Dieser offiziell vermeldete Wahlsieg dürfte niemanden überrascht haben. Trotzdem fielen sich Anhänger des ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni jubelnd in die Arme, als die Wahlkommission am Samstag das Ergebnis der Präsidentenwahl in dem ostafrikanischen Land verkündete. Demnach hat der 81 Jahre alte Präsident die höchst umstrittene Wahl mit 71 Prozent gewonnen. Seit 40 Jahren ist der „alte Mann mit Hut“, wie er in Uganda genannt wird, an der Macht, jetzt wird er eine weitere Amtszeit von fünf Jahren antreten – es ist seine siebte. Der aussichtsreichste Oppositionskandidat, Bobi Wine, nannte das Ergebnis in einem Post auf der Plattform X „Fake“. Das Militär habe die Wahl übernommen. Beobachter der Wahl bestätigten, dass zahlreiche Wahllokale vom Militär und von der Polizei bewacht wurden, Oppositionelle und Wahlhelfer von Wines Partei National Unity Platform seien verhaftet worden. Mancherorts hätten die Sicherheitskräfte Tränengas und härtere Gewalt gegenüber Oppositionellen und Journalisten eingesetzt. Die Abstimmung fand außerdem während einer landesweiten Internetsperre statt, die am Wochenende nur langsam gelockert wurde. Nach Angaben der Wahlkommission hatte nur knapp ein Viertel der Wähler für Wine gestimmt, die Wahlbeteiligung lag bei 52 Prozent. Der ewige Staatslenker Wines Aufenthaltsort ist am Sonntagmorgen weiterhin unbekannt gewesen. Der 43 Jahre alte Oppositionspolitiker, der schon zum zweiten Mal gegen Museveni in einer Präsidentenwahl angetreten war und der über die Jahre hinweg unzählige Male festgenommen wurde, ist nach einer Militär- und Polizeirazzia aus seinem Haus in Magere nördlich der Hauptstadt Kampala geflüchtet. „Sie schalteten den Strom und mehrere Überwachungskameras ab. Hubschrauber flogen über uns“, schrieb Wine auf der Plattform X. Seine Frau und andere Familienmitglieder befänden sich noch im „Hausarrest“, er selbst sei nicht dort. „Ich weiß, dass diese Kriminellen mich überall suchen, und ich versuche, in Sicherheit zu bleiben.“ Schon am Freitag hatte seine Partei berichtet, dass Sicherheitskräfte das Haus umstellt hätten. Nach der Wahl vor fünf Jahren hatten Beamte Wine auf diese Weise unter Hausarrest gestellt, damals dauerte die Belagerung mehrere Tage lang. Viele Ugander können sich an keinen anderen Staatslenker als Museveni erinnern. Der frühere Rebell kämpfte einst gegen das Regime von Idi Amin, stürzte später seinen ehemaligen Kampfgenossen Milton Obote und übernahm 1986 selbst die Macht. In jungen Jahren hatte er gesagt, eines der größten Übel in Afrika bestehe darin, dass Staatslenker nicht abdankten. Er selbst aber ließ letztlich zweimal die Verfassung ändern, um länger an der Macht zu bleiben, und regiert seit vielen Jahren wie ein Patriarch nach Gutsherrenart, mit harter Hand gegenüber der Opposition. Viele ältere Menschen haben Angst vor einem Regierungswechsel Insbesondere in der älteren Bevölkerung hat er jedoch weiterhin viele Anhänger, die nicht zuletzt die Unwägbarkeiten eines Regierungswechsels fürchten und Wine, einem ehemaligen Popmusiker, nicht vertrauen. Überdies herrscht seit der Vertreibung der militanten Lord’s Resistance Army weitgehend Frieden im Land. Die Wirtschaft wächst, zuletzt lagen die Wachstumsraten bei durchschnittlich fünf Prozent im Jahr. Auch das schreiben die Museveni-Anhänger dem Präsidenten zu. Seit vielen Jahren kündigt er den Start der Ölproduktion an, die Uganda zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhelfen könnte. Im Oktober dieses Jahres soll eine 1433 Kilometer lange Pipeline von den Ölfeldern am Albertsee in Uganda nach Tansania in Betrieb genommen werden. Auch eine Raffinerie wird gebaut. Trotz der Wirtschaftsentwicklung lebt jeder vierte Ugander unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Mit Blick auf die kommenden fünf Jahre werden nicht nur Museveni, sondern voraussichtlich auch sein ältester Sohn Muhoozi Kainerugaba, derzeit der Kommandant der Streitkräfte, politisch eine wichtige Rolle spielen. Weithin gilt er als aussichtsreichster Anwärter für die Nachfolge seines Vaters, allerdings nicht auf demokratischem Wege. Musevenis Sohn sorgte schon für diplomatische Eklats Der 51 Jahre alte Kainerugaba sorgt vor allem mit hetzerischen Posts auf der Plattform X für Aufsehen. Jüngst hatte er mitgeteilt, Bobi Wines Bodyguard in seinem Keller gefangen zu halten und foltern zu lassen. Vor einem Jahr hatte er geschrieben, er würde Wines Kopf „nehmen“, wenn sein Vater nicht da wäre. Der Chef der Streitkräfte sorgte auch schon für mehrere diplomatische Eklats, unter anderem mit einem Zerwürfnis mit dem deutschen Botschafter, den er als unqualifiziert für sein Amt bezeichnete. In einer offiziellen Mitteilung beschuldigten die von ihm geführten Streitkräfte den Botschafter „illegaler und heimlicher Aktivitäten“. Der 43 Jahre alte Wine, der mit bürgerlichem Namen Robert Kyagulanyi Ssentamu heißt, hatte aus eigener Sicht schon die Wahl 2021 klar gewonnen. Auch damals war das Internet gesperrt. Es kam zu Protesten, die von den Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen wurden. Im aktuellen Wahlkampf trat Wine nur mit Helm und in schusssicherer Weste auf; das Militär und die Polizei hatten versucht, nahezu alle seiner Kundgebungen zu blockieren. Viele Ugander waren aus Angst vor Ausschreitungen und Polizeibrutalität in den Tagen vor der Wahl zu Hause geblieben, etliche waren ins Ausland gereist. Für viele jüngere Ugander ist der ebenfalls jugendlich wirkende Wine, der aus armen Verhältnissen den Aufstieg geschafft hat, ein Vorbild und ein Hoffnungsträger, zumal sie des Regimes eines Langzeitpräsidenten überdrüssig sind und über ihre Lebensbedingungen frustriert sind. Der „Ghetto-Präsident“, wie ihn viele nennen, hatte in einem langen Wahlprogramm unter anderem zehn Millionen Arbeitsplätze, eine bessere Infrastruktur und ein besseres Bildungs- und Gesundheitswesen versprochen. Außerdem kündigte er an, die Korruption zu bekämpfen und die Verträge der Museveni-Regierung mit der Ölindustrie zu überprüfen. Die Hälfte der Bevölkerung in Uganda ist jünger als 16 Jahre.
