FAZ 02.12.2025
09:23 Uhr

Wieder geht es schief: Murphy auf Reisen


Herr Murphy ist überall zugange, an der Supermarktkasse zählt er Bargeld, im Flugzeug steht er kurz vor dem Start auf und bei der Bahn ist er sowieso stetig.

Wieder geht es schief: Murphy auf Reisen

Gemäß Herrn Murphy und dem nach ihm benannten Gesetz dauert es stets in jener Schlange vor der Kasse am längsten, an der man sich gerade angestellt hat. Etwa weil die nach der Ankunft aus dem Gang mit Waschmittel und Küchenrolle zwar die kürzeste war, der fröhliche Herr vor einem dann aber seinen Bon gerne in Münzen, abgezählt, begleichen möchte. Als Freund des Bargelds lächeln wir den Moment weg, als Freund des technischen Fortschritts würden wir auf die Möglichkeit verweisen wollen, ein Smartphone oder eine Kreditkarte an einen Kasten halten zu können. Seit der Flughafen seine Kästen, die zur Durchleuchtung des Gepäcks, auf solche umgestellt hat, die alles durchleuchten, weshalb dem Handköfferchen nichts mehr entnommen werden muss, sind schleichende Schlangen dort kaum noch anzutreffen. Außer, der Herr Murphy arbeitet bei der Security, was schon auch mal vorkommt. Als die Lufthansa sich des Fingers entledigend ablegt, pünktlich, und gen Startbahn rollt, steht der von plötzlicher Heimatliebe ergriffene Herr Murphy auf und möchte gerne die Flugzeugtüre öffnen, was der Kapitän suboptimal findet. Weshalb der Schlepper zurückgeholt wird und die Maschine zurückschleppt, wo sich Murphy von Bord schleppt, geschleppt wird. Ergibt eine Stunde Verspätung. Verspätung ist dem Herrn Murphy derweil gänzlich unbekannt, also als mögliches Objekt seines hinterlistigen Wirkens, so er bei der Deutschen Bahn tätig ist. Die hat ihre Unpünktlichkeit professionell internalisiert, sie geht fast niemals schief. Gründe gibt es gute, etwa „die verspätete Bereitstellung des Zuges“. Weshalb die Bahn überrascht ist, dass sie einen Zug bereitstellen muss, der im Fahrplan steht, im bahneigenen zumal, das fragen wir den Herrn Murphy, wenn wir ihn das nächste Mal treffen. Es kann nicht lange dauern, der Kerl scheint viel unterwegs zu sein.