Der Name ist typisch europäisch: Die Franzosen erinnert „ECU“ an die mittelalterlichen Goldmünzen „Écu“ (franz. „Wappenschild“), für die Briten dagegen stehen die Buchstaben als Abkürzung für: „European Currency Unit“. Und für die Deutsche Bundesbank ist der ECU, der zum 1. Januar 1981 eingeführt wird, nur eine Recheneinheit. Jede Nation interpretiert den ECU so, wie es ihr passt. Doch am Ende bereitet er den Weg zur Europäischen Währungsunion und zum Euro. Dass es den „ECU“ überhaupt gibt, ist eine Folge des Kollapses des Bretton-Woods-Systems 1973, mit dem die Goldbindung der Währungen endet und die Wechselkurse stärker fluktuieren. Für den zusammenwachsenden europäischen Binnenmarkt ist das ein echtes Integrationshemmnis. Um die Kursschwankungen zu begrenzen, wird 1975 die Europäische Rechnungseinheit (ERE) erdacht, diese dann 1979 in das Europäische Währungssystem überführt und dieses wiederum 1981 zum ECU umgewandelt. Mit dem ECU rechnen europäische Institutionen die folgenden zwei Jahrzehnte nicht länger in Franc, D-Mark oder Pfund. Sie erstellen ihre Etats in ECU und berechnen damit Zölle, Zuschüsse und Statistiken. Damit werden die Geldflüsse innerhalb der Europäischen Gemeinschaft schnell vergleichbar. Überdies sind Zentralbanken und Politiker gezwungen, sich in Europa stärker als vorher zu Leitzinsen und Schuldenpolitik untereinander abzustimmen, um Kursschwankungen von vornherein zu vermeiden.Nur im Geschäft bezahlen kann man mit dem ECU nie, auch wenn Münzhändler und Teleshopping-Sender beharrlich angebliche ECU-Münzen mit „Sammlerwert“ zum Verkauf anbieten. Das wird erst mit der Einführung der gemeinsamen Währung möglich, 1999 als Buchgeld und 2002 als Bargeld. Dass sie dann aber Euro (und Cent) genannt wird und nicht ECU, hat wohl am Widerstand von Helmut Kohl gelegen: Der Bundeskanzler soll anlässlich der Namensfindung 1995 geäußert haben, das oft französisch ausgesprochene „ECU“ klinge auf Deutsch doch sehr stark nach „Kuh“.
