„Es geht nicht um mich, sondern um die Mannschaft“, sagte Dick Advocaat bei Amtsantritt. Man schrieb Anfang November 2004, und der Niederländer hatte soeben den Trainerjob bei Borussia Mönchengladbach übernommen. Advocaat war eine prominente Besetzung in der Fußballbundesliga, denn noch im Sommer zuvor hatte er als Bondscoach der niederländischen Nationalmannschaft das Halbfinale der EM 2004 erreicht. Doch sein Engagement in Mönchengladbach ging schief. Schon im April 2005 trat er mit sofortiger Wirkung zurück, nachdem er am Niederrhein weder Erfolg noch Ansehen erreichen konnte, verzichtete auf eine Abfindung und suchte sich was Neues. Ein Denkmal auf Curaçao Gut zwei Jahrzehnte später wollte der Präsident des Fußballverbandes von Curaçao ihm ein Denkmal setzen lassen, doch Dick Advocaat, mittlerweile 78 Jahre alt, hatte eine bessere Idee: „Wenn wir es zur WM schaffen, dann sollen sie ein Denkmal mit allen Spielern aufstellen.“ Das sagte er vor dem entscheidenden Spiel des Nationalteams von Curaçao auf Jamaika. Und da tatsächlich der entscheidende Punktgewinn gelang, können sich alle ambitionierten bildenden Künstler der Karibikinsel nun schon mal mit ihren Entwürfen beschäftigen. Für Dick Advocaat ist diese WM-Qualifikation ein weiteres schillerndes Mosaiksteinchen im bewegten Leben des Fußball-Fachmanns, den es einst aus Den Haag in die Welt zog. Ihm gelangen Erfolge mit National- und Vereinsmannschaften, er wurde gefeiert, aber auch gefeuert – doch er fand immer eine neue Aufgabe, die ihn reizen könnte, einfach weiterzumachen. Wo immer er anheuerte, ob in Russland, Serbien, dem Irak oder Belgien, legte er Wert auf Disziplin und Teamgeist, zeigte sich aber flexibel in der taktischen Ausrichtung seiner Mannschaften. Je nachdem, was die Spieler eben so mitbrachten. Insgesamt dreimal agierte Advocaat als niederländischer Nationaltrainer. 1994 erreichte er mit Oranje das WM-Viertelfinale. Bei der WM 2006 betreute er dann die Nationalelf von Südkorea. Zwei Jahre später gewann er mit Zenit St. Petersburg den UEFA-Pokal. „Wir spielen auch für unseren Trainer“ Das kleine Curaçao hat es unter Advocaats Anleitung nun zum ersten Mal auf die Weltbühne des Fußballs geschafft. Nur 150.000 Menschen wohnen auf der 444 Quadratkilometer großen Insel vor der Nordküste Venezuelas. Er sei nicht gekommen, um Urlaub zu machen und die Sonne zu genießen, sagte er bei Amtsantritt: „Wir sind hier, um mit Curaçao Erfolg zu haben.“ Ausgerechnet das entscheidende Qualifikationsspiel verpasste er nun aus familiären Gründen. Doch Kapitän Leandro Bacuna versprach: „Wir spielen nicht nur für uns und unsere Insel, sondern auch für unseren Trainer.“
