FAZ 04.02.2026
06:51 Uhr

Verlängerungen bei Bayern: Die Rechnung des Max Eberl


Max Eberl schafft den Umbruch und stellt einen Kader zusammen, der das Potential hat, Saison für Saison das Champions-League-Halbfinale zu erreichen. Dafür zahlt der FC Bayern aber einen hohen Preis.

Verlängerungen bei Bayern: Die Rechnung des Max Eberl

In seiner ersten Arbeitswoche als Sportvorstand des FC Bayern hat sich Max Eberl in München sofort ein wichtiges Spiel seines Fußballklubs angesehen. Damals, im März 2024, spielte die Mannschaft im Achtelfinale der Champions League gegen Lazio Rom. Eberl sah, wie sie dank der Tore des 30-jährigen Harry Kane und des 34-jährigen Thomas Müller souverän mit 3:0 siegte. Eberl sah aber auch, dass sich der Startaufstellung nur drei Spieler fanden, die nicht 28 Jahre oder älter waren: Matthijs de Ligt, Aleksandar Pavlović und Jamal Musiala. Junge Bayern-Spieler haben lange Verträge So hat Max Eberl an dem Abend also gesehen, warum seine Aufgabe beim FC Bayern nicht ganz einfach sein wird: Er musste einen Umbruch managen bei einem Klub, bei dem wegen der Erfolgserwartung auch ein Umbruch kein Grund für weniger Erfolg ist. Jetzt, zwei Jahre später, steht für den FC Bayern demnächst wieder das Achtelfinale der Champions League an. Das ist nichts Neues. Anders als 2024 könnten sich dieses Mal neben Pavlović (21 Jahre alt) und Musiala (22) aber deutlich mehr Spieler in der Startaufstellung finden, die 25 Jahre oder jünger sind. Die Kandidaten: Alphonso Davies (25), Josip Stanišić (25), Michael Olise (24), Tom Bischof (20) und Lennart Karl (17). Aus der Sicht der Bayern dürfte das Beste daran sein, dass mit all diesen jungen Spielern Verträge bis mindestens Sommer 2029 vereinbart worden sind. Das gilt auch für den jungen Torhüter Jonas Urbig (22), der Stammspieler werden möchte, und für die nicht mehr ganz so jungen Jonathan Tah, Joshua Kimmich und Luis Díaz, die schon Stammspieler sind. Und wenn es stimmt, was nicht nur der Sportsender Sky meldete, wird auch der Abwehrspieler Dayot Upamecano seinen Vertrag in den nächsten Tagen verlängern. Das wäre nur die nächste Bestätigung dafür, dass Max Eberl die nicht ganz einfache Aufgabe erledigt hat. In seinen zwei Jahren beim FC Bayern hat Eberl mit dem Sportdirektor Christoph Freund einen Kader zusammengestellt, der mit Blick auf die kommenden Jahre das Potential hat, Saison für Saison das Halbfinale der Champions League zu erreichen. Und er hat mit Vincent Kompany einen Trainer gefunden, dem zuzutrauen ist, dieses Potential auszuschöpfen. Das ist kein kleiner Erfolg. Doch er hat dafür auch einen hohen Preis gezahlt. So viel Geld wie beim FC Bayern kann man als Fußballspieler bei fast keinem anderen europäischen Klub verdienen. Das haben vor allem die Vertragsverlängerungen mit Musiala und Davies gezeigt. Und das dürfte auch die mit Upamecano zeigen. An ihnen sollen auch die großen Klubs aus England und Spanien interessiert gewesen sein. Doch weil der Gehaltsunterschied nicht so groß ist, wie manche ihn machen wollen, sind sie in München geblieben und ist Harry Kane nach München gekommen. Die Mannschaft des FC Bayern ist noch nicht am Ende ihrer Entwicklung. Doch wegen Harry Kane (der von Eberls Vorgängern verpflichtet wurde) müsste die Entwicklung schneller voranschreiten, als das vorgesehen ist. Denn wenn ein Klub alles in allem fast 200 Millionen Euro in einen damals 30-jährigen Stürmer investiert, setzt er sich damit auch selbst unter Druck, weil er weniger Saisons hat, in denen das Können dieses Stürmers maximiert werden kann. Im Juli wird Kane 33 Jahre alt. Bisher haben die Bayern mit ihm einmal das Halbfinale der Champions League erreicht. Dass sich sein Wert nicht nur in Ergebnissen messen lässt, wird Woche für Woche deutlich. Doch die Champions League bleibt der Wettbewerb, der wesentlich darüber entscheidet, ob die Rechnung aufgeht.