FAZ 08.01.2026
15:34 Uhr

Wirbel um Karl-Aussage: Den eigentlichen Fehler beim FC Bayern macht Max Eberl


Bayern Münchens Top-Talent Lennart Karl träumt öffentlich von Real Madrid. Sportvorstand Max Eberl nennt das einen Fehler. Doch den macht nur er.

Wirbel um Karl-Aussage: Den eigentlichen Fehler beim FC Bayern macht Max Eberl

Als Max Eberl schon sehr, sehr lange nicht mehr 17 Jahre alt war und für Borussia Mönchengladbach arbeitete, ist er, der Fußballmanager, einmal gefragt worden, wovon er träume. Seine Antwort: vom FC Bayern München und vom FC Arsenal. In den Archiven findet sich kein Hinweis darauf, dass er diese Antwort später als Fehler bezeichnet hat. Warum auch? Doch wenn man nun nachhört, was Eberl in dieser Woche über den siebzehnjährigen Lennart Karl gesagt hat, muss man davon ausgehen, dass er damals ein ernstes Wörtchen mit sich selbst geredet hat. Als der siebzehnjährige Karl am vergangenen Sonntag beim Besuch eines FC-Bayern-Fanklubs gefragt worden ist, von welchem Verein „außer dem FC Bayern“ er träume, hat der siebzehnjährige Karl – nachdem er klar und deutlich gesagt hat, dass es für ihn „ein Traum“ sei, beim FC Bayern zu spielen – geantwortet, dass er „irgendwann [. . .] mal auf jeden Fall zu Real Madrid“ wolle, weil das sein „Traumverein“ sei. Auf diesen Satz stürzten sich danach nicht nur die Reporter der „Bild“-Zeitung. Und auf diesen Satz wurde dann am Dienstag auch ein Mann angesprochen, dessen Traum wahr geworden ist: Max Eberl, seit März 2024 der Sportvorstand des FC Bayern München. Als ein Reporter ihn fragte, wie er die Diskussionen um den Satz wahrgenommen habe, antwortete er: „Völlig entspannt, völlig entspannt.“ Mal abgesehen davon, dass es nicht sehr entspannt wirkt, wenn man zweimal sagt, dass man entspannt sei, wurde danach Satz für Satz wahrnehmbar, dass Eberl auch alles andere als entspannt war. Er sagte einerseits, dass der Klub „kein Problem“ damit habe, wenn „ein Siebzehnjähriger frei von der Leber“ spreche. Er sagte andererseits aber auch, dass ein „Siebzehnjähriger [. . .] auch mal einen Fehler machen“ dürfe. Fehler? Welcher Fehler? Den machen in diesem Fall Eberl und alle anderen Funktionäre des FC Bayern, die sich seitdem so ähnlich geäußert haben. Denn deren Fußballverein lebt davon, dass nicht nur in Deutschland Jungen und mittlerweile auch Mädchen davon träumen, eines Tages das Trikot des FC Bayern zu tragen. Auch die, die momentan noch nicht in München, sondern in Stuttgart, Frankfurt oder Dortmund spielen. Denkt man das, was Eberl andeutet, zu Ende, dürfte keiner von diesen mehr darüber sprechen. Und wie schrecklich wäre es, wenn man der Welt nicht mehr von seinen Träumen erzählen dürfte? In der Diskussion über Lennart Karl (haben wir schon erwähnt, dass er erst 17 Jahre alt ist?) hat sich Eberl aber auch von Reportern treiben lassen, die wie Hilfspolizisten auftreten, wenn sie fragen, ob der Verein dem Spieler gesagt habe, dass dieser ein bisschen vorsichtiger sein müsse. Und so sagte der getriebene Eberl: „Ich habe einen Altmeister gehabt, Hans Meyer, der hat mir gesagt: ‚Max, immer über dich selber sprechen, dann machst du keine Fehler.‘ Das habe ich ihm so weitergegeben.“ Aber genau das hat Karl doch gemacht: über seinen Traumverein und damit über sich selbst gesprochen. Und wenn dazu hoffentlich bald wirklich alles gesagt ist, könnte es vielleicht zu einer Diskussion kommen, die für den Verein viel wichtiger sein sollte: Was, wenn es stimmt, dass immer mehr Jungen und Mädchen nicht Lennart Karl zuschauen, um den FC Bayern zu sehen – sondern den FC Bayern sehen, um Lennart Karl zuzuschauen?