Die Inflationsrate in Deutschland lag im November bei 2,3 Prozent. Das hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag aufgrund einer ersten Schätzung mitgeteilt. Im Oktober hatte die Rate 2,3 Prozent betragen, im September 2,4 Prozent. Nach wie vor sind die Preissteigerungen für manche Lebensmittel überdurchschnittlich, auch Dienstleistungen von der Autoreparatur bis zur Versicherung verteuerten sich deutlich. Insgesamt ist die Inflation gleichwohl schwächer als in den vergangenen Jahren 2022, 2023 und 2024. Die Bundesbank gibt noch keine vollständige Entwarnung. „In den nächsten Monaten dürfte die Inflationsrate vor allem aufgrund von Basiseffekten vorübergehend noch etwas höher ausfallen“, schreibt sie in ihrem November-Monatsbericht. Schokolade teurer, Kartoffeln billiger Was genau alles teurer oder billiger geworden ist, verraten die schon detaillierter veröffentlichten Zahlen aus Nordrhein-Westfalen. Überdurchschnittliche Preissteigerungen auf Jahressicht verzeichneten demnach beispielsweise Kaffee mit plus 22,4 Prozent, Pralinen mit plus 22,1 Prozent sowie Schokoladentafeln mit plus 19,3 Prozent. Günstiger als im Vorjahresmonat angeboten wurden unter anderem Butter mit minus 20,5 Prozent sowie Weintrauben mit minus 20,1 und Kartoffeln mit minus 16,2 Prozent. Unter den Dienstleistungen verteuerten sich Gaststättendienstleistungen um 4,8 Prozent, Hotelübernachtungen um 4,0 Prozent und Versicherungen um 5,2 Prozent. Dienstleistungen sozialer Einrichtungen, dahinter steckt unter anderem die Pflege im Heim, wurden 4,9 Prozent teurer. Heizöl war im November 2,4 Prozent billiger als vor einem Jahr, Erdgas 0,2 Prozent. Der Strompreis stieg um 2,6 Prozent. Auch an den Tankstellen waren die Preise im November im Schnitt etwas höher als vor Jahresfrist. Benzin verteuerte sich um 0,6 Prozent, Diesel um 1,0 Prozent. Deutlich geringere Inflation in Frankreich In anderen Ländern des Euroraums ist die Entwicklung zum Teil anders. In Frankreich beispielsweise betrug die Inflationsrate im November lediglich 0,8 Prozent. Dahinter stecken unter anderem staatliche Eingriffe in den Energiemarkt. In Spanien sank die Rate von 3,2 auf 3,1 Prozent. Analysten zeigten sich überrascht, dass die Rate dort oberhalb von drei Prozent blieb. Die Inflationsrate für den gesamten Euroraum wird am Dienstag veröffentlicht. Im Oktober hatte sie 2,1 Prozent betragen, nach 2,2 Prozent im September. Die Europäische Zentralbank (EZB), die mittelfristig ein Ziel von 2,0 Prozent anstrebt, ist mit der Entwicklung halbwegs zufrieden - und dürfte deshalb ihre Leitzinsen am 18. Dezember vermutlich unverändert lassen. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane beklagt allerdings, dass die Inflationsrate ohne Energie nach wie vor zu hoch sei. Spekulationen, dass die Inflation deutlich unter das EZB-Ziel fallen könnte, finden zumindest im Moment keine neue Nahrung. Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank kommentierte: „Die Inflation liegt ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel weiter deutlich über der Marke von zwei Prozent, obwohl die deutsche Wirtschaft in den zurückliegenden beiden Jahren in der Rezession war und seit Jahresanfang nur stagnierte.“ Gegen eine nachlassende unterliegende Inflation spreche auch, dass die Löhne im dritten Quartal wieder schneller gestiegen seien: „Bei der Inflationsbekämpfung ist die letzte Meile die schwierigste.“
