Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat am Dienstagmorgen eine Pflegerin aus dem hessischen Main-Taunus-Kreis wegen des Verdachts des dreifachen versuchten Mordes und der Körperverletzung festnehmen lassen. Die 53 Jahre alte Frau war nach Angaben der Behörde als Pflegefachkraft und examinierte Pflegerin in einer Seniorenresidenz im Main-Taunus-Kreis beschäftigt und auf der Station von Wachkomapatienten eingesetzt. Auf der Station seien insbesondere Patienten, die sich teilweise seit mehreren Jahren in einem Wachkomazustand befänden und die Umgebung nicht bewusst wahrnehmen oder kommunizieren könnten. Deshalb sei es notwendig gewesen, die Vitalfunktionen der Patienten über einen angeschlossenen Pulsoximeter zu überprüfen, der den Puls und die Sauerstoffsättigung des peripheren Blutes registriert und kontrolliert. Sobald einer dieser Werte außerhalb vorbestimmter Grenzwerte liegt, wird dabei durch den Pulsoximeter ein akustisches und optisches Notsignal abgegeben. Das Entfernen eines Pulsoximeters ist regelmäßig geeignet, einen lebensbedrohlichen Zustand bei einem Wachkomapatienten herbeizuführen, da die Reduzierung der Sauerstoffsättigung im Blut oder das Vorliegen von Schleim oder Sekret im Bronchialtrakt nicht mehr angezeigt wird. Die Frau soll während zwei Nachtschichten im Februar vergangenen Jahres an drei Wachkomapatienten jene Pulsoximeter entfernt haben, um während ihrer Nachtschicht nicht durch optische oder akustische Alarmsignale gestört und zu pflegerischen Handlungen veranlasst zu werden. Die Strafverfolgungsbehörde wirft ihr vor, den Tod der Patienten zumindest billigend in Kauf genommen zu haben. Zudem soll ihr auch bewusst gewesen sein, dass sich der Zustand der Patienten unmittelbar lebensbedrohlich verändern könnte. So soll das Entfernen des Pulsoximeters in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 2025 zu einem lebensbedrohlichen Zustand eines Patienten geführt haben, da dieser bereits eine Körpertemperatur von 41,6 Grad und lediglich eine Sauerstoffsättigung von 80 Prozent gehabt haben soll. Während ihres Dienstes in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar wurde die Frau den Angaben zufolge von der Einrichtungsleitung in einem Aufenthaltsraum auf der Station angetroffen, wobei bei zwei Patienten auf ihrer Station die Pulsoximeter abgeschaltet gewesen sein sollen. Bei beiden Patienten sei die Sauerstoffsättigung bereits deutlich unter dem Normbereich gewesen, sodass Stabilisierungsmaßnahmen getroffen werden mussten. Neben der Festnahme wurde auch ein Durchsuchungsbeschluss vollstreckt sowie ein vorläufiges Berufsverbot angeordnet.
