Die Akzeptanz der Klimapolitik steigt, wenn die Belastung der Wirtschaft sich in Grenzen hält. So kann man dem Ziel, die Emission von Treibhausgas in der hessischen Landesverwaltung auf null zu reduzieren, prinzipiell nur zustimmen. Wenn die Landesbediensteten Dienstreisen durch digitale Formate ersetzen, dient das der Umwelt, ohne die Arbeit zu beeinträchtigen. Vor allem Flugreisen sind schädlich. Darum ist es spannend, dass die Beschäftigten der Hochschulen in einer aktuellen Untersuchung des Instituts IFEU als Vielflieger erscheinen. Dienstreisen verursachen einen Anteil von knapp zehn Prozent an den Emissionen im öffentlichen Sektor. Für mehr als 70 Prozent davon sind nach der Untersuchung Flugreisen verantwortlich, „überwiegend verursacht an den Hochschulen“. Es stellt sich nicht nur die Frage, warum es zwischen den Hochschulen einen so großen Bedarf gibt, sich abzustimmen. Man hätte auch gern gewusst, ob sich die seit der Pandemie massiv ausgebauten digitalen Konferenzsysteme nicht stärker nutzen lassen. Auf diese Weise halten die Staatskanzleien in der ganzen Republik die Zahl der Berlin-Flüge im Rahmen. Das sei zur Nachahmung empfohlen. Auch die Empfehlung, Anreize für die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs zu schaffen, ist sinnvoll. Ein weiterer Treiber der Emissionen ist der enorme Zuwachs an Personal und Flächen. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der witterungsbereinigte Endenergieverbrauch in der Wärmeversorgung permanent ansteigt. Dass die Experten dies beklagen, ist plausibel. Aber gleichzeitig fordern sie, die Personalkapazitäten in allen beteiligten hessischen Einrichtungen deutlich auszuweiten, um die verschiedenen Projekte zur Senkung der Emissionen „umzusetzen und zu begleiten“. Wie das ohne zusätzliche Energie verbrauchende Büros gehen soll? Die Antwort der Fachleute ist die „Entkopplung von Personal- und Flächenentwicklung“, zum Beispiel durch die Beibehaltung der in der Corona-Krise geschaffenen Möglichkeiten zum Homeoffice. Aber die im Büro eingesparte Energie wird in der eigenen Wohnung der Landesbediensteten verbraucht. Der Umwelt ist so nicht geholfen. Die These, dass mehr Personal zu weniger Emissionen führe, mutet fragwürdig an.
