Einen kleinen Aufreger von internationalem Format konnte der Wiener Opernball in diesem Jahr gleich zu Anfang verbuchen. Hollywoodschauspielerin Sharon Stone, die der selbsternannte Schaumrollenkönig Karl Guschlbauer als Stargast in seine Loge geladen hatte, zeigte sich auf dem roten Teppich überwältigt von den Eindrücken. Eingezwängt zwischen anderen wartenden Gästen vor dem Opernhaus, deren Frisuren von frühlingshaften Windstößen zerzaust wurden, schwärmte Stone vor einer ORF-Kamera vom beeindruckend guten Aussehen der Polizistinnen und Polizisten. Sie fühle sich „stolz und bewegt“ angesichts eines „Meeres an Grazie“ und des „Sinnes für Freude“ um sie herum, sagte die 67 Jahre alte Schauspielerin unter Tränen. Sie sehe so viel kulturellen Stolz und ein „Land in Einheit“. Stones Reflexionen über den Zustand der österreichischen Gesellschaft mögen manch heimischen Gast erstaunt haben. Der Hollywoodstar selbst sei nach dem emotionalen Ausbruch für einen Moment ins benachbarte Hotel Sacher gebracht worden, wurde gemunkelt. Wenig später erschien Stone dann wieder in der Loge des Schaumrollenkönigs, der mit seinem Gast in die Fußstapfen des verstorbenen Baulöwen Richard „Mörtel“ Lugner zu schlüpfen versucht. Auch die Schauspielerin Fran Drescher war zu Gast Lugner wusste auf dem Opernball über Jahrzehnte hinweg die große Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, indem er sich mit internationalen Filmgrößen schmückte. Dessen Tochter Jacqueline konnte in diesem Jahr immerhin die Schauspielerin Fran Drescher in ihrer Loge vorzeigen, die einst mit der Serie „Die Nanny“ bekannt geworden war. Doch der öffentliche Höhepunkt der Ballsaison im Wiener Fasching ist mehr als die Versuche einiger Lokalgrößen, sich in internationalem Glanz und Glamour zu sonnen. Mehrere Tage dauert der Umbau des alten Opernhauses in einen eindrucksvollen Ballsaal, der tief in den Bühnentrakt reicht und in diesem Jahr mit überbordenden Blumenarrangements aus „Red Naomi Futura“-Rosen und roten Amaranthus geschmückt wurde. Rund 5500 Gäste kamen zu dem Ball, der ein Pflichttermin für Prominenz aus Kultur, Showbiz und Politik geworden. Nur Bundeskanzler Christian Stocker ließ sich in diesem Jahr entschuldigen, da er beim informellen EU-Gipfel in Belgien um die Wettbewerbsfähigkeit Europas rang. Dafür zeigte sich Stockers Vorvorvorgänger Sebastian Kurz mit zwei Logen als einer der größten Gastgeber des 68. Opernballs. Die Spekulationen über vermeintliche Rückkehrambitionen des Ex-Kanzlers mag das weiter befeuern. Doch die Aufmerksamkeit galt natürlich nicht nur dem Getuschel auf den Rängen. Nach der Eröffnung um 22 Uhr mit dem Eintreffen von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der Opernball-Fanfare und Hymnen zogen die 180 Debütantenpaare in den Saal. Dann folgten die Darbietungen des Opernhauses selbst, das – anders als die Lugners und Schaumrollenkönige – der eigentliche Gastgeber des Abends ist. Zwischen den artig wartenden Reihen der Debütanten tanzte das Staatsballett in Kostümen von Giorgio Armani, das Hausorchester wies mit dem „Walzer Nr. 2“ von Dmitri Schostakowitsch weit über Wien hinaus und ließ dann – neben bekannten Opernklassikern – mit Leonard Bernsteins „West Side Story“ einen Hauch von Broadway durch den Tempel der Wiener Hochkultur wehen. Unter den Debütanten fanden sich wie immer allerlei Zöglinge der Wiener Gesellschaft, darunter ein Nachkomme des 1914 ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand, ein Enkel des früheren Bundespräsidenten Thomas Klestil und mit Joey Schoenberg sogar ein Urenkel des emigrierten Komponisten Arnold Schönberg. Dann wurde mit dem Ausruf „Alles Walzer!“ schließlich die Tanzfläche bis in die tiefe Nacht freigegeben. Sharon Stone hatte sich da schon längst wieder gefangen. „Es erinnert mich an die alten Technicolor‑Filme, die ich als Kind gesehen habe“, sagte sie, von einer ORF-Kamera in ihrer Loge besucht. „Diese Fantasie, diese Romantik!“ Und manchmal schwinge sogar ein Hauch von Hitchcock mit, weil man nie genau wisse, was als Nächstes passiert. „Es ist so, als wäre ich plötzlich selbst in einem dieser Filme gelandet, in denen die feinen Leute an geheimnisvolle Orte reisen, wo Intrigen, Eleganz und Romantik ineinander übergehen.“
