Aufgabegepäck am Flughafen haben wir immer vermieden. Lange Jahre, um Geld zu sparen. Nach dem Studium war jenes dann nicht mehr so knapp, aber auf die Gepäckaufgabe und das Warten am Band verzichteten wir weiter gern, also reisten wir meist mit leichtem Gepäck. Nun, da der Nachwuchs da ist, werden so einige Gewohnheiten umgestellt. Zur ersten Reise als Familie zeigt sich, dass auch das Packen dazugehört. Galt zuvor die Reduktion als höchste Tugend, ist sie nun anderen Prioritäten gewichen: Hauptsache, das Kind hat es gut. Also wird nicht gegeizt beim Babygepäck, und flugs sind alle Handgepäckstücke bis zum Rand voll mit Windeln, Babyflaschen- und Stramplern. Eine Schlafkapsel für interstellare Flüge In weiser Voraussicht besteht die Mutter darauf, die Kindersachen nicht den Gepäckbändern und dem Flugzeugbauch anzuvertrauen, so geht das Erwachsenengepäck in den größten Wanderrucksack. Der wiederum wird von den freundlichen Damen am Check-in-Schalter nicht wie das restliche Gepäck verarztet, sondern landet auf einer uns zuvor noch unbekannten Maschine, ähnlich einer Schlafkapsel für interstellare Flüge, wie man sie aus der Science-Fiction kennt. Die schließt sich langsam, wir erwarten ein Blitzen, oder dass das Gepäck sich wie im Vakuumierer zusammenzieht. Beides bleibt aus, mulmig schauen wir trotzdem unseren Klamotten hinterher. Die Vorahnung hatte ihre Berechtigung, der Rucksack ist wohl in eine andere Raumzeit gebeamt worden. Am Gepäckband kommt er nach der Landung jedenfalls nicht an. So müssen die ersten sonnigen Tage im siebzehnten Bundesland in ein und derselben Schicht verbracht werden, bis ein Shoppingausflug Abhilfe schafft. So im Urlaub zu verlottern, ist nicht schön, aber solange das Baby und alles, was einem sonst noch heilig ist, bei einem sind, hält man sogar das aus. Die Lektion aber ist gelernt: Was wichtig ist, das tragen wir auch künftig lieber bei uns.
