FAZ 22.11.2025
20:39 Uhr

Wilder Eintracht-Sieg: „Wir kriegen das Gegentor und fangen an zu schwimmen“


Beim 1. FC Köln sieht die Frankfurter Eintracht schon wie der sichere Sieger aus. Dann melden sich die Kölner mit einer Schlussoffensive zurück. Doch die Eintracht bringt den Vorsprung über die Zeit.

Wilder Eintracht-Sieg: „Wir kriegen das Gegentor und fangen an zu schwimmen“

Was tun? Das fragte sich Frankfurts Trainer Dino Toppmöller in der Länderspielpause, mehr Zeit zum Nachdenken im Kreis seines Stabs hatte er ja. Weiter der defensiven Stabilität Vorrang einräumen, was zuletzt mit drei Spielen zu null in fünf Partien passabel funktioniert hatte? Davor waren es noch 29 Gegentore in acht Begegnungen. Oder doch mehr Risiko wagen, um das Spiel offensiver und attraktiver zu gestalten? Seine Antwort lautete einen Tag vor dem Auswärtsspiel am Samstag gegen Köln: „Wir haben letzte Saison eindrucksvoll bewiesen, dass wir beides sein können, defensiv stabil, aber auch offensiv erfolgreich. Es liegt in uns allen drin, dass wir gerne offensiv spielen wollen.“ Toppmöller war sich bei der wöchentlichen Pressekonferenz „sehr sicher, dass das jetzt auch wieder zurückkommen wird“. Am Ende keinerlei Entlastung mehr Richtig vorausgesehen, denn das Arbeitsergebnis fiel diesmal im Hinblick auf die erzielten Tore sehr ertragreich aus. 4:3 gewannen die Frankfurter in der mit 50.000 Zuschauern vollbesetzten Arena. Jakub Kaminski erzielte zwar das frühe 1:0 (5. Minute) für den FC. Frankfurts Verteidiger Arthur Theate aber glich zum 1:1 (39.) aus, bevor Mahmoud Dahoud das 2:1 (45.) schoss. Anschließend traf Angreifer Jonathan Burkardt noch zweimal (60. und 63.). In der 83. Minute verkürzte der Kölner Marius Bülter auf 2:4, in der vierten Minute der Nachspielzeit gelang Luca Waldschmidt sogar noch das 3:4. Plötzlich wurde die Partie noch zum großen Zitterspiel für die Eintracht. In den Schlussminuten kam sie gehörig ins Wanken. „Wir kriegen das Gegentor zum 2:4 und fangen an zu schwimmen. Du darfst nicht so passiv werden“, sagte Sportvorstand Markus Krösche. „Wir müssen es als Kollektiv besser machen und die Ruhe bewahren.“ Am Ende hatte die Eintracht in ihrem Spiel keinerlei Entlastung mehr. Nach einer gewissen Anlaufzeit am elften Spieltag entwickelten die Frankfurter immerhin zielgerichtet die nötige Durchschlagskraft in ihrem Angriffsspiel, um zu Zählbarem zu kommen. Eine Zeit lang zeigte sie auch die gebotene Standhaftigkeit in der Defensive. Und so blieben die Frankfurter in der Bundesliga zum fünften Mal nacheinander ungeschlagen, was in der Tabelle Platz sechs bedeutet. „Es war ein extrem wichtiger Sieg“, sagte Krösche. Am Samstag war das Rheinland aus Eintracht-Sicht endlich wieder ein gutes Pflaster. Ihr letztes Auswärtsspiel gegen den FC hatten die Frankfurter 1:0 im September 2017 gewonnen. Torschütze damals: Sebastien Haller mit einem verwandelten Foulelfmeter. Toppmöller, der mit dem Erfolg seines Teams auf seinen 50. Pflichtspielsieg als Eintracht-Coach kam, ließ seine Mannschaft zu Beginn abermals vom Grundprinzip her mit einer Dreierkette (Nnamdi Collins, Robin Koch und Arthur Theate) spielen. Im Spiel gegen den Ball wurde sie zu einer Fünferkette. Ergänzend auf den Seiten rechts und links kamen Ritsu Doan und Nathaniel Brown zum Einsatz. Der dänische Nationalspieler Rasmus Kristensen saß zunächst auf der Bank, wie auch Ellyes Skhiri. Mahmoud Dahoud stand abermals in der Startformation, Mario Götze spielte zum ersten Mal in der Bundesliga von Anfang an in dieser Saison. Der Start ins Spiel hätte für die Eintracht kaum schlechter verlaufen können. Nach fünf Minuten führten die Kölner durch einen Treffer ihrer Fußball-Allzweckwaffe Jakub Kaminski 1:0. Die Entscheidung einer vorliegenden Abseitsposition korrigierte Schiedsrichter Florian Badstübner mit Unterstützung des Videoassistenten. Weil Eintracht-Torhüter Michael Zetterer aus seinem Tor gekommen war, nutzte Kaminski mit seinem fünften Saisontreffer die freie Schussbahn erfolgreich. Frankfurt hingegen mangelte es trotz redlichen Bemühens zunächst an klar herausgespielten Torchancen. Die Eintracht bekommt das große Nervenflattern Das änderte sich erst in der 30. Spielminute, als Kölns Torhüter Marvin Schwäbe bei einem Kopfball von Jonathan Burkardt sein ganzes Können aufbieten musste. Zielgerichteter agierte dann Arthur Theate, dessen Kopfballverlängerung zum 1:1 (39.) Schwäbe nach einer Ecke von Fares Chaibi nicht verhindern konnte. Und womit nicht unbedingt zu rechnen war: Es kam noch besser für die Eintracht. In der fünften Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit erhöhte Dahoud mit seinem Schuss auf 2:1; Chaibi war zuvor noch mit seiner Einschussmöglichkeit an Schwäbe gescheitert. Unmittelbar nach der Halbzeitpause musste das Spiel für wenige Minuten unterbrochen werden, weil mehrere Feuerwerkskörper aus dem Frankfurter Fanblock aufs Spielfeld geflogen waren. Mit Wiederanpfiff behielt die Eintracht die Spielkontrolle. Sie profitierte auch davon, dass die Kölner Zuspiele nach vorne zu unpräzise waren. Die Frankfurter indes hatten ein Erfolgserlebnis fest im Blick. Das genaue Zuspiel von Ritsu Doan verwertete Jonathan Burkardt nach 60 Spielminuten zum 3:1. Drei Minuten später war er mit seinem elften Pflichtspieltreffer zum 4:1 abermals zur Stelle. Alles deutete zu diesem Zeitpunkt auf einen klaren Spielausgang hin. Hinten raus wurde es jedoch noch einmal richtig turbulent. Nach ein paar Spielerauswechselungen bekamen die Frankfurter das große Nervenflattern, was noch zu zwei Gegentreffern führte. Das Kölner 2:4 ging auf das Konto von Marius Bülter, das 3:4 auf das von Luca Waldschmidt. Mit viel Glück brachte die Eintracht dieses Ergebnis über die lange Nachspielzeit. Am Ende agierte sie alles andere als souverän. Die schwache Schlussphase trübte den Gesamteindruck. Weshalb sich auch die Glücksgefühle der Frankfurter über den dritten Auswärtssieg zunächst in Grenzen hielten.