Zur Debatte um die Frage, was man in Deutschland öffentlich sagen darf, tritt nun eine Debatte, mit wem man in Deutschland sprechen darf. Beide Debatten werden dieses Land nicht voranbringen. Die Vorstellung, die gesamte Wirtschaft könne Kontakte mit einer Partei vermeiden, die in den Umfragen bei rund 25 Prozent liegt und in vielen Parlamenten vertreten ist, muss als wirklichkeitsfremd bezeichnet werden. Allein auf kommunaler Ebene ließen sich Begegnungen nicht immer vermeiden. Es ist kein Geheimnis, dass die AfD zu ihren Wählern auch Unternehmer zählt, die sie teils aus Überzeugung wählen, zum überwiegenden Teil aber aus Enttäuschung über die etablierte Politik, in der sich die Union zu häufig zum Büttel der SPD macht. Die Wut und die Verachtung, die manche Vertreter von Unternehmen hinter verschlossenen Türen über die Regierung zeigen, erreicht mittlerweile ein erschreckendes Maß. Von denjenigen, die sich jetzt über die Kontaktaufnahme des Verbands „Die Familienunternehmer“ zur AfD moralisch empören, dürften die wenigsten über ein schlüssiges Konzept zur Bekämpfung des Rechtspopulismus verfügen. Diese Empörung ist vor allem eine Pose. Es bedürfte besserer Politik und, wie die Niederlande gezeigt haben, Politiker aus der Mitte, die Wähler erobern können. Der Verband tut sich jedoch keinen Gefallen mit Bekundungen, man suche den Kontakt zur AfD, um sie zu entzaubern. Das erinnert an die Naivität mancher deutscher Wirtschaftsführer aus den Jahren 1928 bis 1932. Die AfD ist nicht eine rechtspopulistische Partei wie andere in Europa. Sie ist in Teilen verfassungsfeindlich und sie vertritt außenpolitische Positionen, die geeignet sind, dieses Land ins Unglück zu stürzen. Der Verband zöge zwar auch Empörung auf sich, wenn er sagte, dass er früher oder später mit einem Eintritt der AfD in eine Regierung, etwa im Osten, rechne und rechtzeitig Kontakte aufbauen wolle. Es wäre jedoch ein Eingeständnis der Lage, wie sie sich heute darstellt. Ähnliches geschieht gerade in Frankreich, wo die Wirtschaft angesichts der Umfragen Kontakte zum rechtspopulistischen Rassemblement National sucht.
