FAZ 06.10.2026
12:14 Uhr

Verarbeitendes Gewerbe: Auftragseingang der Industrie bricht ein


Weniger Militäraufträge, so vermuten Bankvolkswirte, haben die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe im August förmlich einbrechen lassen. Die Ökonomen sind darüber nicht beunruhigt.

Verarbeitendes Gewerbe: Auftragseingang der Industrie bricht ein

Der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe ist im August drastisch um 10,6 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken. Doch weil es die Großaufträge gewesen sind, die zurückgingen, werten Volkswirte das Minus nicht als dramatisch. Ohne Großaufträge gerechnet, lag der Auftragseingang 0,1 Prozent niedriger als im Vormonat. Er verharrt wie seit 2023 in einem engen Band, ohne eine stabile Aufwärtstendenz zu zeigen. Das Auftragsminus im August betraf Bestellungen aus dem Ausland und besonders aus dem Inland. Die Großaufträge waren in den vergangenen Monaten, als Folge wahrscheinlich staatlicher Bestellungen von Rüstungsgütern, deutlich gestiegen. Sie sind Teil des gut gefüllten Auftragspolsters im verarbeitenden Gewerbe, sind aber für die kurzfristige konjunkturelle Belebung weniger relevant. Das liegt daran, dass Großaufträge in der Regel nach langem Vorlauf und dann über eine längere Zeit abgearbeitet werden. Ob die wirtschaftliche Erholung, die sich im ersten Halbjahr abgezeichnet hat, andauert und sich kräftigt, hängt damit mehr an der Entwicklung der anderen Aufträge. Diese war zuletzt verhalten. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang ohne Großaufträge gerechnet von Juni bis August um 2,6 Prozent niedriger als zuvor. „Von einer Belebung der Nachfrage, wie sie die Stimmungsindikatoren zuletzt angezeigt haben, kann bisher nicht die Rede sein“, kommentierte Ralph Solveen von der Commerzbank. Ökonomen erwarten überwiegend, dass das dritte Quartal von Juli bis September wirtschaftlich eher schwach ausfällt, bevor im gerade begonnenen vierten Quartal die Konjunktur wieder Fahrt aufnehme. Auftragslage verbessert sich durch KI-Boom Das Bundeswirtschaftsministerium wies darauf hin, dass die Industrienachfrage am Jahresbeginn auch von Sondereffekten im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten beeinflusst gewesen sei. Diese Auswirkungen hätten im dritten Quartal spürbar nachgelassen. Insbesondere in Branchen, die vom Hochlauf der Künstlichen Intelligenz und von staatlicher Beschaffung profitierten, habe die Auftragslage sich zuletzt deutlich verbessert. Das Minus des Auftragseingangs im August ging nach Angaben des Statistischen Bundesamts fast ausschließlich auf einen starken Rückgang um 61,5 Prozent im Bereich des sonstigen Fahrzeugbaus zurück. Darin gezählt werden Aufträge für Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge. Doch auch andere Branchen erhielten weniger Aufträge, von den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen (minus 5,3 Prozent) über Maschinenbauer (minus 4,4 Prozent) bis hin zur chemischen Industrie (minus 1,5 Prozent). In der wichtigen Kraftfahrzeugbranche stiegen die Aufträge um 2,8 Prozent, nachdem sie zuvor stark gesunken waren.