Die Weinabsatzkrise ist global und kein deutsches Phänomen. Eine Marktbereinigung ist überfällig, um die Produktion der rückläufigen Nachfrage anzupassen. Längst hätten Strategien entwickelt werden müssen, wie die Rebfläche ohne Schaden für die Kulturlandschaft und den Tourismus deutlich verringert werden kann. Zudem fehlt noch immer die Einsicht, dass es aktuell nicht um eine Delle geht, die in einigen Jahren Besserung und womöglich Rückkehr zu den gewohnten Verhältnissen verspricht. Die Erwartungen der Marktforscher sind eindeutig: Die Umsatz- und Absatzkurven gehen langfristig nach unten. Den deutschen Winzern muss zudem zu denken geben, dass sie im nationalen Verdrängungswettbewerb überproportional Marktanteile an die ausländische Konkurrenz abgeben. Diese Misere nahm schon vor der aktuellen Krise ihren Anfang. Seit 2013 haben die deutschen Winzer auf ihrem Heimatmarkt mehr als sechs Prozent eingebüßt, während die italienischen Erzeuger zulegten. Von einem Weinpatriotismus, wie ihn unter anderem die Österreicher an den Tag legen, sind die deutschen Konsumenten weit entfernt. Jene deutschen Erzeuger, die offen für Selbstkritik sind, geben freimütig zu, dass es nicht gelungen ist, hierzulande eine Wertschätzung für die regional erzeugten Produkte zu wecken. Das hehre Ziel der deutschen Weinbauverbände, dass absehbar jede zweite Flasche hierzulande gekauften Weins aus einem der 13 deutschen Anbaugebiete stammt, wird sich kaum verwirklichen lassen. Dazu fehlt es an überzeugenden Konzepten und Strategien. Dass es gelingt, in der laufenden Krise aus dem Rheingau eine überzeugende Weinmarke zu formen, ist kaum vorstellbar. In einem massiven und absehbar nicht mehr nachlassenden Verdrängungswettbewerb ist sich jeder Erzeuger selbst der Nächste. Gestärkt überstehen werden diese Phase nur jene vertriebsstarken Güter, die auf kreative Kundengewinnung und Kundenpflege auf Basis einer hochmodernen Warenwirtschaft setzen und in denen die Winzer vor allem eines sind: innovative Unternehmer.
