FAZ 04.01.2026
15:42 Uhr

Vierschanzentournee: Nikaido siegt in Innsbruck – Prevc weiter auf Kurs


Der Japaner Ren Nikaido siegt bei der dritten Station der Vierschanzentournee vor Domen Prevc, der seine Gesamtführung jedoch souverän verteidigt. In einem packenden Wettkampf am Bergisel beeindruckt auch ein Deutscher.

Vierschanzentournee: Nikaido siegt in Innsbruck – Prevc weiter auf Kurs

Eine Winzigkeit entschied an einem strahlend sonnigen, aber auch eisig kalten Sonntag am Bergisel über den Sieg sowie Platz zwei und drei in einem packenden Skisprungwettkampf. Domen Prevc, der famose Slowene, der die ersten beiden Wettkämpfe der 74. Vierschanzentournee souverän gewonnen hatte, wurde in Innsbruck, Station drei der Springerserie, mal wieder bezwungen. Distanziert hatte ihn der Japaner Ren Nikaido, allerdings um gerade einmal 0,5 Punkte – das sind umgerechnet knapp 30 Zentimeter. Dritter wurde der Österreicher Stephan Embacher, ihm fehlten nur 0,7 Punkte zu seiner Sieg-Premiere im Weltcup. Das ist in Weite ausgedrückt immer noch weniger als ein halber Meter. An der überlegenen Führung in der Gesamtwertung der traditionellen deutsch-österreichischen Springerserie ändert Prevcs zweiter Platz allerdings nichts. Die führt Prevc weiterhin mit Längen vor dem Österreicher Jan Hörl an, der gestern Vierter wurde. 41,4 Punkte sind vor der finalen Station in Bischofshofen am kommenden Dienstag unter normalen Umständen nicht mehr aufzuholen. Etwas hinter den eng beieinanderliegenden Podiumseroberern landete der Thüringer Felix Hoffmann, dem der weiteste Sprung des zweiten Durchgangs gelang – 130,5 Meter wurden gemessen. Damit schaffte er es auf Tagesrang fünf; diese Position belegt er auch im Tournee-Gesamtklassement. Ein etwas verhaltener erster Sprung verhinderte am Bergisel eine noch bessere Platzierung für den Thüringer. Dabei wäre sein zweiter Flug beinahe enorm schiefgelaufen, denn Hoffmann blieb bei der Bewegung, mit der er sich von dem Balken abstieß, auf dem sich die Springer auf ihren Sprung vorbereiten, einen kurzen Moment kleben. Hoffmann sagte anschließend: „Da bin ich offenbar mit dem Schuh irgendwo hängengeblieben. Ich dachte mir, dass hoffentlich noch die Bindung greift. Aber egal, ich habe trotzdem voll reingehalten beim Absprung.“ Diese Einstellung bei rund 90 Stundenkilometer Anlaufgeschwindigkeit zeigt die Verwegenheit, die Skispringern offenbar gegeben ist. „Tatsächlich bin ich schön ins Segeln gekommen“, sagte Hoffmann noch und lächelte. Prevc verpasst „Grand Slam“ Gelächelt hat nach dem Wettkampf auch Prevc, dem allgemein der Grand Slam aus allen vier Siegen bei den vier Stationen der Tournee zugetraut worden war. Doch schon am Samstag zeigte er bei allerdings auch heftigem Rückenwind Nerven und beendete den Vorwettkampf auf Position 30. Nach dem ersten Durchgang am Sonntag fand er sich auf Rang vier wieder, hätte aber mit einem starken zweiten Sprung fast doch noch gewonnen. Doch Nikaido war zu stark an diesem Tag, an dem es ausnahmsweise am 4. Januar einmal windstill war. „Ich war ein bisschen nervös und bin sehr glücklich darüber, dass ich es geschafft habe, trotzdem eine starke Leistung zu zeigen. Platz zwei heute, das betrachte ich als ein super Ergebnis“, sagte Prevc. Die anderen deutschen Springer platzierten sich am Sonntag klar hinter Hoffmann. Der im Gesamt-Weltcup auf Platz vier geführte Philipp Raimund wurde Zwölfter. Pius Paschke fand sich auf Rang 28 wieder, während die beiden sich derzeit im Formtief befindlichen Karl Geiger und Andreas Wellinger die Positionen 31 und 37 belegten. Bundestrainer Stefan Horngacher bewertete Geigers und Wellingers Flüge dennoch als „kleinen Schritt nach vorne“. Hoffmann wiederum habe im zweiten Durchgang einen „super Sprung“ gezeigt. Auf Platz drei der Tournee-Gesamtwertung fehlen ihm vor dem Tournee-Finale am Dienstag in Bischofshofen 13,7 Punkte. „Das ist viel, aber machbar“, sagte Horngacher.