Als sie die Hymne ihres Heimatlandes anstimmen, legen viele Ukrainer ihre Hand aufs Herz. Am Abend des 24. Februar gedenken sie und zahlreiche Frankfurter auf dem Römerberg des Beginns des russischen Angriffskriegs vor vier Jahren auf die Ukraine. Wobei der erste Überfall ja gar nicht erst 2022, sondern schon 2014 mit der Besetzung der Krim begonnen habe, mahnen immer wieder Redner der Solidaritätskundgebung an. Auch der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) ist gekommen. Am Vormittag hatte er noch die Abfahrt eines der Hilfskonvois aus Hessen in Richtung des Kriegsgebiets begleitet. Seit Beginn des Krieges habe Hessen bereits 140 Hilfstransporte mit 176 Lkw-Ladungen im Gesamtwert von über 14 Millionen Euro in die Ukraine organisiert, zählt der Minister auf. Die Solidarität des Landes drücke sich in solchen Zahlen, aber auch in der Bereitschaft des Landes aus, 100.000 Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen. Auch die Absicht Hessens, mit der Region um Kiew eine Partnerschaft einzugehen, zähle dazu. An die Teilnehmer der Kundgebung gerichtet, sagt Poseck: „Unsere Solidarität ist unbefristet“. Die ukrainischen Redner, darunter Konsul Taras Zholubak, fordern einen gerechten und dauerhaften Frieden. Wie der aussehen könnte? Ein Vertreter der proeuropäischen Bürgerbewegung Pulse of Europe stellt der Menge dazu provozierende Fragen: „Würdet ihr die Krim, würdet ihr die Gebiete im Osten der Ukraine aufgeben, um Frieden zu bekommen?“ „Nein“, schallt es aus vielen Kehlen zurück, laut und entschlossen, ohne ein Zögern. Im Laufe einer Stunde füllt sich der Platz vor dem Römer mit immer mehr Menschen, mit immer mehr blau-gelben Fahnen, die die meisten wie einen Schutz um die Schultern tragen. Knapp 1000 Teilnehmer wird die Polizei am Ende der friedlichen Veranstaltung zählen, die aus Solidarität mit dem angegriffenen Land gekommen sind. Viele davon, wahrscheinlich die meisten von ihnen, sind Ukrainer, mehrheitlich Frauen. Wenn der Toten in diesem Krieg in einer Schweigeminute gedacht wird, wischen sich einige von ihnen übers Gesicht. Und im nächsten Moment, wenn wieder einmal, wie so oft an diesem Abend, aus der Menge der Ruf „Slava Ukraini“ (Ruhm der Ukraine) ertönt, werden sie wie alle anderen mit lauter Stimme antworten: „Herojam slava.“ Ehre den Helden.
