FAZ 05.10.2026
07:21 Uhr

Vor allem Technologie und Rüstung: Gipfel in Berlin zieht internationale Investoren an


Private Equity, Investmentbanken, Konzerne: Zur „Invest in Germany“ der Bundesregierung hat sich viel Prominenz angekündigt, wie die Liste der Teilnehmer zeigt. Aber bringt der Gipfel überhaupt konkrete Projekte?

Vor allem Technologie und Rüstung: Gipfel in Berlin zieht internationale Investoren an

Zum Investorengipfel „Invest in Germany“ der Bundesregierung hat sich eine Reihe internationaler Finanzhäuser mit Spitzenvertretern angekündigt. Prominente Private-Equity-Häuser, Investmentbanken und Staatsfonds stehen auf der derzeitigen Teilnehmerliste, welche die F.A.Z. eingesehen hat. Daneben haben sich aus Deutschland zahlreiche Großunternehmen angesagt sowie einige Jungunternehmen, vor allem aus Technologie und Rüstung. Dazu kommen Konzerne aus den USA und einige wenige aus dem europäischen Ausland. Die Liste mit Stand von vergangener Woche führt knapp 150 Teilnehmer auf. Überwiegend sind demnach die Vorstandsvorsitzenden anwesend, ansonsten andere ranghohe Manager. Kaum vertreten ist Asien. Das wäre anders zu erwarten gewesen gemessen an einer ersten Einladungsliste, die der F.A.Z. vorliegt. Sie hatte insgesamt etwa 250 Parteien umfasst, darunter mehr als 30 aus Asien. „Invest in Germany“ findet am 19. und 20. Oktober in Berlin statt und ist vom Bundeswirtschaftsministerium organisiert; als Investitionsbeauftragter von Bundeskanzler Friedrich Merz wirkt der frühere Bankmanager Martin Blessing mit. Die Teilnehmerliste ist eine Momentaufnahme: Registrierte können absagen, andere noch zusagen. Finanzgrößen aus Europa und Amerika Aus dem klassischen Beteiligungsgeschäft haben sich nach letztem Stand neun große Private-Equity-Häuser angemeldet: Sie reichen von angelsächsischen Häusern wie Advent und KKR bis zu den europäischen Branchenriesen Ardian und EQT. Investmentbanken formen eine ähnlich große Gruppe: Hier finden sich auf der Liste unter anderem die US-Banken Bank of America, J.P. Morgan und Goldman Sachs und als deutscher Finanzier die Deutsche Bank. Aus der deutschen Großindustrie ist eine Vielzahl von Unternehmen zu erwarten von Siemens über Lufthansa bis Fresenius, unter den Jung- und Wachstumsunternehmen sind es etwa Helsing, Isar Aerospace und Flix. Aus den USA sind beispielsweise Amazon, Nvidia und Open AI genannt. Unter den großen asiatischen Investitionsfonds fallen GIC aus Singapur und ein kuwaitischer Staatsfonds auf. Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich auf Anfrage nicht zu der Liste. Merz, mehrere Minister und Blessing wollen auf dem Gipfel für Investitionen in Deutschland werben. Es geht zum einen um internationales Kapital für Infrastruktur, wobei Verkehrswege, KI und Datenzentren wichtige Felder sind. Zum anderen sind Beteiligungen an Unternehmen Thema. Sie sind besonders für den Mittelstand relevant, in dem viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, Nachfolger zu finden. „Ich finde die Idee gut – man bringt Investoren zusammen und sagt: ‚Wir hören als Politiker auch zu‘“, sagt Jan Philipp Schmitz, Vorstandsmitglied und Deutschlandchef des französischen Großinvestors Ardian. Er verweist auf die Initiative „Choose France“ des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, die viel Geld ins Land gebracht habe, und eine ähnliche Initiative des kanadischen Ministerpräsidenten Mark Carney. Ardian hat zuletzt seine Präsenz in Deutschland weiter gefestigt. Die Infrastruktursparte investiert zum Beispiel in Windparkprojekte in Sachsen, und der neue europäische Private-Equity-Fonds hat Deutschland als einen der Schwerpunkte im Blick. Im Infrastrukturgeschäft sind beispielsweise KKR, Apollo, Blackstone und EQT wichtige Konkurrenten – und stehen wohl nicht zufällig auch auf der Teilnahmeliste für Berlin. Investoren begrüßen den Gipfel – unter Vorbehalt „Wir begrüßen, dass die Bundesregierung darum bemüht ist, so viele Investoren aus dem In- und Ausland zu mobilisieren“, sagt Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des deutschen Investorenverbandes BVK, schiebt aber auch nach: „Wichtig ist jetzt, dass den Investoren auch Projekte vorgeschlagen werden – die für sie auch attraktiv sind.“ Als Kriterien nennt sie Standortkosten und Steuern, das Verhältnis von Rendite zu Investitionsrisiko und Bürokratie. Ebendiese Kriterien werden unter Investoren skeptisch beurteilt. Es habe in der Hinsicht bisher wenig konkrete Verbesserungen gegeben, sagt ein ranghoher Private-Equity-Manager, der nicht genannt werden möchte. Einerseits sei es wichtig für Investoren, sich in Berlin zu zeigen. Andererseits erwarte er keine konkreten Projekte. Ein Spitzenrepräsentant eines anderen Finanzinvestors sieht das Geschäft mit Beteiligungen auf dem Gipfel unterrepräsentiert. „Wo sind die familiengeführten Unternehmen? Wo ist der Mittelstand?“ fragt er mit Blick darauf, dass unter den Teilnehmern der Industrie vornehmlich Großkonzerne, viele von ihnen börsennotiert, seien. Eine weitere Person aus der Branche macht geltend, es mangele bisher an konkreten Vorhaben. „Wir brauchen nicht mehr Konferenzen, sondern mehr Projekte, mehr Umsetzung.“ Kritik und Mahnungen Vergangene Woche hatte die Initiative „Made for Germany“ in einem Treffen mit Merz und anderen Regierungsvertretern für schnellere Reformen geworben. Mit diesem Etikett hatte im Juli vergangenen Jahres eine Gruppe von 61 Gründungsmitgliedern angekündigt, bis 2028 insgesamt 631 Milliarden Euro in Deutschland zu investieren. Inzwischen sind es knapp 150 Unternehmen und Investoren, die mehr als 850 Milliarden Euro an Investitionen ankündigen. In den USA drückte kürzlich der Pharmakonzern Pfizer seine Unzufriedenheit über Deutschland aus. Der Vorstandsvorsitzende Albert Bourla kritisierte in einem Brief an Merz, die Regierung erschwere mit ihren Gesetzesvorhaben langfristige Investitionen. In dem Brief, der über Nachrichtenagenturen öffentlich wurde, sagte er auch seine Teilnahme an „Invest in Germany“ ab. Und in der Tat: Der Name Pfizer fehlt auf der Liste. So oder so, die Konferenz ist hochkarätig besetzt. Angepeilt sind 150 Teilnehmer; eine harte Grenze sei das aber nicht, ist aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums zu hören, im Prinzip seien bis zu 250 möglich. Nach einer Vorabendveranstaltung eröffnet Merz am 20. Oktober den eigentlichen Konferenztag. Gesprächsrunden stehen zu mehreren Geschäftsfeldern an: unter anderem Industrielle KI und Halbleiter unter Leitung von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Siemens-Chef Roland Busch; Finanzen und Investitionen (Finanzminister Lars Klingbeil und Amundi-Chefin Valérie Baudson) und Infrastruktur (Verkehrsminister Steffen Bilger und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp).