Die Frauen-Bundesliga hat am Mittwoch einen historischen Schritt vollzogen: Die 14 Klubs gründeten ihren eigenen Ligaverband, den „FBL e.V.“. An die Spitze wählten sie Katharina Kiel, Direktorin Frauenfußball bei Eintracht Frankfurt. Unterstützt wird sie von Veronica Saß, Rechtsdirektorin des FC Bayern, und Florian Zeutschler, Geschäftsführer der SGS Essen. „Es ist ein Tag des Aufbruchs“, sagte Kiel bei ihrer Vorstellung. „Vor etwas mehr als anderthalb Jahren sind wir mit dem klaren Ziel gestartet, den Frauenfußball zu ordnen und ihm eine Richtung zu geben.“ Die Gründung ist das Ergebnis monatelanger Abstimmungen zwischen den Klubs, die ihre Interessen stärker bündeln wollten. Ursprünglich hätte der Schritt am Campus des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erfolgen sollen. Neben dem Ligaverband wäre am selben Tag auch ein Joint Venture mit dem DFB, die „FBL GmbH“, gegründet worden. Weil aber über die Bedingungen ein öffentlicher Streit entbrannte, wurde die Versammlung in eine Stadion-Loge von Eintracht Frankfurt verlegt. An der geplanten Gesellschaft sollten beide Seiten jeweils 50 Prozent der Anteile halten. Der DFB hätte über einen Zeitraum von acht Jahren 100 Millionen Euro in die Frauen-Bundesliga investiert, die Vereine eine Summe zwischen 300 und 700 Millionen Euro bereitgestellt. Doch in den entscheidenden Details herrschte Dissens: Der DFB wollte in dem paritätisch besetzten Führungsgremium eine Zweidrittelmehrheit für Entscheidungen verankern und soll auch eine Ausstiegsmöglichkeit nach vier Jahren ins Spiel gebracht haben. Neuendorfs Grußwort ist vor allem eine Rechtfertigung „Die Idee mit dem DFB ist nicht zerschlagen“, sagte Kiel, die jedoch betonte: „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir die Gemeinschaft nicht eingehen, weil noch offene Punkte zwischen uns und dem DFB stehen.“ Aber: „Wir befinden uns in ergebnisoffenen Gesprächen.“ Dessen Präsident Bernd Neuendorf richtete bei der Versammlung ein Grußwort an die Klubvertreter, das aber vor allem eine Rechtfertigung für das Zerwürfnis darstellte, wie Sitzungsteilnehmer berichten. „Ich war über all die Zeit mit ihm im Austausch. Wir haben auch telefoniert, als es etwas kantiger wurde. Ich halte ihm zugute, dass er nicht derjenige war, der in die Details der Verhandlungsgespräche involviert war“, sagte Eintracht-Boss Axel Hellmann, der dem Verband vorgeworfen hatte, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben, am Rande der Veranstaltung. Einen Weg ohne den DFB hält Hellmann für „nicht erstrebenswert“. Das „Rollenverständnis“ müsse aber geklärt sein. Es seien immerhin die Klubs, die das unternehmerische Risiko tragen, die Infrastruktur schaffen, die Spielerinnen ausbilden und auch anstellen, sagte er. „Es kann also gar nicht anders sein, dass am Ende wir die Entscheidungshoheit über die Entwicklung haben müssen.“ „Es geht nicht darum, eine DFL 2.0 zu gründen“ Gänzlich ohne die Unterstützung des DFB wird es nicht gehen: Die Liga ist bei Themen wie dem Schiedsrichterwesen, der Nachwuchsförderung oder der Sportgerichtsbarkeit weiterhin auf den Verband angewiesen. „Wir sind in erster Linie ein Interessensverband und bündeln die Interessen der 14 Klubs. Alles Weitere liegt beim DFB und wird, solange es nicht anders geregelt ist, auch weiterhin beim DFB liegen“, sagte Kiel. Saß betonte ebenfalls, dass eine „wilde Liga“ nicht das Ziel sei. Die Klubs wissen um die Schnittmengen mit dem DFB. „Wir werden zwangsläufig mit dem DFB sprechen, weil wir anders als die DFL stark mit dem DFB verwurzelt sind“, erklärte Kiel. Die Deutsche Fußball Liga der Männer sei ohnehin nicht das Vorbild. „Es geht nicht darum, eine DFL 2.0 zu gründen“, sagte Zeutschler, sondern die Werte des Frauenfußballs zu bewahren – und zugleich die Professionalisierung voranzutreiben, die dringend benötigt wird. Noch ungeklärt ist, was geschehen würde, sollte das angestrebte Joint Venture scheitern. Wie würde ein Ligabetrieb ohne den DFB funktionieren? Würden die Klubs versuchen, für das Geld, das der DFB eingebracht hätte, einen Investor zu gewinnen? Diese Fragen blieben ebenso offen wie die Ziele, die der Ligaverband anstrebt. Generell sprachen die Präsidiumsmitglieder bei ihrer Vorstellung in Frankfurt kaum über Inhalte. „Das Entscheidende ist, dass der Ligaverband gegründet wurde“, so Zeutschler.
