FAZ 18.01.2026
16:31 Uhr

Vormarsch im Norden und Osten: Syrische Regierung erhöht Druck auf Kurden


Regierungstruppen haben am Wochenende mehrere bedeutende Gegenden eingenommen, die vorher unter Kontrolle der kurdisch dominierten SDF waren. Gleichzeitig macht Übergangspräsident Scharaa Zugeständnisse.

Vormarsch im Norden und Osten: Syrische Regierung erhöht Druck auf Kurden

Der erste Deutschlandbesuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa steht im Zeichen eines erbitterten Machtkampfes im Nordosten seines Landes. In Damaskus hieß es, die Reise, die an diesem Montag beginnen soll, habe auch deshalb ein kompaktes Programm. Am Wochenende erhöhte die Führung in Damaskus massiv den militärischen Druck auf die kurdisch dominierte Autonomieregierung und drängte deren Milizen durch eine Offensive am Wochenende zurück. Zugleich macht Scharaa der kurdischen Minderheit politische Zugeständnisse. Am Freitag erkannte er die Kurden per Dekret als „wesentlichen und authentischen Teil des syrischen Volkes“ an. „Ihre kulturelle und sprachliche Identität ist ein untrennbarer Bestandteil der einheitlichen und vielfältigen nationalen Identität Syriens“, hieß es darin. Kurden sollen die Staatsbürgerschaft bekommen Neben anderen Maßnahmen wurde Kurdisch neben Arabisch als Landessprache anerkannt. Allen kurdischen Einwohnern soll nun die syrische Staatsbürgerschaft gewährt werden, „mit vollständig gleichen Rechten und Pflichten“. Die kurdisch dominierte Autonomieregierung, die weite Teile des Nordostens Syriens regiert, hieß das als „ersten Schritt“ gut, verlangte aber, dass solche Rechte in der Verfassung verankert und garantiert werden müssen. Scharaa signalisierte außerdem einen versöhnlichen und einigenden Ton der Regierung. Die Staatsmedien wurden angewiesen, einen „inklusiven nationalen Diskurs“ zu verbreiten. In einer Fernsehansprache verkündete Scharaa an die Adresse der Kurden: „Jeder, der euch Schaden zufügt, ist bis zum Tag des Jüngsten Gerichts unser Feind.“ Die Truppen seiner Regierung rückten unterdessen am Wochenende in mehrere Gegenden in der Provinz Raqqa ein, die vorher unter SDF-Kontrolle waren. Laut übereinstimmenden Berichten übernahmen sie die Kontrolle über die größte Talsperre des Landes am Euphrat und einen Militärflughafen nahe der Stadt Tabqa sowie über mehrere Ölfelder in der Provinz Deir Ezzor. Die von kurdischen Milizionären dominierten, kampfstarken SDF kontrollieren auch Regionen mit arabischer Bevölkerung, was Bilder jubelnder Einwohner erklärt, die den Einzug der Truppen aus Damaskus feierten. Auch in der Großstadt Raqqa, der sich die Kräfte der Zentralregierung am Sonntag näherten, herrscht große Unzufriedenheit in der Bevölkerung und unter Stammesführern. Die SDF sprengten Brücken, um den Vormarsch der Damaszener Truppen zu verlangsamen. Die Kämpfe beunruhigen die USA, deren Militär am Samstag verlangte, die Regierung solle die Offensivaktionen gegen die SDF einstellen.