Sie hat auch etwas Aufmunterndes, die neue Verteidigungsstrategie der USA. Die Amerikaner konzentrieren sich bekanntlich auf ihr Kernland und ihren beanspruchten Hinterhof und erwarten auch von den Europäern die Beschränkung auf deren Kontinent. Russland freilich wird nicht als fähig angesehen, Europa zu beherrschen; allein die deutsche Wirtschaft stelle die russische weit in den Schatten. Hier sollte man sich nicht blenden lassen, angesichts der hybriden Kriegführung des Kremls auch gegen Deutschland. An Trumps peinliche Ausfälle gegen die Verbündeten, die an der Seite Amerikas in Afghanistan gekämpft und geblutet haben, hat man sich ohnehin gewöhnt. Empörung reicht nicht Aber es reicht eben nicht, sich darüber zu empören und den – nicht entscheidenden – Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan in Ehren zu halten. Insbesondere Deutschland hat nicht nur das menschliche und wirtschaftliche Potential sowie die Innovationskraft, sich zu verteidigen und mit seinen europäischen Partnern einen Angriff auf das Bündnis wirksam abzuschrecken – und mehr. Dazu müssen aber nicht nur weitere materielle Anstrengungen unternommen werden. Das Land muss eine überzeugende Botschaft ausstrahlen, wie es etwa Kanada, aber auch Finnland zuletzt gelungen ist. Urvertrauen in eine natürlich Stärke, demonstriert in Wort und Tat. Das ist noch ausbaufähig – und nötig, um Frieden und Freiheit zu wahren. Was die betrifft, kann Amerika ohnehin nicht mehr führen.
