FAZ 27.01.2026
19:44 Uhr

Vorbild Australien: Auch Österreich plant Social-Media-Verbot


Immer mehr Länder wollen Jugendliche besser vor Sozialen Medien schützen. Nun arbeitet auch die Regierung in Wien an einem Verbot für Kinder unter 14 Jahren.

Vorbild Australien: Auch Österreich plant Social-Media-Verbot

Das australische Beispiel macht Schule. Nachdem auch Frankreich und Großbritannien erste gesetzliche Schritte für ein Verbot von Sozialen Medien für Jugendliche eingeleitet haben, will nun auch Österreich den Zugang zu bestimmten Internetplattformen erst ab 14 Jahren erlauben. Das kündigte Digitalstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) am Dienstag im ORF-Radio an. Schon bis zum kommenden Schuljahr wolle man „konkrete Umsetzungsschritte“ getätigt haben, sagte Pröll, der im Kanzleramt als Regierungskoordinator fungiert. SPÖ dafür, Neos erinnern an Datenschutz Den Koalitionspartner SPÖ weiß Pröll in der Sache hinter sich. Deren Parteivorsitzender, Vizekanzler Andreas Babler, hatte bereits mehrfach eine nationale Lösung gefordert, sollte man sich nicht bis Ende 2025 auf gemeinsame europäische Maßnahmen einigen. In den vergangenen Tagen sprach sich auch SPÖ-Staatssekretär Jörg Leichtfried für einen Alleingang Österreich aus. Kritisch sind bislang nur die liberalen NEOS, die als dritter Partner der Wiener Regierungskoalition angehören. Sie lehnen das „australische Modell“ ab, da Tech-Konzerne durch die verpflichtende Altersprüfung zu viele Daten von den Jugendlichen erhielten. NEOS-Mediensprecherin Henrike Bandstötter sprach sich dafür aus, auf eine Weiterentwicklung des digitalen Personalausweises „eID“ im kommenden Jahr zu warten. Dann hätte ein Verbot „Hand und Fuß“, sagte Brandstötter. Denn die Plattformen würden so nur noch die schlichte Information bekommen, ob eine Person die Altersanforderungen erfüllt oder nicht. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) sagte dem „Standard“ wiederum, er unterstütze die Initiative seiner Koalitionspartner grundsätzlich, doch gehe er davon aus, dass man „ein gemeinsames Vorgehen auf europäischer Ebene“ benötige, um ein Verbot wirkungsvoll umzusetzen. Verbot bereits im kommenden Schuljahr möglich Digitalstaatssekretär Pröll zeigte sich am Dienstag jedoch zuversichtlich, dass ein Verbot schon zu Beginn des kommenden Schuljahres in Kraft treten könne. Die technischen Möglichkeiten würden bereits im Hintergrund geprüft, sagte Pröll, der Blick nach Australien sei eine Option. Nun sollten Fachleute unter Einbindung der Parteien zusammenkommen und ein Konzept erarbeiten. Deutliche Kritik an den Überlegungen kam schon in den vergangenen Tagen von der rechten FPÖ. Deren Generalsekretär Christian Hafenecker sprach von einem „massiven Angriff auf das Recht junger Menschen, sich frei zu informieren“. In den Sozialen Medien könnten Menschen „frei und ungefiltert ihre Meinung kundtun“, was den „Einheitsparteien seit langem ein Dorn im Auge“ sei, sagte Hafenecker.