Eine Regierungspartei, die weiß, dass der Ministerpräsident aus ihren Reihen nicht noch einmal antreten will, steht vor der schwierigen Frage: Warten, bis die Wahlperiode zu Ende ist? Oder nicht so lange warten und dem Nachfolger wenigstens einen kleinen Amtsbonus im Wahlkampf verschaffen? Die Grünen in Baden-Württemberg haben sich für die erste Lösung entschieden, haben aber auch nicht die Schwierigkeit, dass Cem Özdemir ein unbekannter Mann wäre. Sein Selbstbewusstsein reicht gar aus, so zu tun, als sei er schon im Amt. Mit Sven Schulze in Sachsen-Anhalt ist das anders. Die Fußstapfen Reiner Haseloffs sind ähnlich groß wie die Winfried Kretschmanns. Aber Schulze ist kein Özdemir. Der Wechsel kommt spät. Zu spät? In Sachsen-Anhalt kommt hinzu, dass Haseloff bislang die Rückversicherung der CDU war, die AfD in Schach halten zu können. Sein Rückzug bringt nicht nur die Landes-CDU in Verlegenheit. Mit Schulze wäre es eine große Überraschung, wenn sie wieder stärkste Partei würde. Die CDU müsste schon froh sein, wenn sie nach der Wahl eine Mehrheit gegen die AfD organisieren und den Regierungschef stellen kann. So gesehen, kommt der Wechsel in der Magdeburger Staatskanzlei reichlich spät. Der kleine Amtsbonus für Schulze wirkt wie der sprichwörtliche Strohhalm, an den sich die Erben Haseloffs noch kurz vor Torschluss klammern können. Deshalb dürfte es kaum jemanden in der CDU und in der Koalition geben, der Schulze daran hindern wollte. Auch die AfD wird nichts dagegen haben. Haseloff, ihr Bändiger im bürgerlichen Lager, ist dann endgültig Geschichte.
