FAZ 17.12.2025
20:13 Uhr

Weinjahrgang 2024: „In der Spitze besser denn je“


Gerhard Eichelmann, renommierter Weinkritiker, sieht viele Winzer in einer existenziellen Krise. Aber er macht in seinem Standardwerk auch Hoffnung: vor allem den Sektproduzenten.

Weinjahrgang 2024: „In der Spitze besser denn je“

Der Weinbau steckt in einer existenzbedrohenden Krise. Die Deutschen trinken immer weniger Alkohol, und besonders die Nachfrage nach guten Weinen geht zurück, denn wenn überhaupt noch Wein getrunken wird, dann soll er möglichst günstig sein. Gleichzeitig steigen die Produktionskosten, und die von Donald Trump eingeführten Zölle wirken sich negativ auf den Export aus. Die Lage gilt als die schwierigste seit Jahrzehnten, aber einer trägt an dieser Entwicklung sicher keine Schuld: Gerhard Eichelmann. Der Heidelberger gilt als einer der bekanntesten deutschen Weinkritiker, und er prägt als Herausgeber des jährlich erscheinenden Standardwerks „Eichelmann – Deutschlands Weine“ maßgeblich die Wahrnehmung deutscher Weine im In- und Ausland. Seit 26 Jahren steht Eichelmann mit seinem Weinführer für Qualität im heimischen Weinbau, macht auf junge, innovative Winzer aufmerksam und mahnt, dass Qualität im Glas ihren Preis habe. „Kulturlandschaft Wein“ in Gefahr Das Fazit des Kritikers angesichts der aktuellen, aus seiner Sicht absehbaren Krise fällt ernüchternd aus. Die „Kulturlandschaft Wein“ sei in Gefahr, warnte Eichelmann bei der Vorstellung der jüngsten Ausgabe seines Standardwerkes. „Der Verbraucher will keinen anderen Wein, er will weniger.“ Zu dieser Entwicklung trage ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein vor allem der jüngeren Generationen ebenso bei wie der „weltweite mediale Dauerbeschuss gegen alkoholische Getränke jedweder Art“. Angesichts der Überproduktion sei ein „Winzersterben“ unausweichlich, prognostiziert der Kritiker. Nicht nur kleinere Familienbetriebe gingen „klammheimlich“ in die Insolvenz, auch renommierte Produzenten gerieten zunehmend in existenzielle Not. So schwierig die Situation aber auch ist, wer Wein trinkt, darf sich dennoch freuen, denn deutscher Wein sei „in der Spitze besser denn je“, bilanziert Eichelmann. Viele Weingüter hätten im Jahr 2024 ihre bisher besten Kollektionen in die Flasche gebracht. Im „Eichelmann 2026“ präsentiert der Herausgeber 845 aus seiner Sicht herausragende Weingüter und rund 9000 Weine. Für die beste Weißweinkollektion des Jahres 2024 wird in der jüngsten Ausgabe Peter Bernhard Kühn aus Oestrich-Winkel im Rheingau gelobt. Das beste Rotweinangebot hat nach Ansicht der Eichelmann-Redaktion Sebastian Fürst aus Bürgstadt in Franken. Die Auszeichnung für die beste Sektkollektion geht an Griesel & Compagnie aus Bensheim an der Hessischen Bergstraße, und als „Entdeckung des Jahres“ wird die Winzerin Lena Singer-Fischer gekürt, deren Weingut „Lena macht Sekt“ sich im rheinhessischen Ingelheim befindet. Was den Sekt betrifft, hat Gerhard Eichelmann generell gute Nachrichten: Deutscher Sekt sei gefragt wie nie zuvor, und die Qualität deutscher Schaumweine nehme im internationalen Vergleich stetig zu, sagt er. Das sei eine erfreuliche Entwicklung, zumal der Export in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen werde. Im Vergleich zum französischen Champagner sei Sekt aus Deutschland zunehmend konkurrenzfähig.