FAZ 06.01.2026
10:35 Uhr

Vorstoß der CSU: Führerschein mit 16 – warum nicht?


Sechzehnjährige sind nicht unfähiger als Siebzehnjährige, ein Auto zu steuern. Eine andere Frage ist, wie lange es noch notwendig ist, diese Fähigkeit zu erwerben.

Vorstoß der CSU: Führerschein mit 16 – warum nicht?

Ein Führerschein zum begleiteten Fahren schon ab 16 Jahren – warum nicht? Die CSU hat schon teurere Vorstöße unternommen, um ihre Treue zur ländlichen Klientel zu demonstrieren. Und sechzehnjährige Jugendliche sind nicht per se unfähiger als Siebzehnjährige, ein Fahrzeug zu steuern. Im Einzelfall mag die sittliche Reife für die Verantwortung fehlen, die damit einhergeht. Aber das kann wiederum auch für Zwanzigjährige gelten. Diesen Altersgrenzen haftet in jedem Fall etwas Willkürliches an, weswegen schon jetzt aus gutem Grund individuelle Leitplanken eingebaut sind wie der Führerschein auf Probe und das begleitete Fahren. Die Sanktion eines Führerscheinverlusts wirkt gerade auf Fahranfänger stärker disziplinierend als jedes Bußgeld. Mensch regiert Technik – oder umgekehrt Eine andere Frage ist, wie lange es überhaupt noch notwendig ist, die Fertigkeit zu erwerben, ein Auto zu steuern. Schon heute sind neue Fahrzeuge so ausgelegt, dass man das Gefühl hat, nicht sie befolgten die Anweisungen des Fahrers, sondern umgekehrt. Das ist nicht mehr ein Auto, das ist eine Gouvernante. Längst gibt es Modelle, die autonom fahren können; die Hürde ist nicht mehr die Technik, sondern das Recht. Viele junge Leute vor allem in der Stadt sind erstaunlich desinteressiert am Führerschein. Auf dem Land sieht es anders aus. Ohne Auto ist man da oft abgehängt. Aber auch da geht es um Individualverkehr, nicht ums Fahren.