FAZ 26.01.2026
09:00 Uhr

Wie viel Sport ist gut?: Das fröhliche Fitness-Rechnen


Viel hilft viel, wenn es um Körperertüchtigung geht. Das war ein Standardsatz. Mittlerweile gilt auch der Schongang als heilsam. Ist die Sportmengenlehre am Ende? Der Kopf sagt: nein.

Wie viel Sport ist gut?: Das fröhliche Fitness-Rechnen

Wie ausgeklügelt das System der ständigen Selbstkorrektur ist, das wir Wissenschaft nennen, lässt sich schön an einem der schlichtesten Rezepte für unsere Gesundheit nachvollziehen: mehr Bewegung – beziehungsweise körperliche Aktivität, wie das die Weltgesundheitsorganisation in Abgrenzung zur bevorzugten sitzenden Lebensweise nennt. Seit Jahren jagen sich hier die Experten durch einen Wald an Ratschlägen, entstanden ist ein regelrechtes Labyrinth gut gemeinter Leistungsmetriken. Angefangen von der aktuellen WHO-Empfehlung, die 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive aerobe Aktivität pro Woche vorsieht, plus muskelstärkende Aktivitäten an mindestens zwei Tagen. Bis eben zu jenen neueren Studien, die auffällig oft seelentröstenden Charakter besitzen. So sollen täglich fünf Minuten mehr Bewegung (kein Sport!) reichen, um nach einer aktuellen „Lancet“-Studie das Sterberisiko bevölkerungsweit um zehn Prozent zu senken. Ein weiteres Ergebnis dieser an 135.000 Menschen und achttausend Todesfällen ermittelten Daten: Dreißig Minuten weniger sitzen täglich verhindere sieben Prozent vorzeitige Sterbefälle. Das „British Medical Journal“ präsentiert nun eine ebenso probandenstarke Untersuchung, die das Bewegungsprofil seit Mitte der Achtzigerjahre erfasst: Demnach macht’s die Mischung. Mal schwimmen, mal laufen, mal radeln, Tennis, Rudern, Jogging – alles hilft, solange wir nicht immer dasselbe tun. Dieser wüste Mix an Ratschlägen und der Zahlensalat kann einem auf die Nerven gehen. Andererseits, und da hilft uns die Wissenschaft durchaus auf die Sprünge, kann diese nervenaufreibende Sprunghaftigkeit der Medizinforschung auch als Aufruf gegen die allseits beklagte mentale Trägheit – Stichwort: Smartphone-Sucht – begriffen werden. Hirnjogging hält jung. Wer das wiederum nicht glauben will, sollte sich das neueste Heft von „Nature Medicine“ zu Gemüte führen. Darin werden in einem randomisiert-kontrollierten Experiment von Yale-Forschern Hinweise vorgestellt, denen zufolge derjenige, der sein Gehirn um positive Gedanken kreisen lässt, sein Immunsystem stärkt. Damit sind wir in der Sportmengenlehre endgültig bei der inneren Bewegung angekommen. Herzerfrischend, dieser Gesundheitsfetisch.