FAZ 28.12.2025
09:53 Uhr

Werk nahe Berlin: Tesla-Werksleiter lehnt Tarifvertrag ab


Der Vertreter des US-Elektroautoherstellers in Deutschland hält nicht viel von einer tarifvertraglichen Bindung und verweist auf hausinterne Gehaltssteigerungen in Grünheide. Die IG Metall hält dagegen.

Werk nahe Berlin: Tesla-Werksleiter lehnt Tarifvertrag ab

Der amerikanische Elektroautohersteller Tesla lehnt die Einführung eines Tarifvertrags an seinem Standort Grünheide nahe Berlin kategorisch ab. „Es gab dieses Jahr eine Entgelterhöhung im einschlägigen Tarifvertrag von zwei Prozent“, sagte Werksleiter André Thierig der Nachrichtenagentur dpa. „Wir konnten, weil wir in einer anderen wirtschaftlichen Situation sind als die gesamte Industrie, die Entgelte um das Doppelte – um vier Prozent – anheben. Seit Produktionsbeginn waren es damit mehr als 25 Prozent Entgelterhöhung in weniger als vier Jahren.“ Die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen kämpft für einen Tariflohn. „Ohne Tarifvertrag bleibt die Bezahlung bei Tesla deutlich unter dem Niveau in anderen Autowerken in Deutschland zurück“, sagte Bezirksleiter Jan Otto. „Die Tesla-Geschäftsführung redet den Tarifvertrag schlecht, indem sie dessen niedrigste Entgeltgruppe heranzieht. In Automobilwerken sind die untersten beiden Entgeltgruppen aber gar nicht vergeben.“ Unternehmen und Gewerkschaft haben mit Blick auf den Standort Grünheide schon länger unvereinbare Standpunkte bezogen. Der amerikanische Automobilkonzern hält letzten Äußerungen zufolge wenig von der IG Metall und will nicht mit deren Vertretern reden. „Wir haben noch nie mit der IG Metall verhandelt und werden das auch in Zukunft nicht tun“, sagte Werkleiter Thierig im Oktober der F.A.Z. Betriebsratswahl bei Tesla im nächsten Jahr Für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie wurde 2024 eine einmalige Sonderauszahlung von 600 Euro vereinbart sowie eine Steigerung der Monatsentgelte von April 2025 an um 2 Prozent und von April 2026 an um 3,1 Prozent. Teslas Werksleiter Thierig lehnt auch eine Arbeitszeitverkürzung ab, für die die Gewerkschaft kämpft, und sieht sie als Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts „Die Diskussion um eine 35-Stunden-Woche ist für mich eine rote Linie, die werden wir nicht überschreiten“, sagte Thierig. Im neuen Jahr steht auch bei Tesla eine Betriebsratswahl an, die aus Sicht des Werksleiters sehr bedeutsam ist: „Sie entscheidet darüber, ob wir auch in Zukunft unabhängig, flexibel, und unbürokratisch unseren Erfolgsweg weitergehen können“, sagte Thierig. „Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass die Entscheidungsträger in den USA den Ausbau der Fabrik weiter vorantreiben, wenn die Wahl mehrheitlich Richtung IG Metall ausfällt.“ Bei der Betriebsratswahl 2024 stellte die IG Metall zwar die größte Gruppe, die Sitzmehrheit ging aber an nicht gewerkschaftlich organisierte Vertreter.