Ob Till Eulenspiegel wirklich existierte, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Er soll im 14. Jahrhundert als Schalk umhergestreift sein. Sein Markenzeichen war, sich dumm zu stellen, tatsächlich aber gerissen zu sein und Streiche zu spielen. Wenn ein Verlag den „Eulenspiegel“ explizit im Namen führt, sollte man Tills Charaktereigenschaften also im Hinterkopf haben. Diese Zeitung hatte am 2. Oktober 2025 exklusiv berichtet, dass die Muttergesellschaft der Eulenspiegel Verlagsgruppe, die „Berliner Traditionsverlage GmbH“, einen Gesellschafter an Bord hat, der als völkischer Siedler bekannt und vorbestraft ist. Am 17. November meldete sodann die „taz“ unter der Überschrift „Rechter in DDR-Verlag“: „Jahrelang war ein völkischer Siedler Mitinhaber der Eulenspiegel-Verlagsgruppe. Recherchen führten nun dazu, dass der Verlag sich von ihm trennte.“ Dass die Ursprungsrecherche von der F.A.Z. stammte, vergaß die „taz“ geflissentlich zu erwähnen. Die „taz“ ist hintendran Stattdessen informierte die „taz“, was zuvor ähnlich in der F.A.Z. zu lesen war: „Zu der Verlagsgruppe gehören die ‚Eulenspiegelverlagsgruppe‘ und ‚Edition Ost‘, in der einer der Starautoren der ehemalige Staatsratsvorsitzende der DDR, Egon Krenz, ist. Das Programm der Edition mutet ostalgisch an, die DDR und ihre Sicherheitsorgane werden kaum kritisch betrachtet, dafür umso mehr die Nato und die Öffentlich-Rechtlichen. Die Geschichte des NS und des Holocaust finden sich aber auch. Und dennoch: über einige Jahre war einer der Geschäftsinhaber dieser linken Verlage ein völkischer Siedler: Baldur Bachmann.“ Sodann zitiert die „taz“ den Geschäftsführer Andreas Kietzmann, der den politischen Background seines Kompagnons nicht gekannt haben will. Erinnern wir uns an dieser Stelle an Till Eulenspiegel, der sich immer dumm stellte. Bachmanns Haltung und Vergangenheit ist, auch dank des seltenen Vornamens, innerhalb einer Minute via Internetrecherche zu erfahren. Es gibt einen längeren Spiegel-TV-Beitrag, der bei den Suchergebnissen ganz oben erscheint. Kietzmann erklärt der F.A.Z.: „Eine Googlesuche über eine Person, welche ich persönlich kennengelernt habe, mache ich normalerweise nicht, es gab dazu auch keinen Anlass.“ Doch nach Bekanntwerden der politischen Ausrichtung, die Kietzmann wohl aus der F.A.Z. erfuhr, habe er „sofort Maßnahmen ergriffen, um Herrn Bachmann aus dem Verlag auszuschließen“, heißt es in der „taz“. Der Geschäftsanteil Bachmanns von 12.501 Euro ist auf Kietzmann übergegangen. Erstaunlich nur, dass Bachmann weiterhin als Gesellschafter im Handelsregister eingetragen ist. So bestätigt es auch das zuständige Gericht in Sachsen-Anhalt. Darauf angesprochen, teilt Kietzmann der F.A.Z. Folgendes mit: „Da wir die Gesellschaftsanteile von Herrn Bachmann eingezogen haben, ist Herr Bachmann mit sofortiger Wirkung ausgeschieden. Somit ist Herr Bachmann seit November 2025 nicht mehr Gesellschafter.“ Die Änderung im Handelsregister konnte noch nicht erfolgen, „weil ich vor den Feiertagen keinen für mich realisierbaren Notartermin erhielt und aktuell noch bis Ende des Monats im Ausland bin. Die Registeränderung wird im Februar diesen Jahres erfolgen.“ Das Gesetz sagt: „unverzüglich“, also ohne schuldhaftes Zögern Das GmbH-Gesetz verlangt indes, dass solche Veränderungen „unverzüglich“ beim Handelsregister einzureichen sind. „Unverzüglich“ bedeutet: ohne schuldhaftes Zögern. Hier muss man an Till Eulenspiegels Hang zum Streichespielen denken, denn der Hinweis auf den fehlenden Notartermin geht ins Leere. Einen Notar braucht man für diese Art der Handelsregistermeldung nämlich gar nicht. Kietzmann offenbart, Bachmann sei administrativ und bei juristischen Fragen eingebunden gewesen, „Beanstandungen gab es hierzu keine“. Gegenüber der „taz“ hatte er kundgetan, Bachmann sei ausgeschieden, „um weiteren Schaden vom Verlag abzuwenden“. Zur F.A.Z. sagt Kietzmann, man werde keinen einzigen Beleg finden, „dass der politische Teil des Verlagsprogrammes nunmehr ins Gegenteil abdriftet“. Das stimmt. Von einer Querfront spürt man nichts bei Eulenspiegel, Das neue Berlin, Edition Ost, „neues Leben“ und dem „Verlag am Park“. Wozu dann der völkische Siedler? „Herr Bachmann war immer sehr freundlich“, berichtet Kietzmann. „Er war für uns ein echter Problemlöser, rechtlich und wirtschaftlich. Herr Bachmann konnte uns auch in finanzieller Hinsicht unterstützen, was wegen seiner persönlichen Bürgschaft mit Gesellschafteranteilen zeitlich begrenzt abgesichert wurde. Da er sich wirklich gut um alles kümmerte, sah ich damals einen Vorteil in der Zusammenarbeit mit Herrn Bachmann.“ An dieser Geschichte hätte Till Eulenspiegel seine Freude gehabt: Braunes Geld für einen ahnungslosen dunkelroten Verlag.
