Domen Prevc war enttäuscht, Philipp Raimund krachte in eine Bande, Andreas Wellinger hatte ziemliches Glück: Der Bergisel in Innsbruck ist schon in der Qualifikation für das dritte Springen der Vierschanzentournee seinem Ruf als „Schicksalsberg“ gerecht geworden. Weil kurz vor Schluss der Föhn einsetzte, wurde das Feld kräftig durcheinandergewirbelt. Während alle fünf DSV-Adler den Sprung in den Wettkampf am Sonntag (13.30 Uhr in der ARD und bei Eurosport) schafften, wurde vor allem Prevc ein Opfer der Windverhältnisse. Der Führende der Gesamtwertung kam mit 112,0 Metern nur auf den 30. Platz. Jan Hörl, im Kampf um den Goldenen Adler für den Gesamtsieg ärgster Verfolger von Prevc, gewann dagegen den Vorausscheid mit 128,0 Metern vor drei weiteren Österreichern. Wellinger mit Glück als 49. dabei Bester Deutscher war Felix Hoffmann, in der Gesamtwertung Vierter, auf dem fünften Rang. Philipp Raimund (16.) sorgte unterdessen für eine Schrecksekunde, als er nach der Landung mit zu viel Geschwindigkeit in eine Bande krachte, die daraufhin zu Bruch ging. „Ich habe da oben mal kurz die Bande mitgenommen. Mir geht es soweit gut. Ich hoffe, das bleibt auch den Rest des Abends so“, sagte Raimund. Auch Pius Paschke (23.) und Karl Geiger (38.) erreichten den Wettkampf der besten 50. Andreas Wellinger hatte als 49. viel Mühe. „Ich hatte Glück, dass ich reingerutscht bin. Aber erleichtert bin ich nicht, weil es sich nicht gut anfühlt“, sagte der zweimalige Olympiasieger, der 0,8 Punkte vor dem 51. Marius Lindvik aus Norwegen lag. Zunächst war Wellinger sogar nur 50., der Pole Pawel Wasek wurde aber noch disqualifiziert. Prevc hatte in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen sowohl die Qualifikation als auch den Wettkampf gewonnen, nun gab es den ersten Rückschlag. „Ich bleibe bescheiden und konzentriere mich auf das, was zu tun ist“, hatte Prevc schon vor dem Wettkampf im ORF gesagt: „Wenn du glaubst, alles zu wissen und der Beste zu sein, dann musst du eines wissen: Skispringen ist ein Sport, wo dir dein eigenes Ego im Weg steht, wenn du zu sehr daran denkst.“ Prevc liegt in der Gesamtwertung mit 619,8 Punkten umgerechnet rund 20 Meter vor Hörl (584,8), der die Qualifikation vor 8400 Fans vor Stefan Kraft, Stephan Embacher und Titelverteidiger Daniel Tschofenig gewann. Embacher ist als Dritter der Gesamtwertung (578,3) ebenfalls noch gut im Rennen. Hoffmann (573,2) und Raimund (566,6) folgen auf den Plätzen vier und sechs. In Innsbruck ist Prevc noch nie über Platz neun hinausgekommen. Dank seiner Topform hat er dennoch beste Chancen, zehn Jahre nach seinem Bruder Peter den Goldadler zu gewinnen. Zudem kann er den „Grand Slam“ mit Siegen auf allen vier Schanzen schaffen, bislang ist dies nur Sven Hannawald (2001/02), dem Polen Kamil Stoch (2017/18) und Ryoyu Kobayashi aus Japan (2018/19) gelungen.
