FAZ 06.03.2026
13:59 Uhr

Wahl in Baden-Württemberg: Frohnmaier soll prorussischen Mitarbeiter länger beschäftigt haben als bisher bekannt


AfD-Spitzenkandidat bestätigt Beschäftigung mehrerer Familienmitglieder +++ Grüne in Umfrage erstmals gleichauf mit CDU +++ Landtagswahl am 8. März +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Wahl in Baden-Württemberg: Frohnmaier soll prorussischen Mitarbeiter länger beschäftigt haben als bisher bekannt

Neues Wahlrecht in Baden-Württemberg Bei der Landtagswahl am Sonntag kommt in Baden-Württemberg erstmals ein neues Wahlrecht zur Anwendung. Wahlberechtigte geben nun, ähnlich wie bei der Bundestagswahl, zwei Stimmen ab. Zuvor wählten Bürger mit einer Stimme einen Direktkandidaten und gleichzeitig dessen Partei. Dieses Prozedere wird nun getrennt. Den Direktkandidaten für den jeweiligen Wahlkreis wählen Bürger mit der Erststimme. Im Gegensatz zur Bundestagswahl zieht jeder Wahlkreisgewinner garantiert in den Landtag ein.Die Zweitstimme hingegen geht an eine Partei. Dabei muss es sich nicht um die Partei des bevorzugten Direktkandidaten handeln. Die Zweitstimme bestimmt darüber, wie viele Sitze eine Partei im Landtag bekommt – also wie stark sie dort repräsentiert ist. Welche Kandidaten über die Zweitstimme in den Landtag einziehen, bestimmt die sogenannte Landesliste, welche die Parteien im Voraus festlegen. Was sich im baden-württembergischen Wahlrecht sonst noch geändert hat, lesen Sie hier:

Union und Grüne in Umfrage gleichaufDrei Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg sieht eine neue Umfrage die CDU und die Grünen in der Wählergunst gleichauf. In der am Donnerstag in Mainz veröffentlichten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF kommen sowohl die Christdemokraten von Spitzenkandidat Manuel Hagel als auch die Grünen von Spitzenkandidat Cem Özdemir auf jeweils 28 Prozent. Auf dem dritten Platz folgt mit 18 Prozent die AfD vor der SPD mit acht Prozent. Die FDP kann mit fünfeinhalb Prozent auf einen Verleib im Stuttgarter Landtag hoffen, während die Linke mit ebenfalls fünfeinhalb Prozent erstmals in das Landesparlament einziehen könnte.Im Vergleich zur Vorwoche legen die Grünen damit drei Prozentpunkte zu, während die CDU einen Punkt gewinnt. Die AfD und die SPD büßen hingegen jeweils einen Punkt ein, während die FDP und die Linke jeweils einen halben Punkt verlieren. Eine Koalition abseits der AfD wäre damit nur zwischen CDU und Grünen möglich. Derzeit regiert in Baden-Württemberg ein Bündnis aus Grünen und CDU unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der nicht mehr antritt.Bei der Frage nach dem gewünschten Ministerpräsidenten nannten 47 Prozent Özdemir und 24 Prozent Hagel. Telefonisch und online befragt wurden am Mittwoch und Donnerstag 1069 Wahlberechtigte in Baden-Württemberg.

Der Ton zwischen Union und Grünen ist frostigKurz vor der Wahl am Sonntag hat die CDU den Ton gegenüber ihrem bisherigen Koalitionspartner, den Grünen, verschärft. Sie wirft ihnen eine „Schmutzkampagne“ vor, seit die grüne Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer ein acht Jahre altes Interview des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel über ihre Social-Media-Kanäle gepostet hatte. In dem erzählt Hagel von einem Schulbesuch und hebt dabei die braunen Haare und „rehbraunen“ Augen einer Realschülerin hervor. Nun wurde ein weiteres Video öffentlich – in dem Hagel den Treibhausgaseffekt falsch erklärt. Und nicht nur außerhalb der Partei wird Kritik an Hagel laut: Innerhalb der baden-württembergischen CDU wächst der Unmut über die Wahlkampfführung. Die These, dass man die Wahl gar nicht verlieren könne, weil die Menschen in Baden-Württemberg einen türkischstämmigen Ministerpräsidenten nicht wählen würden und sie durch die gescheiterte Ampelregierung genug von den Grünen hätten, habe nicht gestimmt, heißt es. Mein Kollege Rüdiger Soldt berichtet: 

Strobl wirft AfD Vetternwirtschaft vorDer baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat die AfD wegen der Beschäftigung von Familienmitgliedern kritisiert. Das berichtet unser Korrespondent Rüdiger Soldt. „Die AfD hat ihr Saubermann-Image selbst zerstört. Es tut sich ein Abgrund von Vetternwirtschaft auf. Dadurch, dass die Politiker der AfD es auch noch rechtfertigen und sie es in Ordnung finden, zerstören sie es gleich auch noch ein zweites Mal\", sagte Strobl der F.A.Z. Es handele sich nicht um Einzelfälle, die AfD bleibe für ihn der Hauptgegner im Wahlkampf.Der baden-württembergische AfD-Landeschef Emil Sänze sagte der F.A.Z., die Beschäftigung von Familienmitgliedern sei in der heißen Wahlkampfphase kein Problem: „Die Menschen haben jetzt andere Sorgen, zum Beispiel den Dieselpreis. Durch die gesellschaftliche Ausgrenzung ist es für uns sehr schwer, überhaupt Personal zu rekrutieren.“ Seit Wochen steht die AfD wegen Vorwürfen der Vetternwirtschaft und Überkreuzbeschäftigungen in der Kritik; als besonders brisant gilt die Lage in den Landesverbänden Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.Zuvor hatte der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, bestätigt, dass mehrere Mitglieder seiner Familie für AfD-Politiker aus seinem Landesverband arbeiten.

Manuel Hagel war sich lange relativ sicher, nächster Ministerpräsident in Baden-Württemberg zu werden - und das einstige Stammland zurück zur CDU zu holen. Nun hat er auf die letzten Tagen seine Taktik geändert. Die Grünen sind ihm in den Umfragen gefährlich nahe gekommen. Ein Porträt von Rüdiger Soldt. 

Vorwurf Vetternwirtschaft: Frohnmaier sieht Kampagne gegen AfDDer AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, hat bestätigt, dass mehrere Mitglieder seiner Familie für andere AfD-Politiker aus seinem Landesverband arbeiten. Vorwürfe wegen Vetternwirtschaft wies er jedoch scharf zurück. „Im Rahmen einer Anti-AfD-Kampagne wird derzeit versucht zu skandalisieren, dass mehrere Personen mit demselben Nachnamen in der AfD engagiert sind“, sagte Frohnmaier der Deutschen Presse-Agentur. Frohnmaier bestätigte im Einzelnen, dass sein Vater bei der Bundestagsabgeordneten Diana Zimmer im Wahlkreis Pforzheim tätig ist. Zimmer bestätigte dies auf Anfrage. Darüber hatte zuerst das Portal „t-online“ berichtet. Sein Vater engagiere sich seit fast zehn Jahren ehrenamtlich in der Partei und gehe inzwischen einem Minijob nach, sagte Frohnmaier nun. Seine Schwester sei vor fast zehn Jahren kurzzeitig für einen AfD-Abgeordneten im baden-württembergischen Landtag tätig gewesen. „Alle Beschäftigungsverhältnisse in meinem Büro sowie die mit meiner parlamentarischen Arbeit verbundenen Stellen in der Fraktion sind vollständig rechtmäßig. Dasselbe gilt für ehemalige oder bestehende Beschäftigungsverhältnisse von Familienangehörigen in anderen Abgeordnetenbüros“, teilte Frohnmaier mit. „Von Vetternwirtschaft, unzulässigen Anstellungen oder zwielichtigen Absprachen kann keine Rede sein.“

Cem Özdemir ist einer der bekanntesten Grünen-Politiker überhaupt. Er war Parteichef, Europapolitiker, Bundesminister und Spitzenkandidat. „Comeback Kid“ hat Joschka Fischer ihn einst genannt. Wie will er Kretschmanns Erbe bewahren - und welche Bedeutung hätte seine Wahl für die Grünen? 

Die AfD ist seit 2016 im baden-württembergischen Landtag. Sie konnte zehn Jahre parlamentarische Erfahrung sammeln. Aber ist sie dadurch weniger radikal geworden? Eine Analyse.

Was sich durch das neue Wahlrecht in Baden-Württemberg ändertBei der Landtagswahl am Sonntag in Baden-Württemberg kommt erstmals ein neues Wahlrecht zur Anwendung. Wahlberechtigte geben nun, ähnlich wie bei der Bundestagswahl, zwei Stimmen ab. Zuvor wählten Bürger mit einer Stimme einen Direktkandidaten und gleichzeitig dessen Partei. Dieses Prozedere wird nun getrennt. Den Direktkandidaten für den jeweiligen Wahlkreis wählen Bürger mit der Erststimme. Im Gegensatz zur Bundestagswahl zieht jeder Wahlkreisgewinner garantiert in den Landtag ein. Die Zweitstimme hingegen geht an eine Partei. Dabei muss es sich nicht um die Partei des bevorzugten Direktkandidaten handeln. Die Zweitstimme bestimmt darüber, wie viele Sitze eine Partei im Landtag bekommt.

In Mannheim zeigt sich, was im Jahr 2026 für die Sozialdemokratie schief läuft. Über Jahrzehnte war im der Norden hier der einzige rote Punkt auf einer tiefschwarzen Landkarte. Fast immer errang die SPD hier das Direktmandat im Landtagswahlkreis Mannheim I.Bis 2016 – da holte es die AfD, als eines von zwei Erstmandaten überhaupt. Ein Stich mitten ins Herz der Sozialdemokratie. Und ein Schock, der Fragen aufwarf, die sich die Partei bis heute stellt: Warum ist die SPD nicht einmal mehr in ihrem Ursprungsmilieu erfolgreich – der Arbeiterschaft? Rüdiger Soldt und Jonas Wagner haben sich auf die Suche nach Antworten gemacht.

Ehefrau nimmt Hagel in SchutzNach öffentlicher Kritik am baden-württembergischen CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel wegen einer Schwärmerei für eine Schülerin hat ihn jetzt seine Ehefrau in Schutz genommen. „Dass dieser Satz mal solche Wellen schlägt, hätte ich, ganz ehrlich gesagt, nicht gedacht“, sagte Franziska Hagel der Illustrierten „Bunten“ laut Vorabmeldung vom Mittwoch.Kurz vor der Landtagswahl am Sonntag war ein acht Jahre altes Video bekannt geworden, in dem Hagel von den rehbraunen Augen eines Mädchens schwärmte. Sie habe den Spruch damals „einfach nicht gut gefunden“, sagte Franziska Hagel. „Das hat irgendwie gar nicht zu ihm gepasst.“ Hagel rede „oft sehr launig, wenn er politische Sachverhalte entlang von Menschen erklärt, die er getroffen hat“. Franziska Hagel fügte hinzu, sie würde ihren Mann „sofort wieder heiraten“, denn er sei ein „Partner auf Augenhöhe“. Lesen Sie hier mehr über die Sexismusvorwürfe gegen Hagel und wie sein Kontrahent Özdemir darauf reagiert hat.

Strobl wirft Grünen „Kampagne aus unterster Schublade“ vorDer stellvertretende Regierungschef Thomas Strobl (CDU) hat die Grünen für ihre Wahlkampfführung heftig kritisiert. „Das ist eine Kampagne wirklich aus der untersten Schublade“, sagte er nach einer Pressekonferenz mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag in Stuttgart. Die Grünen könnten nicht so tun, als hätten sie damit gar nichts zu schaffen, sie trügen Verantwortung für die Kampagne. Man sehe im Netz, dass zahlreiche Grüne nicht unbeteiligt gewesen seien, so Strobl. Die Wählerinnen und Wähler machten sich über einen solchen Vorgang ein eigenes Bild.Zuvor hatte Ministerpräsident Kretschmann betont, dass es sich nicht um eine konzertierte Aktion der Grünen gehandelt habe. Die Behauptung, das sei eine „orchestrierte Kampagne der Grünen“, sei falsch, sagte Kretschmann. „Das ganze Führungspersonal der baden-württembergischen Grünen, mit denen ich gesprochen habe, die haben das überhaupt nicht gewusst“, versicherte er. Sie hätten erst von dem Video erfahren, als es durch die sozialen Medien gegangen und auf dem Online-Portal eines großen Nachrichtenmagazins publik gemacht worden sei.

Welche Partei würden Sie wählen?Wie vor jeder Wahl hat die Landeszentrale für politische Bildung mehrere Thesen mit den Wahlprogrammen der Parteien verglichen. Finden Sie im Wahl-o-Mat heraus, welche Parteien ihnen am nächsten stehen.

CDU und Grüne trennen nur wenige ProzentpunkteVier Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg sieht eine neue Umfrage die CDU in der Wählergunst drei Prozentpunkte vor den Grünen. In der am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Erhebung des Instituts Insa für die „Bild“-Zeitung kommen die Christdemokraten von Spitzenkandidat Manuel Hagel auf 27 Prozent. Die Grünen von Spitzenkandidat Cem Özdemir erreichen 24 Prozent.Auf dem dritten Platz folgt mit 20 Prozent die AfD vor der SPD mit neun Prozent. Die FDP kann mit sechs Prozent auf einen Verleib im Stuttgarter Landtag hoffen, während die Linke mit ebenfalls sechs Prozent erstmals in das Landesparlament einziehen könnte. Insa befragte von Dienstag vergangener Woche bis diesen Dienstag 1000 Wahlberechtigte in Baden-Württemberg online. Vor einer Woche sah die Forschungsgruppe Wahlen die CDU ebenfalls bei 27 Prozent, die Grünen bei 25 und die AfD bei 19 Prozent.