FAZ 19.11.2025
18:32 Uhr

Wälder in Hessen: Trockenheit macht Bäumen zu schaffen


Die Folgen der Dürrejahre sind im hessischen Wald weiter zu sehen, besonders in der Rhein-Main-Ebene. Forstminister Jung nennt den Waldumbau eine Mammutaufgabe.

Wälder in Hessen: Trockenheit macht Bäumen zu schaffen

Der Wald in Hessen weist weiterhin hohe Schäden auf. Zwar hat er sich in den vergangenen zwei Jahren minimal erholt, aber die Folgen der extremen Trockenheit und der Stürme in den Jahren 2018 bis 2022 sind nach wie vor deutlich zu sehen. Das ist das Ergebnis des Waldzustandsberichts für das Jahr 2025, den Forstminister Ingmar Jung (CDU) am Mittwoch im Staatswald auf dem Gebiet des Forstamts Königstein vorgestellt hat. Die Erholung sei nur ganz leicht, sagte Jung. Daher gelte es, die „Mammutaufgabe“ des klimastabilen Waldumbaus sehr ernst zu nehmen. Das Waldmanagement sei nötig, da der Wald nicht alleine mit dem Klimawandel Schritt halten könne. Gradmesser der Schäden ist die so genannte Kronenverlichtung. Je stärker sie voranschreitet, desto schlechter geht es dem Wald. Bei der in Hessen häufigsten Baumart, der Buche, gab es eine leichte Verbesserung zum vorigen Jahr: Statt 34 Prozent weisen ältere Bäume der Art nur noch 32 Prozent Verlichtung auf. Bei der Eiche ist der Wert unverändert auf dem hohen Wert von 31 Prozent geblieben. Zustand in Rhein-Main-Ebene besonders schlecht Bei der Fichte waren die Schäden in den Jahren 2019 und 2020 sprunghaft gestiegen. Noch immer befänden sie sich auf hohem Niveau, sagte Ulrike Talkner von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt. Die Forschungseinrichtung hat die Daten für den Waldzustandsbericht im Sommer dieses Jahres erhoben. Auch die Kiefer weist erhebliche Schäden auf. Bei den älteren Bäumen hat sich die Kronenverlichtung von 26 Prozent im vorigen Jahr auf 28 Prozent verschlechtert. Bei den jüngeren Bäumen aller Arten verbesserte sich der Wert von 16 Prozent im Jahr 2024 auf jetzt nur noch 15 Prozent leicht. Positiv steche der Bergahorn hervor, und auch die Douglasie sterbe seltener ab. Aber auch diese Arten reagierten auf die Dürre. Besonders schlecht ist der Zustand der Wälder in der Rhein-Main-Ebene. Dort beträgt die mittlere Kronenverlichtung 44 Prozent. Talkner sprach von einem „roten Fleck auf der Karte der Waldschäden in Hessen“. Unter anderem seien sie auf den Maikäfer und den Befall durch Misteln zurückzuführen. Auch die Ausbreitung von Borkenkäfer und Pilzen gehören zu den Folgen der Dürrejahre, die dem hessischen Wald weiter zu schaffen machen. Wichtig sei ein stabiler Mischwald, in dem sich die Risiken verteilten, hieß es bei der Vorstellung des Berichts. „Vielfalt ist eine Stärke.“ Ein resilienter Wald bestehe aus jungen, mittelalten und alten Bäumen sowie Nadel- und Laubbäumen, sagte Stefan Nowack vom Landesbetrieb HessenForst. Der Waldumbau werde noch Jahrzehnte dauern. Es sei essenziell, gleichzeitig den Ausstoß von Kohlendioxid weiter deutlich zu senken, sagte Talkner. Beim Umbau des Waldes setzt das Ministerium auf eine Liste von Baumarten, die sich in einer Untersuchung der Versuchsanstalt bewährt haben. Darunter sind heimische Arten wie Elsbeere, Feldahorn und Flatterulme, aber auch solche aus dem Mittelmeerraum wie Baumhasel und Zeder. Nicht nur der Staatswald nutzt die Liste. Private und kommunale Waldbesitzer können, wenn sie mit den im Mai veröffentlichten Waldentwicklungszielen arbeiten, Beratung und Fördergeld vom Land bekommen.