaccessoires, nimmt er LED-Leuchten in die Hand. „Toll, um drinnen und draußen einen Akzent zu setzen“, befindet er bei einem schlicht gestalteten Windlicht. Alles, was das Zuhause schöner oder wie er sagt, lagom oder hygge machen kann, zieht ihn an. Das schwedische und das dänische Wort lassen sich nicht direkt übersetzen, stehen im weitesten Sinne für Behaglichkeit. Für Alexander Paar ist das eine Kombination aus klassischem Design und aktuellen Kreationen, japanischer Strenge und weichen Materialien.