In Wiesbaden war es nicht ein diffuses Gefühl der Unsicherheit in der Bevölkerung, das zur Einführung einer Waffenverbotszone geführt hat. Grund war der Tod eines 19 Jahre jungen Deutschen mit Migrationshintergrund, den ein Messer ins Herz traf. Zwei Begleiter, einer davon der Bruder des Getöteten, wurden ebenfalls schwer verletzt. Der Haupttäter war ein 23 Jahre alter Student. Seine beiden Mittäter waren dem Augenschein nach ebenfalls Zöglinge des Mittelstands, einer ein Polizeianwärter. Mit einiger Sicherheit hat seinerzeit die Verbindung von Alkohol, Aggression, Testosteron und das griffbereite Messer zum Tod des jungen Mannes geführt. Es spricht nicht viel dafür, dass alleine ein Verbotsschild diese Tat verhindert hätte. Auch mehr Überwachungskameras hätten den jungen Mann wohl nicht gerettet. Das Gros der für solches Verhalten besonders anfälligen jungen Männer wäre am ehesten davon abzuhalten, sich zu bewaffnen, wenn es wüsste, dass an bestimmten Orten jederzeit mit anlasslosen Kontrollen der Polizei zu rechnen ist. Verbot funktioniert nur mit hoher Kontrolldichte Ein Verbot, von dem jeder weiß, dass es praktisch nicht durchgesetzt wird, ist das Blech des Schildes nicht wert, auf dem es postuliert wird. Diese Schilder erhalten nur dann einen Sinn, wenn Fußstreifen der Polizei an den einschlägigen Orten diesem Verbot in hoher Dichte und demonstrativ Nachdruck verleihen. Potentiellen Gefährdern muss klar sein, dass sie ein hohes Risiko eingehen, wenn sie sich verbotswidrig bewaffnen. Alle Messerattacken wird man auch damit nicht verhindern. Und Personen mit hoher krimineller Energie wird ein Verbot mit und ohne Kontrollen nicht von Gewalttaten abhalten. Aber es kann das Risiko für die Mehrheit der Menschen reduzieren, mehr oder weniger zufällig Opfer oder auch Täter zu werden. Kriminologen der Universität Gießen weisen aber darauf hin, dass Waffenverbotszonen zwar tatsächlich Gefahren reduzieren, aber letztlich nur Bausteine eines Gesamtkonzeptes zur Kriminalitätsbekämpfung sein können. Die Wissenschaftler halten es allerdings auch für möglich, dass mehr Verbotszonen und Kontrollen das Gefühl in der Bevölkerung erzeugen, die Gefährdung nehme zu. Das von der Politik oft bemühte „Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung“ ist demnach kein zuverlässiger Kompass für staatliches Handeln. Das muss sich vornehmlich darauf konzentrieren, geltendes Recht schnell und konsequent durchzusetzen.
