FAZ 27.01.2026
13:44 Uhr

Wie ticken Gen-z und Y?: Sie sind jung und brauchen das Geld


Sie bewegen sich irgendwo zwischen hohen Ansprüchen an ihren Job – und enormen Zukunftsängsten wegen der Welt- und Wirtschaftslage. Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat ausgewertet, wie die Generationen Z und Y ticken.

Wie ticken Gen-z und Y?: Sie sind jung und brauchen das Geld

Für junge Menschen erscheint heute alles schwieriger als für ihre Eltern, die „Babyboomer“: einen Job zu finden, eine Wohnung zu kaufen, eine Absicherung fürs ­Alter zu haben. Aber hatten es die Baby­boomer wirklich so viel besser? Oder haben sie mit ihren Kindern nur viel zu selten über ihre eigenen „Zumutungen und Entbehrungen“ gesprochen? Diese Fragen wirft ein Aufsatz der Konrad-Adenauer-Stiftung auf, der sich mit der Lebenssituation junger Menschen in Deutschland befasst. Die Generationen Z (Jahrgänge 1995 bis 2010) und Y (1980 bis 1994) wurden demnach von ihren Eltern „oft mit dem Ziel eines rundum glücklichen Lebens und individualistischen Wer­te­vorstellungen“ großgezogen. So wird ein Mann Ende zwanzig auf Tiktok zitiert, der verwundert feststellt: „Ein eigenes Haus muss man sich leisten wollen.“ Er zählt dann auf, auf was man alles verzichten müsse: teure Restaurantbesuche oder Urlaube, kurze Arbeitswege, Konsum. Geld als Top-Motivation für den Job Der Bericht „Themen der Jugend – Lebenswünsche, Krisen und Zukunftssorgen“ wertet Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes, repräsentative Befragungen und Sekundäranalysen aus. Die Jugend, so fasst es der Aufsatz zusammen, sei mehrheitlich durch Optimismus und die Hoffnung auf ein gutes Leben geprägt. Doch dafür muss man entsprechend verdienen. Entsprechend häufig nennen junge Menschen „Geld“ als Topmotivation für den Job: In einer Studie waren es 51 Prozent der befragten 14 bis 29 Jahre alten Personen in Deutschland. Damit verteidigt „Geld“ als Topmotivation Platz eins, seit 2021 hat es „Spaß an der Arbeit“ (41 Prozent) auf den zweiten Platz verdrängt. „Spaß an der Arbeit“ heißt: ein gutes Team, kein Stress sowie ein respektvoller Umgang. Von einer „guten Arbeit“ erwarten junge Menschen auch „empathische Vorgesetzte“ und einen sicheren Arbeitsplatz – der eine ausgewogene Balance von Arbeit und Freizeit bietet. Die Autorin des Aufsatzes, Elisabeth Hoffmann, die in der Stiftung für Jugend- und Generationenpolitik verantwortlich ist, vergleicht diese Einstellungen mit der Haltung früherer Generationen: Die meisten Wünsche hätten auch die Generationen zuvor genannt. „Jedoch werden gute Arbeitsbedingungen von jungen Menschen nicht nur erwartet, sondern auch ­aktiv eingefordert, und die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen, ist geringer ausgeprägt als bei der Generation der Baby­boomer.“ So seien die Anforderungen vieler junger Menschen an den „idealen Job“ kaum zu erfüllen. Ihre stärksten Fähigkeiten sehen junge Leute im „fleißigen und zuverlässigen Abarbeiten von Aufgaben“. 73 Prozent der befragten 14 bis 29 Jahre alten Personen gaben diese Fähigkeit im Hinblick auf ihre Talente an. 64 Prozent sehen „strukturierte und koordinierte Planung von Prozessen“ als Stärke, 56 Prozent hingegen „soziale Kompetenz“. Doch nur 15 Prozent geben als ihre starke Fähigkeit an, „visionär zu denken, kreative Lösungen zu entwickeln und Neues zu probieren“. Eine „heterogenere Gruppe als jemals zuvor“ In Deutschland, das hebt der Bericht hervor, sind junge Menschen „eine heterogenere Gruppe als jemals zuvor“. Knapp 43 Prozent der zehn bis 19 Jahre alten Menschen haben einen Migrationshintergrund, bei den 20 bis 29 Jahre alten Menschen ist es mehr als jeder Dritte. Auch die „Ressourcen der Elternhäuser“, ihre Kinder zu fördern, sind unterschiedlich. Die fünf wichtigsten Statussymbole der Jüngeren: „Intelligenz“ (37 Prozent), „beruflicher Erfolg“ (27 Prozent), „Fitness – ein athletischer Körper“ (24 Prozent), „Reisen“ (21 Prozent), „schönes Aus­sehen“ (20 Prozent). Diese Statussymbole setzen die Generation Z jedoch auch unter „psychischen Druck“: Intelligenz und Schönheit sind größtenteils genetisch bedingt und allein durch Fleiß nicht zu erreichen – ganz anders als die Statussymbole der Babyboomer: Haus, Auto, Boot. Schwierige Suche nach einem Job Die Suche nach einem Arbeitsplatz, der gut bezahlt und sicher ist, wird jedoch immer schwieriger. Das gilt nach der Auswertung der Stiftung oft über alle Qualifikationsniveaus hinweg. Nur 59 Prozent der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss finden demnach einen Ausbildungsplatz. Und von den Jugendlichen ohne Schulabschluss beginnen nur 27 Prozent eine Ausbildung. Noch schwieriger sei die Lage für junge Arbeitsuchende, die nicht die deutsche Staats­angehörigkeit haben. Doch auch akademisch gebildete junge Menschen müssen stärker um einen attraktiven Job kämpfen. Denn immer mehr Schüler schaffen das Abitur oder die Fachhochschulreife. Derzeit liegt der Anteil der Personen mit diesen Schulabschlüssen in der Altersgruppe der 25 bis 29 Jahre alten Menschen bei 58 Prozent. Auch die schwache Konjunktur mache sich bemerkbar: 2024 war die Arbeitslosigkeit von Hochqualifizierten im Vergleich zum Jahr 2022 stärker gestiegen (plus 19 Prozent) als die Arbeitslosigkeit insgesamt (plus acht Prozent). Vor allem in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, bei Medien­berufen oder in den Naturwissenschaften sind laut Bundesagentur für Arbeit „nur wenige einschlägige Stellen zu besetzen“. Rund 30 Prozent der Akademiker im Alter unter 35 Jahren, die einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, arbeiten laut der Stiftung im Moment „unterhalb ihrer akademischen Qualifikation, etwa als Helfer oder Fachkraft“. Hoffen kann die Generation Z auch nicht auf die vom Arbeitsmarkt abtretenden Babyboomer: Der durch „Verrentung“ frei werdende Arbeitskräftebedarf wird in akademischen Berufen „schnell gedeckt werden“. Denn es werden deutlich weniger Plätze durch Babyboomer frei, als es junge Hochqualifizierte gibt. Als Konkurrenz kommt zudem die KI ins Spiel: Eine Befragung mit 1150 Personen hat ergeben, dass 89 Prozent Angst „vor einem Verlust ihres Arbeitsplatzes durch KI haben und dass ein Viertel dieser Befragten diesen bereits erlebt hat“. Besonders betroffen seien vor allem junge Arbeitnehmer in „Einstiegspositionen“. Sorge vor Inflation und Mietpreisen Die wirtschaftliche Entwicklung, die Inflation sowie der drastische Stellenabbau in Schlüsselindustrien haben laut Auswertung Einfluss auf die Einstiegsgehälter. Somit erklärt sich, dass einige der größten Sorgen der Generation Z ihre finanziellen Verhältnisse betreffen. Stichworte: Inflation, Wohnungs- und Mietpreise, Alters­armut, Wirtschaftskrise. Der Kauf einer Immobilie ist für Haushalte mit einem durchschnittlichen Einkommen in weiten Teilen Deutschlands kaum zu realisieren. Die Stiftung rechnet vor: Laut Destatis lag das Brutto-Durchschnittseinkommen von sozialversicherungspflichtigen vollzeit­beschäftigten 25 bis 29 Jahre alten Personen im April 2024 bei 3819 Euro. Für einen Singlehaushalt (die häufigste Lebensform dieser Altersgruppe) bleiben dann nach grober Berechnung „maximal 2300 Euro netto monatlich“. Je nach Höhe der Miete sei es dann kaum möglich, „das erforderliche Grundkapital für den Erwerb von Wohneigentum anzusparen“. Als „hochgegriffen und recht unrealistisch“ gelten dabei laut einer Befragung die Gehaltsvorstellungen junger Menschen vor dem Berufseinstieg. Mehr als die Hälfte der Personen gibt ein monatliches Bruttoeinkommen ab 5000 Euro an. Fast ein Viertel der Befragten „möchte mindestens 9000 Euro (brutto) pro Monat verdienen“. Das „Traumgehalt“ liege im Durchschnitt monatlich bei 7331 Euro brutto. Furcht vor Gewaltkriminalität Der Bildungsabschluss hat auch einen Einfluss auf politische Einstellungen. So neigen laut einer Befragung die 14 bis 25 Jahre alten Schulabgänger mit Abitur oder Fachhochschulreife weit seltener zu „autoritaristischen und extremistischen Einstellungen“ als Schulabgänger mit Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss. Wie man die eigenen Chancen im Leben wahrnimmt, kann dabei auch die Einstellung zur Migration beeinflussen. Junge Menschen, die ihre Perspektiven als „wenig positiv“ einschätzen, fühlen sich laut einer aktuellen Studie häufiger gegenüber Flüchtlingen benachteiligt als Gleichaltrige, die ihre Zukunft rosig sehen. Soll die Migration begrenzt werden? Laut der Studie sprach sich die Hälfte der Befragten dafür, die andere Hälfte dagegen aus – bei den 50 bis 69 Jahre alten Personen sind 71 Prozent für eine Begrenzung. Doch nicht nur um die wirtschaftliche Lage sorgen sich junge Menschen. Neben Krieg und Klimawandel treibt sie auch die Furcht vor zunehmender Gewaltkriminalität um. So hätten 40 Prozent der zwölf bis 25 Jahre alten Personen Angst davor, „bedroht oder geschlagen zu werden“. Die Ängste sind nicht aus der Luft gegriffen: Die Polizeiliche Kriminalstatistik registriert seit 2023 einen starken Anstieg der Gewalttaten, die durch Jugendliche unter 18 Jahren begangen werden. Und mit der Anzahl der jugend­lichen Täter steigt demnach auch die Zahl der jungen Opfer. Bei Ängsten und Sorgen bleibt es oft nicht. Der Bericht der Konrad-Adenauer-Stiftung verweist darauf, dass psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 19 Jahren „mittlerweile die häufigste Ursache für stationäre Krankenhausaufenthalte“ sind. Bei 30 Prozent der stationären Behandlungen von Kindern und Jugendlichen wegen psychischer Erkrankungen handelt es sich demnach um medizinisch diagnostizierte Depressionen. Die Auswertung von Studien ergab, dass besonders bei Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren „die Fallzahlen diagnostizierter Depressionen, Angststörungen und Ess-Störungen auch nach dem Abklingen der Corona-Pandemie“ stiegen. Die Nöte führen auch dazu, dass sich junge Menschen verstärkt an die „Lebensälteren“ wenden und um „mehr Sicherheit und Orientierung“ bitten. Dieses Hilfeersuchen war offenbar noch nie so stark ausgeprägt wie heute. Dazu gehört auch der ausgeprägte Wunsch, den „schädlichen Wirkungen extensiver Smartphone-Nutzung“ Einhalt zu gebieten. Die vielfältigen Sorgen und Wünsche, so ein Fazit der Stiftung, haben Parteien wie die Linke und die AfD wirkungsvoller als andere Parteien thematisiert – was sich in den Wahlerfolgen gezeigt hat. Doch ­gerade die „jugendtypische Volatilität“ ist demnach auch eine Chance für die Parteien der Mitte, „die Jugend mit demokratischen Lösungen für sich zu gewinnen“.