Herr Menges, welche Rolle spielt das Weltwirtschaftsforum für eine Region wie Frankfurt/Rhein-Main? Das Weltwirtschaftsforum ist eine Plattform, auf der sich Politik und Wirtschaft aus der ganzen Welt treffen. Frankfurt ist im internationalen Vergleich keine große Metropole, spielt wirtschaftlich aber eine wichtige Rolle. Dass sich diese Region in Davos mit einer eigenen, wahrnehmbaren und hochwertig besetzten Veranstaltung präsentiert, ist deshalb ein starkes Signal, das international wahrgenommen wird. Was ist der konkrete Nutzen des Weltwirtschaftsforums jenseits der Symbolik? Ich fahre aus Davos fast nie mit konkreten neuen Projekten nach Hause. Aber ich komme immer mit sehr vielen neuen Kontakten auf höchster Ebene zurück. Diese Beziehungen tragen über Monate und Jahre. Man trifft sich später wieder – entweder bei uns in der Region oder im jeweiligen Land. Für uns als Standortmarketing-Organisation ist das der entscheidende Effekt. Wir knüpfen in Davos innerhalb kürzester Zeit unheimlich viele wertvolle Kontakte. Warum entsteht dieser Effekt gerade in Davos? Weil sehr viele relevante Personen gleichzeitig vor Ort sind. Diese Dichte bekommt man sonst kaum hin. Kontakte, für die man sonst lange brauchen würde, entstehen dort innerhalb weniger Tage. Wie intensiv ist dieser Austausch? Sehr intensiv. Ich nehme mehrere Hundert Visitenkarten mit – und sie sind nach dem Weltwirtschaftsforum alle weg. Und selbst wenn keine Karten mehr da sind, wird weiter vernetzt, online, wie auch immer. Das zeigt, wie hoch die Kontaktfrequenz ist. Ist Frankfurt/Rhein-Main damit allein, oder machen das andere Regionen ähnlich? International sind viele Regionen präsent, etwa aus den USA oder aus Indien. Aus Deutschland sind wir die einzige Region, die dort vertreten ist. Ihre Veranstaltung findet im Steigenberger Belvédère statt, sehr zentral gelegen. Warum ist das so wichtig? In Davos finden neben dem eigentlichen Konferenzprogramm parallel unzählige Veranstaltungen statt. Das Steigenberger ist eines der zentralen Veranstaltungshotels, jeder kommt früher oder später hier vorbei. Wer in diesem Hotel also präsent ist, so wie wir mit unserem Empfang am Mittwochabend, wird wahrgenommen. Viele wichtige Persönlichkeiten kommen spontan vorbei. Diese Zufälligkeit ist ein klarer Vorteil. Man steht beim Sicherheitscheck und plötzlich neben jemandem, den man sonst nur aus den Medien kennt. Solche Situationen nutze ich, um direkt auf unsere Veranstaltung hinzuweisen. Das funktioniert. US-Präsident Donald Trump wird ebenfalls in Davos erwartet: Was bedeutet seine Politik für Gespräche dort und für eine Region wie Frankfurt/Rhein-Main? Zunächst einmal sind wir grundsätzlich gegen Handelsschranken. Wir stehen für offene Märkte, Freihandel und globalen Austausch – das gehört zu unserer DNA. Insofern ist klar, dass wir eine Politik der Abschottung kritisch sehen. Trotzdem muss man immer auch aus der eigenen Perspektive handeln, und da sehen wir durchaus, dass sich aus der US-Politik auch Chancen ergeben. So schauen sich Unternehmen aus interessanten Regionen in Indien oder Australien stärker zum Beispiel auch in der Rhein-Main-Region um. Bedeutet das im Umkehrschluss eine geringere Bedeutung der USA? Nein. Amerikanische Unternehmen sind nach wie vor stark in der Rhein-Main-Region vertreten und leisten einen erheblichen Beitrag zur Wirtschaftskraft – nicht nur im Finanzsektor. Und es kommen weiterhin neue Unternehmen dazu. Abseits der Inhalte: Kann ein Besuch Trumps auch Ihren Empfang beeinflussen? Ja, definitiv. Für uns als Standortmarketing-Organisation ist diese Veranstaltung ein enormer Kraftakt. Schon ohne zusätzliche Sonderlagen ist das organisatorisch anspruchsvoll. Wenn eine Person wie Trump in Davos ist, geraten viele Abläufe durcheinander. Sicherheitsmaßnahmen werden massiv ausgeweitet, Bewegungsräume eingeschränkt, Zeitpläne verschoben. Es gibt Situationen, in denen kurzfristig sogar das Mobilfunknetz heruntergefahren wird, wenn er mit dem Auto vorbeifährt. Dann kann man niemanden mehr anrufen, nichts mehr koordinieren. Das ist logistisch extrem schwierig.
