Die Wiesbadener Innenstadt ist ohne Zweifel ein Sorgenkind. Sie ist damit aber kein Einzelfall. Der Umbau der Fußgängerzonen zu komfortablen und spannungsgeladenen Erlebnisräumen, die auch ohne Einkauf oder Konsum einen Besuch wert sind, gestaltet sich in vielen deutschen Großstädten als mühseliger und langwieriger Prozess. Ein Patentrezept für diese Transformation gibt es nicht, auch wenn alle Stadtmanager auf mehr Kultur, mehr Gastronomie, mehr belebende Veranstaltungen und mehr Wohnungen in der Innenstadt setzen. Die Einflussmöglichkeiten der Städte sind schon wegen der bisweilen komplexen Eigentumsverhältnisse in den besten Lagen limitiert. Ankäufe leer stehender Immobilien aus öffentlichen Mitteln müssen die Ausnahme bleiben. Wenn sich die Opposition in Wiesbaden ernsthafte Sorgen um den Zustand der Innenstadt macht, dann darf das nicht als Stimmungsmache oder „Negativerzählung“ abgetan werden. Auch wenn die Wiesbadener Politiker es tunlichst vermieden haben, eine lokale Version der von Kanzler Merz angestoßenen Stadtbild-Debatte zu debattieren, lassen sich Fehlentwicklungen und Defizite in der Innenstadt nicht einfach unter den Teppich kehren. Zwei leerstehende Kaufhäuser belasten Mit zwei ehemaligen Kaufhäusern belasten zwei große Leerstände das Stadtbild im Herzen der Landeshauptstadt. Die Sanierung der Theaterruine Walhalla in der Fußgängerzone wird zudem noch Jahre dauern. Und die Hoffnung, mit den „Mauritiushöfen“ bald inmitten der City einen kleinteiligen Mix aus schönen Geschäften und attraktiven Restaurants zu schaffen, könnte sich schon bald zerschlagen. Das aktuelle Schweigen um das Großprojekt nährt die Erwartung, dass die Investoren in der gegenwärtigen Lage davor zurückschrecken werden, die Bagger rollen zu lassen. Für die Wiesbadener Pläne zur Revitalisierung der Innenstadt wäre das Scheitern dieses Großprojekts ein starker Rückschlag. Zumal das Besucher-Niveau der Vor-Corona-Zeit noch längst nicht wieder erreicht ist. Weder ist der Zustand der City so beklagenswert, wie es die Opposition vorgibt, noch ist die Lage so hoffnungsfroh, wie sie das Linksbündnis einschätzt. Ebenso wie eine „Negativerzählung“ hilft auch das Schönreden der Innenstadt nicht weiter. Tatsächlich steht die Entwicklung auf Messers Schneide. Die Stadt muss sich endlich zu einer Entscheidung durchringen, welche Nutzung der ehemaligen Sportarena aus gesamtstädtischer Sicht die beste ist. Sie muss den Weg ebnen, dass sich private Investoren im Galeria-Karstadt-Gebäude engagieren. Und sie muss einen „Plan B“ für das Scheitern der Mauritiushöfe entwickeln, damit die Enttäuschung am Ende nicht in Panik und Depression umschlägt.
