FAZ 07.12.2025
14:05 Uhr

Wiesbadenerin bei „Höhle der Löwen“: Zuhause backen wie ein Profi


Das Start-up „Meine Lieblingsbox“ schickt Backboxen mit Rezepten und Zutaten nach Hause. Mit ihrem ersten eigenen Produkt, bunten Schokostreuseln, ist Gründerin Jennifer Kraus schon in 500 Supermärkten vertreten. Und stellt es nun in der „Höhle der Löwen“ vor.

Wiesbadenerin bei „Höhle der Löwen“: Zuhause backen wie ein Profi

Backen war schon immer ihre Leidenschaft. Von klein auf stand sie mit ihrer Oma und ihrer Mutter in der Küche und rührte Teig. Heute, mit 38 Jahren, hat Jennifer Kraus aus ihrer Leidenschaft ein Geschäft gemacht. Ihr Onlinehandel-Unternehmen „Meine Backbox“ vertreibt Rezepte zum Backen und die dazu gehörenden besonderen Zutaten (abgesehen von Grundbedarf wie Butter, Mehl und Eier) in Boxen. Kunden können sie im Onlineshop bestellen. Jüngst dazu gekommen ist ein zweites Produkt: „Streuselade“, Schokoladenstreusel, die wie Zuckerstreusel aussehen. Mit ihrem Team, sie beschäftigt drei Mitarbeiterinnen, hat sie im vergangenen Jahr 500.000 Euro Umsatz erwirtschaftet. Im kommenden Jahr könnte es viel mehr werden. Mit dem Unternehmen, das sie vor mehr als acht Jahren gegründet hat, verbindet sie die beiden Dinge, die sie am besten kann, sagt Kraus: Das Backen und Onlinevermarktung. Schon bei einer Reise in die Vereinigten Staaten im Jahr 2008 kam sie auf die Idee, Cupcakes, also verschiedenste Muffins mit allerlei Verzierungen, nach Deutschland zu bringen. Ein Jahr später eröffnete sie in Frankfurt zwei Cafés, eins in der Berger Straße, eins an der Konstablerwache. Da war sie 21 Jahre alt. Die Läden liefen gut, sie hätte das „gut bis zur Rente weitermachen können“, sagt Kraus. Doch sie wollte „etwas Größeres aufbauen“. Rezepte mit Geling-Garantie 2013 machte sie beide Cafés zu, beendete ihr Kommunikationsdesign-Studium und begann als Art-Direktorin in einer Agentur zu arbeiten – für kurze Zeit. Dort habe sie die Onlinemarketing-Seite und die Design-Seite ihrer heutigen Arbeit kennengelernt, die ihr viel Spaß gemacht hätten. Nur das Produkt passte ihr nicht. „Ich habe Werbung für Autoreifen und Ähnliches gemacht, das war dann doch nicht so meine Welt.“ In ihrer Freizeit begann sie also, unter dem Titel „Jenny backt“ einen Onlineblog zu schreiben, mit Rezeptideen, Tipps und Kniffen. Zudem gab sie Backkurse im kleineren Kreis. „Dort habe ich immer das Feedback bekommen: Oh, das sieht ja toll aus. Aber zu Hause traue ich mir das nicht zu.“ Dabei brauche es nur die richtigen Zutaten und eine kleine Anleitung. „Dann kann das jeder.“ Die Idee war geboren: Eine Box, direkt zu den Kunden nach Hause, mit hochwertigen Zutaten und Anleitungen für Rezepte „mit Geling-Garantie“, wie Kraus sagt. Vor acht Jahren hat sie ihren Job gekündigt und „Meine Backbox“ gegründet. Nach einem gewonnenen Gründerwettbewerb, bei dem sie für zwei Jahre kostenlose Räumlichkeiten in Wiesbaden nutzen durfte, zog sie nach Wiesbaden-Erbenheim um und baute ein kleines Team auf. Acht Jahre und 51 Box-Ausgaben später hat das Unternehmen Kunden im In- und Ausland. Für die Boxen kooperiert Kraus mit mehr als 150 Marken, darunter auch die Großen der Branche, etwa Dr. Oetker. Die Boxen enthalten Zutaten und Utensilien, wie etwa Schablonen für Schokoladendekoration. Das neue Produkt von Kraus ist allerdings die Streuselade: Schokoladenstreusel, die aussehen wie die aus Zucker. Die Idee dazu entstand aus einem Ärgernis: Rumkugeln in bunten Zuckerstreuseln sähen zwar hübsch aus, aber man kaue auf hartem Zucker herum. Warum gibt es das nicht in Schokolade – und bunt? Die Antwort: Weil es schwierig ist. Zucker lasse sich einfacher ummanteln und färben, Schokolade schmelze im Prozess, sagt Kraus. Sie habe dafür „gefühlt ganz Europa“ abtelefoniert, reihenweise Absagen erhalten, und schließlich einen Produzenten in der Schweiz gefunden, der die Idee mit ihr umsetzen wollte. Nach eineinhalb Jahren Entwicklung stehen fünf Produkte: zwei klassische Schokostreusel, die aussehen, wie Zuckerstreusel (das Päckchen kostet 3,99 Euro) und drei weihnachtliche Mischungen mit Perlen, Sternen oder Tannen (4,99 Euro). Die Herstellungskosten liegen bei etwa 1,80 Euro, dazu kommen Abfüllung (bei Erfurt) und Logistik. Um mit der Streuselade in den Handel zu kommen, hat sich Kraus bei der Sendung „Die Höhle der Löwen“ beworben, ihr Pitch ist am Montag bei VOX zu sehen. Zudem hat sie es geschafft, dass ihre Streuselade während der Weihnachtszeit bei Rewe Süd und Ost gelistet ist und national bei HIT. „Wir sind insgesamt in mehr als 500 Filialen in Deutschland vertreten.“ Für Januar ist ein Gespräch mit Rewe geplant für eine nationale Listung. Sollte das klappen, steht einem großen Wachstum nichts entgegen. „Die Kapazitäten dafür sind bei Produktion und Abfüllung da“, sagt Kraus. Parallel entstehen saisonale Sorten für Valentinstag, Ostern und auch das ganze Jahr. Die Streuselade ist skalierbarer, die Backbox aber bleibt das Herzstück, bei dem sich auch Kraus kreativ mehr austoben kann: bei den Rezepten, dem Design der Box, bei der Präsentation im Netz. Für das kommende Jahr plant Kraus „verhalten optimistisch“, wie sie sagt. Sie rechnet mit rund 800.000 Euro Umsatz. Ihr Team will sie weiter ausbauen. Und vielleicht steht die Streuselade bald in jedem größeren Supermarkt.