Gut zwei Drittel der Haushalte in Hessen heizen mit Öl und Gas, wobei Ölheizungen mit einem Anteil von 38 Prozent die größere Rolle spielen, vor allem in ländlichen Gegenden. Der Verband für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH), der viele Jahrzehnte die Interessen der Heizölhändler in Hessen und vier weiteren Bundesländern vertrat und sich im Oktober mit dem UNITI Bundesverband Energie-Mittelstand zusammengeschlossen hat, plädiert daher dafür, dass im Heizungsgesetz auch alternative Brennstoffe, etwa gewonnen aus Pflanzen- und Speiseresten, sowie synthetische E-Fuels, die mit grünem Strom hergestellt werden, als erneuerbare Energiequellen anerkannt werden und künftig Heizöl beigemengt werden dürfen. Eigentümer wie Kommunen dürften nicht vor unverhältnismäßig hoch belastet werden, hieß es am Mittwoch. In einem gemeinsamen Pressegespräch forderten VEH-Geschäftsführer Hans-Jürgen Funke und der für den Wärmemarkt zuständige UNITI-Geschäftsführer Dirk Kuhrt, die alternativen Flüssigbrennstoffe bei der geplanten Änderung des Heizungsgesetzes, die am Mittwochabend im Koalitionsausschuss zur Debatte stand, zu berücksichtigen. „Wir brauchen jetzt ein klares Signal von der Politik, damit wir die Produktion hochfahren können“, sagte Kuhrt. Schon jetzt sei es möglich, mit alternativen Flüssigbrennstoffen CO2 einzusparen. Es fehle nur noch der politische Wille. Ohne Importe geht es nicht Funke, der sich Ende des Jahres in den Ruhestand verabschieden wird, räumte ein, dass die Energiehändler bei E-Fuels im Wettbewerb mit anderen Branchen stünden. Er geht jedoch davon aus, dass sich der Markt mit dem steigenden Bedarf entwickeln wird. „Die Verfügbarkeit ist sichergestellt“, sagte Funke. Man sei allerdings auch auf Importe solcher Energien angewiesen. Die Stimmung in der Branche beschrieb der VEH-Geschäftsführer als gemischt. Viele Haushalte hätten vorgesorgt und ihre Heizkessel bereits befüllt. Jedoch verunsichere die unklare Gesetzeslage die Unternehmer wie Endverbraucher. Es fehle die Planungssicherheit. Die Heizölpreise lagen in diesem Jahr im Schnitt leicht unter dem Niveau des Vorjahres. Aktuell bewegen sie sich zwischen 95 und 98 Cent den Liter. Angesichts der schwächelnden Weltwirtschaft und eines Überangebots an Rohöl geht Funke davon aus, dass sich die Preise auf diesem Niveau stabil halten werden. „Wir haben eine gute Versorgung am Markt.“ Die CO2-Abgabe, die im nächsten Jahr auf bis zu 65 Euro je Tonne steigen wird, wird den Liter Heizöl laut Funke im Schnitt um 3 Cent verteuern. „Die Abgabe wird sich nicht sonderlich stark bemerkbar machen.“ Teurer werden könnte es allerdings von 2028 an, wenn die CO2-Preise für fossile Brennstoffe wie Heizöl und Gas nicht mehr national festgelegt, sondern im EU-weiten Handel mit Emissionszertifikaten ermittelt werden. Dann bestimmen Angebot und Nachfrage den Markt. Da mittelfristig immer weniger Zertifikate verfügbar werden, rechnen Experten mit einem deutlichen Anstieg der Preise für Heizöl und Erdgas.
