FAZ 26.02.2026
15:12 Uhr

Virales Video: „Wir haben den Aufstieg verpasst, aber es ist schön, ein Leben gerettet zu haben“


Während eines Fußballspiels in Istanbul wird eine Möwe vom Ball getroffen. Einer der Spieler will ihr durch eine Herzdruckmassage heldenhaft das Leben gerettet haben. Doch das sei „rein anatomisch“ nicht möglich, sagt ein Fachmann.

Virales Video: „Wir haben den Aufstieg verpasst, aber es ist schön, ein Leben gerettet zu haben“

Treffer. Nur leider einer, den niemand vorhersehen konnte: Während eines Play-off-Spiels einer Amateurliga in Istanbul traf der Fußball eine Möwe, die ausgerechnet in diesem Moment über das Spielfeld flog. Das Tier stürzte zu Boden. Der Kapitän von Istanbul Yurdum Spor, Gani Çatan, handelte: Er sprintete zur Möwe. Das zeigt das entsprechende Video, das im Netz kursiert. „Etwas fiel herunter und ich erkannte, dass es eine Möwe war. Das Erste, was mir in den Sinn kam, war eine Herzmassage, da sie nicht atmen konnte, also versuchte ich mein Glück“, sagte Çatan laut SID der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Auf dem Video sieht man, wie er rhythmisch auf den kleinen Körper drückt. Mit Erfolg, heißt es. Die Möwe soll wieder zu atmen begonnen haben. In den sozialen Netzwerken wird der türkische Fußballspieler gefeiert. „Bravo“ und „Welch großes Herz der Kapitän hat“, wird unter den Aufnahmen kommentiert. „Das ist rein anatomisch nicht machbar“ Kann eine Möwe auf diese Weise tatsächlich reanimiert werden? „Das ist rein anatomisch nicht machbar“, sagt Michael Pees, Direktor der Klinik für Heimtiere, Reptilien und Vögel der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Gespräch mit der F.A.Z. Ein Vogel habe eine Herzfrequenz zwischen 300 und 600 Schlägen pro Minute. Eine Herzdruckmassage in dem Tempo sei nicht durchführbar. Bei der beschriebenen Situation geht Pees davon aus, dass die Möwe ein Trauma erlitt und ins Taumeln geraten sei. So könne sie aus der Flugbahn kommen und zu Boden stürzen. Durch das Trauma bedingt könne ein Vogel stark benommen und abwesend wirken – ähnlich, wie wenn er gegen eine Fensterscheibe fliegt. Die versuchte Herzdruckmassage muss dem Vogel nicht geschadet haben, doch dass sie wirklich geholfen habe, bezweifelt Pees. Zudem gebe es ein Risiko: Habe ein Vogel bereits ein Trauma und eine potentielle Blutung, könne man diese durch das Drücken auf den Rumpf verschlimmern, erklärt der Professor. Bei einem Vogel in der beschriebenen Situation sei es wichtig, die Flügel in die natürliche Position zu bringen, sodass sie am Körper anliegen – und ihn von der Rücken- in die Bauchlage zu bringen. Wenn das Tier so sitze, könne es freier atmen. Wichtig sei auch, den Vogel abzuschotten, sodass er sich erholen könne. Viel mehr könne man als Erste-Hilfe-Maßnahme vor Ort nicht machen. Habe ein Vogel zum Beispiel Blut am Schnabel und erhole sich innerhalb weniger Minuten nicht, rät Pees, ihn zum Tierarzt zu bringen. In Istanbul trug Çatan den Vogel nach seiner vermeintlichen Rettungsaktion vom Spielfeld zu den Sanitätern, die den Vogel weiter versorgten. Seine Mannschaft verlor, doch das schien nicht mehr sonderlich wichtig. „Wir haben den Aufstieg verpasst, aber es ist schön, ein Leben gerettet zu haben. Das war wichtiger als der Aufstieg“, sagte er laut SID.