Lehrer schreiben Jungen in MINT-Fächern höhere Fähigkeiten zu als Mädchen. Das zeigen zwei Studien des Frankfurter Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation. Die teilnehmenden Lehrkräfte waren gebeten worden, jeweils getrennt für Jungen und Mädchen auf einer Skala einzuschätzen, wie gut die Kinder typischerweise in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind. An der ersten Studie nahmen 43 Grundschullehrer aus Baden-Württemberg teil, an der zweiten Erhebung 85 Lehrer und 174 Lehramtsstudenten aus ganz Deutschland. In beiden Studien unterstellten die Pädagogen Jungen durchweg höhere Kompetenzen als Mädchen. Besonders ausgeprägt war dies auf den Gebieten Technik und Informatik. Lehramtsstudenten neigten noch stärker dazu, von Jungen bessere Leistungen zu erwarten als erfahrene Lehrkräfte. Nach Ansicht der Bildungsforscher sollten solche geschlechtsspezifischen Vorurteile in der Lehrerausbildung thematisiert werden. Ratsam sei es auch, bei der gezielten Förderung von Mädchen stärker zwischen den einzelnen MINT-Gebieten zu unterscheiden. Bisher sei hier der Fokus vor allem auf die Mathematik gelegt worden. Die Studienergebnisse legten jedoch nahe, sich stärker auf Technik und Informatik zu konzentrieren. Das gelte auch schon für die Grundschule, in der diese Fächer noch nicht einzeln unterrichtet, aber im Fach Sachkunde vorbereitet würden. Die Frankfurter Wissenschaftler empfehlen, in Unterrichtsmaterialien öfter Bilder und Beispiele mit Frauen und Mädchen zu verwenden, um positive Rollenvorbilder zu schaffen.
