In Sachen Wallauer Spange ist allen zu raten, einmal tief durchzuatmen. Für die Panik, die seit Wochen die Grünen und nun auch der Wiesbadener Oberbürgermeister verbreiten, besteht kein Anlass. Das Bauprojekt ist planerisch weiter als alle anderen großen Vorhaben der Deutschen Bahn in Südhessen. Dass ein Planfeststellungsverfahren neu aufgerollt werden muss, ist vielleicht nicht üblich, aber auch nicht neu. Ähnliches ist vor vier Jahren für einen ersten Abschnitt der Neubaustrecke nach Mannheim geschehen, auch damals verlangte das Eisenbahnbundesamt als Genehmigungsbehörde zusätzliche Unterlagen. Die Prüfung von Infrastrukturprojekten ist außerordentlich aufwendig, und es gibt keinen Hinweis, dass Antragsteller oder Genehmigungsbehörde dilettantisch vorgingen oder auf Zeit spielten. Dass sich der vor drei Jahren noch für 2025 geplante Baubeginn nicht halten lassen würde, war ohnedies schon länger abzusehen. Mit der Nachricht über den Stopp des Planfeststellungsverfahrens für die Wallauer Spange ist zugleich nachdrücklich in Erinnerung gerufen worden, dass Baurecht für diese Verbindung noch keinesfalls vorliegt. Der falsche Eindruck, dass es anders sei, war zuletzt durch eine missverständliche Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Tarek Al-Wazir (Die Grünen) und einiger Mitstreiter sowie deren anschließende Pressemitteilung entstanden. Tatsächlich war leicht in Erfahrung zu bringen, dass von einer Baureife niemals die Rede sein konnte. Nicht mit Erwartungen überfrachten Damit stellt sich aber auch die Frage, ob der Bund die für die Verwirklichung der Strecke notwendigen Mittel bereitstellt, noch nicht mit jener Dringlichkeit, die ihr in den vergangenen Wochen zugemessen wurde. Wenn in dem Moment, in dem dann tatsächlich Baureife besteht, das Projekt nicht verwirklicht werden kann mangels Bereitstellung der dafür notwendigen Millionen, wäre dies allerdings wirklich ein Witz. Dass es unmöglich wäre, sollte man angesichts der Wechsellagen in der Bundespolitik nicht behaupten. Man darf die Wallauer Spange aber auch nicht mit Erwartungen überfrachten. Die unglückliche Lage Wiesbadens im Eisenbahnnetz zwischen der wichtigen linksrheinischen Bahnstrecke über Mainz und der Schnellfahrstrecke nach Köln wird auch diese Querverbindung nicht ändern. Zum Flughafen kann man auch jetzt schon passabel mit S-Bahnen gelangen. Die verkehrspolitische Katastrophe für Wiesbaden schlechthin wäre es nicht, wenn die Wallauer Spange scheitert. Diese Katastrophe haben die Bewohner der Landeshauptstadt angerichtet, als sie sich 2020 gegen die Wiedereinführung der umweltfreundlichen und leistungsfähigen Straßenbahn entschieden haben.
