FAZ 28.12.2025
15:36 Uhr

Volleyball-Bundesligaklub: Der Weg des VC Wiesbaden stimmt


Der VC Wiesbaden hat im Sommer seine Vision für das Jahr 2030 verkündet. Nach der ersten Halbserie ist die Stimmung besser als die Resultate. Erste Fortschritte jedoch sind erkennbar.

Volleyball-Bundesligaklub: Der Weg des VC Wiesbaden stimmt

Libera Lilly Bietau wehrt den gegnerischen Angriff artistisch ab, Zuspielerin Hanna Weinmann stellt den Ball scharf ans Netz, und Außenangreiferin Jordana Dordevic verwandelt mit wuchtigem Schmetterball: Die drei handelnden Figuren beim Satzball für den VC Wiesbaden im zweiten Durchgang des Bundesliga-Spiels gegen den ETV Hamburg wirken wie eine Werbebotschaft für die Vision VCW@2030, mit der sich der Volleyball-Verein fit für die Zukunft aufstellen will. Denn alle drei Spielerinnen sind gerade einmal 19 Jahre alt. In der Satzpause stimmen die Zuschauer dann noch ein „Happy Birthday“ für Marlene Rieger an, die just an diesem Samstag ihren 19. Geburtstag in der Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit im Kreise ihrer Mitspielerinnen feierte. Auf dem Spielfeld. Als Mittelblockerin in der Volleyball-Bundesliga. Vier Teenager in einem erstklassigen Team – das kann schon als Alleinstellungsmerkmal betont werden, zumal Trainer Tigin Yağlioğlu vehement darauf verweist, dass sie nicht aus „sozialen Gründen“ Einsatzzeit bekommen, sondern weil ihre Leistungen stimmen und sie „hungrig“ sind, an der Start-Sechs „kratzen“ – deren Spielerinnen im Durchschnitt auch erst 23 Jahre alt sind. Der VCW will sich als Talentschmiede einen Namen machen Der VC Wiesbaden hat sich im Spätsommer mit neuer Strategie und renoviertem Selbstbild an die Öffentlichkeit gewandt, will sich in den kommenden fünf Jahren als Talentschmiede einen Namen machen, sich als maßgeblicher Verein im deutschen Frauen-Volleyball positionieren, einen Weg aus seiner Nische der Mittelmäßigkeit finden und nach zwei Jahrzehnten Bundesliga-Zugehörigkeit endlich einmal um Titel mitspielen. Nach der ersten Halbserie, einem Zehntel des Fünfjahresplans, bietet sich eine erste Zwischenbilanz an. Und die fällt auf den ersten Blick ernüchternd aus. Gegen die großen Drei aus Stuttgart, Dresden und Schwerin setzte es glatte 0:3-Niederlagen, gegen die Aufsteiger aus Borken, Flacht und Hamburg gelangen erwartbare 3:0-Siege. Dazu in den Duellen mit den Mittelmächten zwei knappe Heimsiege gegen Erfurt und Münster sowie zwei Auswärtsniederlagen in Aachen und Suhl. In Summe: zehn Spiele, fünf Siege, fünf Niederlagen, Platz sieben. Im Pokal scheiterte das Team im Achtelfinale. Eher unterer Durchschnitt als Aufschwung, so scheint es. Erste Fortschritte sind erkennbar Der zweite Vorsatz der neuen Markenbildung lautete, die Heimspiele stärker als bisher als Events zu kreieren. Wiesbaden soll sich als Volleyball-Hochburg verstehen, die Sporthalle im Herzen der Stadt zu einem „Place to be“ avancieren, die Tickets für die 2100 Sitzplätze als begehrte Ware gehandelt werden. Am Samstag nach Weihnachten gegen Hamburg kamen 1643 Zuschauer. Immerhin. Der Schnitt nach der Vorrunde liegt bei 1416. Auch da ist noch Luft zwischen den Sitzreihen. Dennoch befindet sich der Verein auf einem guten Weg. Bisher sind es eher die subtilen Botschaften, die allgemeine Stimmung, die in das Projekt einzahlen. Die Wahrnehmung der Marke hat sich verbessert. Nun müssen die Zahlen nachziehen. Doch es war richtig, die Visionen für die Zukunft zu definieren – und sie zu benennen. Denn nur wer seine Ziele kennt, weiß auch, wohin er laufen soll. Anfangsschwierigkeiten und Rückschläge gehören dazu. Gegen Hamburg schlug Marlene Rieger beim ersten Matchball ihren Aufschlag einen guten Meter weit ins Aus. Den zweiten verwandelte Jordana Dordevic mit einem Ass.