In der Politik geht es viel um Aufmerksamkeit. Wer sich häufig und gut ins rechte Licht rückt, dessen Erfolge, Sorgen und Nöte werden auch besser wahrgenommen. Wer also die Frage stellt, was es bringt, wenn sich eine Wirtschaftsregion Frankfurt/Rhein-Main als solche beim Weltwirtschaftsforum präsentiert, der sollte die Logik der Mächtigen im Auge haben, die da lautet: Nur wer laut genug trommelt, bekommt die Aufmerksamkeit, die er verdient. Dass Frankfurt in Davos – gewiss für nicht wenig Geld – trommelt, ist sinnvoll, das konnte man am Mittwoch vor Ort mit eigenen Augen verfolgen. Erstmals war mit Lars Klingbeil der Vizekanzler zu Gast und machte gleich mal deutlich, wie wichtig ihm als Finanzminister der Finanzplatz am Main ist, auch als Türöffner für Investitionen in ganz Deutschland und Europa. Das hört man gerne in Frankfurt, nur hätte man es vielleicht nicht gehört, wenn man in Davos nicht zu einem Empfang in das dortige Tagungshotel eingeladen hätte. Frankfurter Finanzszene in Davos: Besinnung auf die eigenen Stärken Natürlich hätte man viele von den prominenten Gästen, die am Mittwoch bei dem Empfang waren, auch in Frankfurt treffen können. Doch auch dieses Argument ignoriert die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie. In Davos ist die Dichte an wichtigen Persönlichkeiten und an Terminen so groß, dass die Chance, internationale Investoren für eine Investition in Frankfurt zu begeistern, hier tatsächlich größer ist als gleichzeitig in der Heimat. Und letztlich ist das Klassentreffen der Frankfurter Finanzszene in Davos mit Präsidenten oder Vorstandschefs etwa der Europäischen Zentralbank, der Bundesbank, der Deutschen Bank, der Commerzbank oder der KfW auch eine Form der Selbstvergewisserung. So zielten die offiziellen Reden und inoffiziellen Gespräche auffällig häufig darauf ab, sich in Zeiten, da die transatlantische Zusammenarbeit aus Washington immer häufiger infrage gestellt wird, nicht beleidigt zurückzuziehen, sondern sich wieder mehr den eigenen Stärken zu besinnen. Das gilt für Europa, für Deutschland, aber eben auch für Frankfurt. Die Stadt hat als Wirtschaftsmetropole und als Anker von Stabilität und Zuverlässigkeit immer noch weltweit einen guten Ruf. Mit diesen Argumenten kann die Region auch und gerade jetzt um Konzerne und Investoren werben und damit die eigene Wirtschaft stärken. Und wirtschaftliche Größe war stets ein wichtiges Argument, um international als Akteur wahrgenommen zu werden, auch politisch. Frankfurt mag im internationalen Kontext eine kleine Metropole sein. Im Zusammenspiel mit der Region lässt sich daraus jedoch viel Wirkmacht entwickeln. Wenn alle an einem Strang ziehen. Ein Abend wie in Davos kann dazu beitragen.
